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Die ehrenamtlichen Helfer Erich Schillberg, Dennis Seitz, Rolf Cordes, Eduard Sonnenfeld und Walter Beck (v.l.) unterstützen Peter Novotny (r.) beim Beladen. Foto: t&w
Die ehrenamtlichen Helfer Erich Schillberg, Dennis Seitz, Rolf Cordes, Eduard Sonnenfeld und Walter Beck (v.l.) unterstützen Peter Novotny (r.) beim Beladen. Foto: t&w

In Bila Zerkwa herrscht Not und Leid

as Lüneburg. Auf dem Hof vorm Lager der Stiftung Hof Schlüter im Stadtteil Hagen steht ein 40-Tonner mit ukrainischem Kennzeichen. Ehrenamtliche Helfer wie Walter Beck, Rolf Cordes, Dennis Seitz und Eduard Sonnenfeld haben ihn bis unter die Decke mit Betten, Tischen, Stühlen, Bettwäsche, Kartons mit Kleidung und Kinderspielzeug beladen. Mittwoch startete der Hilfstransport in die ukrainische Stadt Bila Zerkwa. „Die Sachen sind für Krankenhäuser, Kinderheime und notleidende Menschen bestimmt“, sagt Stiftungsvorstand Peter Novotny. Der Scharnebecker war zuletzt im Mai in der Region, er sagt: „Die Lebenssituation auch der Menschen in Bila Zerkwa hat sich seit der Ukraine-Krise verschärft.“

Seit 2000 engagiert sich die Stiftung Hof Schlüter in Bila Zerkwa, die Stadt liegt rund 80 Kilometer südlich von Kiew und hat rund 200000 Einwohner. Wie vielerorts in der Ukraine sind dort viele Menschen bitterarm. „Im Zuge der Ukraine-Krise hat die Landeswährung Griwna noch einmal deutlich verloren, die Lebenshaltungskosten sind entsprechend gestiegen, Gehälter gleichzeitig nach unten gegangen“, berichtet Novotny.

Die Gesundheitsversorgung, die nicht staatlich geregelt ist, war schon immer eine „Katastro­phe“. Patienten, die in Kliniken behandelt werden, müssen Medikamente aus eigener Tasche bezahlen und zum Teil Bettwäsche mitbringen.
Die Kliniken sind zum Teil marode, weil die staatliche Unterstützung bescheiden ist. Die Stiftung Hof Schlüter hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Krankenhäuser nicht nur mit Inventar zu unterstützen, sondern auch Sanierungen zu finanzieren.

„Im Krankenhaus Nr. 2 haben wir zuletzt drei von zwölf Etagen renovieren lassen und mit Betten ausgestattet.“ Die Betten stammen aus deutschen Kliniken wie jetzt beim Hilfstransport von der Diana-Klinik. Insgesamt 60 Tonnen Bettwäsche hat die Lüneburger Firma Marwitz in den vergangenen Jahren gespendet, berichtet Novotny, aber es gibt auch viele private Spender, die unter anderem Kleidung, Geschirr oder Spielzeug zur Verfügung stellen. Ehrenamtliche Helfer um Helga Novotny sortieren die Sachen und machen sie versandfertig für die Hilfstransporte. Helfer vor Ort in Bila Zerkwa sorgen dafür, dass die Sachen an notleidende Menschen und Kinderheime gehen. Einmal pro Jahr holt die Stiftung auch Kinder aus armen Familien zum Erholungsaufenthalt nach Lüneburg. Untergebracht in der Jugendherberge, bereiten Peter und Helga Novotny ihnen sechs Wochen lang ein buntes Aktionsprogramm.

Novotny hält ständig Kontakt zu seinen Mittelsleuten in Bila Zerkwa. „Die Stimmung unter den Menschen in der Stadt ist gedrückt, und es herrscht Wut auf die Separatisten in der Ost-Ukraine.“ Zwar ist die Konflikt-Region rund 800 Kilometer entfernt, doch sie sorgt auch in Bila Zerkwa für großes Leid. „Von unserer Dolmetscherin Natalie Gedz habe ich erfahren, dass große Trauer herrscht. In den vergangenen Wochen sind immer wieder Lkw mit Särgen in die Stadt gekommen. Denn in einer Brigade, die in einem gefährlichen Abschnitt in der Ost-Ukraine eingesetzt war, dienen viele Soldaten aus Bila Zerkwa.“ Derzeit leben auch 400 Flüchtlinge aus der Ost-Ukraine in der Stadt.

Von seiner Ukraine-Reise im Mai hat Novotny auch Bilder vom Protz-Anwesen des gestürzten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch mit nach Hause gebracht. Der Prunkbau ist zum Museum geworden. „Er steht im krassen Gegensatz zu dem Leben, das 95 Prozent der Bevölkerung führen muss“, sagt Novotny, der heruntergekommene Häuserblocks, marode Kinderheime und notleidende Familien vor Augen hat.