Donnerstag , 29. September 2016
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Das Salzmuseum zählt bei den Sehenswürdigkeiten zu den Publikumsmagneten Lüneburgs. Foto: A./t&w
Das Salzmuseum zählt bei den Sehenswürdigkeiten zu den Publikumsmagneten Lüneburgs. Foto: A./t&w

Eine salzige Geschichte

ca Lüneburg. „Schrott oder museales Mekka?“, fragte die Landeszeitung 1980. Die Saline war nach 1000 Jahren Betrieb gerade geschlossen worden, Bürger hatten die Idee, aus dem tausend Jahre alten Betrieb ein Dokumentationszentrum zu machen, das Industriegeschichte erklären sollte. Sie stießen zunächst einmal auf Ablehnung. Dr. Gerhard Körner, Chef des Fürstentummuseums, meinte, ein paar Exponate und Fotos würden reichen, die könnte er aufhängen, dazu solle man das Brunnenhäuschen doch umsetzen. Andere Kritiker argumentierten mit den Kosten: Es sei zu teuer, die maroden Hallen zu erhalten. Doch die Stimmung schwenkte um, 1989 eröffnete das Deutsche Salzmuseum, in diesen Tagen wird das Haus 25 Jahre alt.

Die Ausstellung hinter dem Lambertiplatz lockt jährlich zwischen 50000 und 60000 Besucher, mehr als die anderen Museen oder das Rathaus. Dass manches in die Jahre gekommen ist, wissen auch Museumschef Dr. Christian Lamschus, seine Frau Hilke, die unter anderem für Sonderausstellungen verantwortlich ist, sowie die Vorsitzende des Förderkreises und ehemalige Stadtarchivarin Dr. Uta Reinhardt. Sie würden gerne modernisieren und erweitern. Aber Dr. Reinhardt sagt auch: „Uns ist bewusst, dass dies im Moment nicht möglich ist.“ Denn die Stadt und ihre Partner investieren mehr als acht Millionen für den Museumsneubau am Wandrahm. Lamschus ergänzt: „Ein zweites Projekt könnte die Stadt nicht wuppen, schon gar nicht ohne Zuschüsse der Europäischen Union.“

Hilke und Dr. Christian Lamschus leiten das Salzmuseum. Foto: ca
Hilke und Dr. Christian Lamschus leiten das Salzmuseum. Foto: ca

Die Pläne einer Erweiterung sind bekannt, zieht der benachbarte Supermarkt aus, möchte das Salzmuseum die Flächen nutzen. Doch zum einen sind die Eigentumsverhältnisse nicht einfach, zum anderen wäre ein Kauf oder eine Pacht sehr teuer. Und so bleibt noch offen, wohin die Reise geht.

Die 4000 Quadratmeter des Supermarktes zu füllen, wäre kein Problem. Mitarbeiter und Leitung wünschen sich Werkstätten und Büros, dazu Platz, um beispielsweise die Lüneburger Senkungsgeschichte zu dokumentieren. Hilke Lamschus sagt: „Die Pläne sind fertig, wir könnten morgen loslegen.“ Doch erst einmal begnügt sich die Museumscrew mit dem Machbaren. So bereitet sie zwei Sonderausstellungen vor, die sich zum einen um Frauen und Wirtschaft sowie um Salzmineralien drehen sollen.

Sonderschauen haben immer wieder Glanzlichter gesetzt, aktuell ist es die Schau zur Geschichte der Hanse sowie die Beiträge zum Leben in den 50er- Jahren. Beleuchtet wurden etwa die Arbeit der Stadtarchäologie, die Medizin- und Hygiene-Historie an der Ilmenau und das Kriegsende in Lüneburg.

Dabei waren die Anfänge von Widerstand geprägt. Die Idee, Arbeit und Alltagsgeschichte zu zeigen, war in den 80er-Jahren Neuland. Unter anderem der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und andere setzten sich in dem bis heute bestehenden 130 Mitglieder zählenden Förderkreis des Museums ein. Der damalige Vorsitzende des Kulturausschusses, Dirk Hansen (FDP), erkannte die Bedeutung für die Stadt, deren Schicksal das Salz war und, touristisch betrachtet, noch heute ist. Schließlich zog auch der Rat mit. Seit der Eröffnung unterstützt die Stadt und seit neuestem ihre Museumsstiftung das Haus, Gehälter und Sachkosten werden aus dem Stadtsäckel bezahlt. Doch für Sonderschauen müssen Lamschus und seine Mitstreiter Sponsoren finden. Das gelinge auch, mehr oder weniger gut: „Das ist bei anderen Museen nicht anders.“

Für Sonntag, 14. September, plant die Mannschaft eine Geburtstagsfeier. Von 10.30 Uhr an können Besucher die Ausstellung kennenlernen. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) wird den Tag eröffnen.