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Ein scharfes Teil ist die Axt, Zimmermann Hannes Schnelle zeigt Christian, Benjamin und Matthias, wie er aus einem Eichenstamm eine Stitzbank macht. Die drei Brüder Csuraji hören gespannt zu. Foto: t&w
Ein scharfes Teil ist die Axt, Zimmermann Hannes Schnelle zeigt Christian, Benjamin und Matthias, wie er aus einem Eichenstamm eine Stitzbank macht. Die drei Brüder Csuraji hören gespannt zu. Foto: t&w

Eine Reise in die Renaissance + + + Mit Fotogalerie + + +

ca Lüneburg. Bernd Strauch und Hans-Joachim Holtermann haben zu tun. Die Wand ihres Schiffes muss abgedichtet werden. Sie schlagen geölten Hanf in die Spalten zwischen den Brettern. Pinseln das Holz mit Leinölfirnis und Wurzelteer, schließen letzte Lücken mit heißem Teer. Die beiden gehören zur Crew des Salz-Ewers, dessen historische Vorbilder einst Salz von Lüneburg über Ilmenau und Elbe nach Lauenburg brachten, wo es auf kleinere Schiffe, die Prahme, umgeladen und weiter nach Lübeck gebracht wurde. „Der Ewer ist innen trocken“, sagt Strauch. Lediglich Regenwasser sammle sich in dem Boot, das zumeist am Alten Kran liegt. Die uralte Methode des Kalfaterns habe sich bewährt.

Das Duo erzählte und zeigte sein Können am Wochenende auf der Alten Handwerkerstraße. Alle zwei Jahre bittet der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) zur Zeitreise in die Zeit um 1500. Es war eine moderne Epoche, der Abschied vom Mittelalter. Wie es sich lebte, darin gewährt der ALA einen Einblick, der viel Wert auf Details legt.

Das zeigt sich etwa an den prächtigen Kostümen, in denen Hauptmann Christian Rümmelein und seine Stadtwache durch die Gassen im Schatten von St. Michaelis patrouillieren. Hellebarden in den Händen bahnen sie sie einen Weg durch die Menge, prüfen mit scharfem Blick, ob sich da Gesindel mit langen Fingern herumtreibt. Einer von den starken Männern ist Jens Koch, der sich von Liv Wolter und Nele Monien einen Schluck in seinen Becher einschenken lässt. Im eigentlichen Leben ist der 57-Jährige Sparkassenkaufmann, doch die Verwandlung gefällt ihm: „Es macht Spaß, ich bin gerne dabei.“ Den beiden jungen Frauen geht es nicht anders.

Ein Stück weiter siedet Malte Weber Sole: „Aus 25 Litern koche ich in zwei Stunden acht Kilo Salz heraus.“ Es ist ein schweißtreibender Job, wenn Weber mit einem Rechen durch das köchelnde Wasser fährt, damit das Salz nicht festsetzt.
Duolzic Bozerza und ihr Mann Marian sind aus Polen angereist. Die Korbflechterfamilie hat neben Körben in allen Größen auch einen Schaukelstuhl im Angebot. „Wir sind zum ersten Mal hier“, berichtet die Händlerin. „Der Markt hat einen guten Ruf, deshalb sind wir gekommen.“ Sie hoffen, dass sie viele Interessenten für ihre Waren finden.

Damit haben die Helfer an den ALA-Ständen kein Problem. Mancher greift zu, um sich eine Bratwurst mit süßem Senf schmecken zu lassen. ALA-Vereinsvorsitzender Curt Pomp war am Sonnabend mit Resonanz und Zuspruch zufrieden, den Besuchern gefalle es, sich an den mehr als 60 Ständen umzutun und den Handwerkern über die Schulter zu schauen. Allerdings machte dem Fest am Sonntag der Regen zu schaffen.

So konnten sie etwa Hannes Schnelle und seine Kollegen von der Zimmerei Köpp bestaunen, die aus einem Eichenstamm mit Axt und Säge eine Sitzbank schlugen, die bald in Vogelsang an der Elbe stehen soll. Ein Stück weiter zog Sabine Jaraß Peddig-Rohr als neue Bespannung in alte Stühle ein: „Das Handwerk geht ins 16. und 17. Jahrhundert zurück. Das Peddig-Rohr ist eine Lianenpflanze aus Indonesien. Sie kam aus englischen und holländischen Kolonien nach Europa.“ Das Geflecht halte „30 Jahre und mehr“. Doch es gebe ein Problem: Indonesien erlaube die Ausfuhr der Schlingpflanze nicht mehr: „Uns fehlt irgendwann der Nachschub.“

Entspannung boten an der Neuen Straße die Klänge der Stadtpfeifferey sowie die heiteren und äußest eleganten Darbietungen des Höfischen Tanzkreises um May Pause. Nach einem Rundgang endete die Zeitreise und viele dürften nicht lange überlegen, ob sie zum nächsten Fest in zwei Jahren wiederkommen es macht einfach Spaß.

 

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One comment

  1. Unsere Kinder hatten viel Spass bei den „Historischen Kinderspielen“!