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Unter den Gästen beim Leuphana Energieforum war Prof. Klaus Töpfer (l.), ehemaliger Bundesumweltminister. Mit Professor Thomas Schomerus (M.) diskutierte er den aktuellen Stand der Energiewende. Das Gespräch wurde moderiert von Joachim Mahrholdt. Foto: Leuphana/nh
Unter den Gästen beim Leuphana Energieforum war Prof. Klaus Töpfer (l.), ehemaliger Bundesumweltminister. Mit Professor Thomas Schomerus (M.) diskutierte er den aktuellen Stand der Energiewende. Das Gespräch wurde moderiert von Joachim Mahrholdt. Foto: Leuphana/nh

Mammutprojekt für Mittelstand

mm Lüneburg. Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie heißt es zur Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes: „Wir haben etwas an der Energiewende gestrichen: Nachteile.“ Gestrichen wurden aber auch Vorteile, so wurde etwa die garantierte Einspeisevergütung für Anlagenbetreiber von erneuerbaren Energien herabgesenkt. Aber geht es für ein Gelingen der Energiewende eigentlich nur ums Geld? Nein, sagen die Diskutanten beim Energieforum der Leuphana Universität, ausgerichtet im Rahmen des EU-Regionalentwicklungsprojektes Innovations-Inkubator in Kooperation mit der IHK Lüneburg-Wolfsburg und der IHK Stade.

Unter dem Titel „Vernetzt. Regionale Lösungen für die Energiewende“ tauschten sich Vetreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Energiewende aus und darüber, wie die weiter vorangetrieben werden müsse. Zum Energieforum kamen über 260 Teilnehmer. „Das ist mehr als im letzen Jahr“, betonte Tagungsleiter Professor Thomas Schomerus. Es bilde sich langsam eine Lüneburger Energiegemeinschaft. Dazu gehörte auch Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und jetziger Chef des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam, das er selbst gegründet hat. „Die Energiewende ist aus Deutschland nicht mehr wegzudenken“, sagt der Alt-Minister. Sie sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das bezeugten über 800 Energiegenossenschaften, „wer hätte gedacht, dass dieses Modell wieder derart auflebt?“, fragt Töpfer. Finanziert würde die Energiewende zudem fast ausschließlich von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Trägt sich die Entwicklung noch weiter? Töpfers Blick in die Zukunft ist auch mit Sorgenfalten auf der Stirn belegt. Knackpunkt seien soziale Konsequenzen. „Was ist mit den sozial Schwachen? Manche können nicht in Solaranlagen auf dem Dach investieren, wenn sie gar keines über dem Kopf haben.“ Auch deswegen sei die Energiewende ein Gemeinschaftsprojekt.

Das sieht auch Schomerus so. Gemeinsam die Wende vorantreiben, sei der Erfolgsschlüssel: „Wir brauchen eine verlässliche und kontinuierliche Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.“ Auch um Interessenkonflikten entgegenzuwirken. Über die spricht auch Bundestagsabgeordnete Nina Scheer (SPD): „Die Energiewende ist jetzt schon eine Erfolgsgeschichte, aber wir müssen aufpassen, dass sich die Interessenkonflikte nicht zuspitzen.“ Probleme gebe es bei der Wahrnehmung und den Kosten.

Vor den Interessenkonflikten warnt auch Professor Erik Hansen, sein Arbeitsschwerpunkt an der Leuphana ist das Management der Energiewende. „Die Konflikte müssen aufgebrochen werden, denn sie bremsen den Erfolg.“ Dazu sollte es mehr positive Öffentlichkeitsarbeit geben. International schauten alle Länder auf Deutschland, die nationale Betrachtung sei weniger positiv. „Der Wille zum Umdenken muss weiter von den Bürgern und dem regionalen Mittelstand vorangetrieben werden“, sagt sein Kollege Professor Schomerus. Gestemmt würde das Mammutprojekt in der Region von den Bürgern und den mittelständischen Unternehmen. Die hat auch Lothar Nolte, Leiter der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, im Blick: „Der Netzausbau muss vorangehen. Vor Ort muss Kreativität freigesetzt werden, um innovative Konzepte zu fördern.“ Der Dialog zwischen Unternehmen, die auf alternative Energiekonzepte umstellen, müsse gestärkt werden. Viele Unternehmen scheuten zu sehr ein Risiko durch sich verändernde Prozessabläufe.

