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Manfred Möller, Leiter der RLS-Selbsthilfegruppe Lüneburg, erklärt das Leiden. Foto: us
Manfred Möller, Leiter der RLS-Selbsthilfegruppe Lüneburg, erklärt das Leiden. Foto: us

Der quälende Bewegungsdrang

us Lüneburg. Es ist nicht heilbar, und es ist unklar, woher es kommt. Das Restless Legs Syndrom (RLS) zu Deutsch: Ruhelose Beine Syndrom ist für die Medizin immer noch mit vielen Rätseln verbunden. Mehrere Hunderttausend Menschen leiden nach Angaben der Deutschen Restless Legs Vereinigung allein in der Bundesrepublik unter der chronisch neurologischen Erkrankung, weltweit sollen bis zu sieben Prozent der Bevölkerung davon betroffen sein.
„Es äußert sich als ein Reißen und Ziehen in den Beinen, das sehr schmerzhaft werden kann. Und immer ist es mit einem unwiderstehlichen Bewegungsdrang verbunden“, berichtet Manfred Möller, Leiter der Lüneburger RLS-Selbsthilfegruppe. „Bei mir fing es an, als ich 50 war.“
Um die schmerzhaften Empfindungen zu entlasten, müssten die Betroffenen ihre Beine oder auch ihre Arme zwanghaft bewegen. RLS kann Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter treffen, Frauen allerdings häufiger als Männer. Sobald die Betroffenen zur Ruhe kommen wie beim Sitzen oder Liegen, beim Fernsehen oder bei langen Autofahrten, nehmen die Empfindungen zu. Da die Symptome normalerweise abends intensiver werden, stören sie häufig den Schlaf, die Folge können dabei ernsthafte familiäre, gesellschaftliche und berufliche Beeinträchtigungen sein.
Abhilfe könnten oft nur Medikamente schaffen, weiß Möller aus eigener Erfahrung. Doch trotz wissenschaftlicher Fortschritte ist es für Menschen mit RLS immer noch eine Herausforderung, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu bekommen. „Das Problem ist, dass viele Hausärzte RSL immer noch nicht kennen, obwohl es bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt ist.“ Damals war der schwedische Neurologe Karl-Axel Ekbom auf das Phänomen gestoßen.
Rund 120 Selbsthilfegruppen gibt es in Deutschland, eine davon in Lüneburg. An jedem letzten Freitag im Monat trifft sie sich von 16 bis 18 Uhr im Guttempler-Haus in der Wallstraße 22. Meist sind es um die 15 Betroffene, die sich in der Gruppe über ihre Situation austauschen und mit Informationen über neue Erkenntnisse versorgen.
Möller hofft, dass der „Welt-RLS-Tag“, der am 23. September stattfindet, das Bewusstsein der Menschen für die rätselhafte Krankheit stärkt. „Zahn- und Kopfschmerzen kann jeder verstehen, aber ruhelose Beine haben es deutlich schwerer.“