Ein Unternehmer, der dieses Risiko nicht scheut, ist Wolfgang Schmalz. Seine Firma arbeitet mit Vakuumtechnologie, eine Technik zum Handhaben von größeren Baueilen mittels Unterdruck beispielsweise für die Montage von Rotorblättern bei Windanlagen. Energiequellen sind für den Betrieb von Schmalz regenerative Energien, langfristig lohnten sich Investitionen in Energieeffizienzbereiche. „Wir erleben gerade die Energiewende 1.0, es findet ein Umdenken bei den Erzeugern statt.“ Der nächste Schritt sei, dass auch die Verbraucherseite flexibler reagiere. Das wäre dann die Energiewende 2.0.

EEG-Reform
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist die zentrale Säule der deutschen Energiewende. Ziel ist eine klima- und umweltverträgliche Stromerzeugung, knapper werdende, fossile Brennstoffe sollen durch alternative Energien ersetzt werden. Zur Förderung des Ökostroms wurde 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz beschlossen, das nun zum 1. August 2014 reformiert wurde. Wesentliche Änderungen daran sind:

– Betreiber neuer Anlagen werden als durchschnittliche Vergütung für erneuerbare Energien ab 2015 im Schnitt nur circa 12 Cent pro Kilowattstunde (kWh) erhalten, zurzeit beträgt die Einspeisevergütung noch 17 Cent.

– Die sogenannte „Besondere Ausgleichsregelung“, durch die stromintensive Unternehmen keine oder nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen, wurde überarbeitet und an geltendes EU-Recht angepasst. Künftig gilt die Ausnahmeregelung nur für stromintensive Unternehmen aus Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen.

– Eigenstromversorger, die konventionell Strom herstellen, werden künftig erstmals an den Kosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien beteiligt davon betroffen sind Neuanlagen. Für Bestandsanlagen gibt es keine Änderung.

– Bis 2025 soll der Anteil der erneuerbaren Energien zwischen 40 und 45 Prozent und bis 2035 zwischen 55 und 60 Prozent betragen.

– Infos unter: www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Erneuerbare-Energien/eeg-reform.html mm/Quelle bmwi

One comment

  1. Professor Schomerus sagt: Gemeinsam die Wende vorantreiben, sei der Erfolgsschlüssel: “Wir brauchen eine verlässliche und kontinuierliche Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.”

    Gut Herr Professor, was nützt alles Gerede, wenn es keiner ernst meint? Hier meine Begründung: Ich hab das Aufzugsystem mit Gegengewicht sorgfältig analysiert, Ergebnis: Verbindlicher Stand von Wissenschaft und Technik ist, dass damit im Idealfall 100% kinetischer Energieverzehr eingespart werden. Dieses traumhafte Ergebnis ist für jedermann einfach nachprüfbar und bedarf keiner gesonderten wissenschaftlichen Bestätigung mehr. Gesunder Menschenverstand reicht aus!

    Beweis: Gegengewicht stellt Gleichgewicht ein, sodass ~5% statt ~105% kinetische Energie zur Systemverschiebung mit gleichem Ergebnis ausreichen. Einsparung 100%. Eine Neue PE-Drive Antriebs- und Energiebereitstellungstechnologie kann dies erstmals auch in der Rotation fortlaufend (bei allen techn. Systemen). D.h., wir können alle bekannte Umwelt- und Energieproblem als gelöst betrachten. Aber wer will das schon wirklich? Warten Sie die Reaktion auf meinen Kommentar ab, dann finden Sie selbst die zuverlässig wahre Antwort.