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Unbekannte haben Flaschen in die Bruthöhlen des Eisvogels gesteckt und damit eine erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses verhindert. Jetzt ermittelt der Kreis. Foto: nh
Unbekannte haben Flaschen in die Bruthöhlen des Eisvogels gesteckt und damit eine erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses verhindert. Jetzt ermittelt der Kreis. Foto: nh

Der Eisvogel taucht ab

kre Deutsch Evern. ,,Wir haben Hinweisschilder aufgestellt, notgedrungen den Zaunschutz immer weiter verbessert“, sagt Stefan Bartscht vom Fachdienst Umwelt, um mit bitterer Stimme einzugestehen: ,,Offenbar vergebens. Dummheit macht eben auch vor solchen Sperranlagen nicht halt!“ Seit Jahren war die Ilmenau bei Deutsch Evern sicheres Brutgebiet für den Eisvogel. Der lehmig-sandige Steilhang bietet dem fliegenden Fischjäger schließlich ideale Bedingungen, um in Nisthöhlen seinen Nachwuchs großzuziehen. Dumm nur, dass die Schönheit der Natur nicht nur den Eisvogel 2009 vom Naturschutzbund zum Vogel des Jahres ernannt anlockte, sondern auch gedankenlose Zeitgenossen, die die Sandhänge und die Ilmenau als idealen Grill- und Badeplatz für sich erkoren haben. Manche hatten sich in diesem Sommer offenbar ganz gezielt auch einen Spaß daraus gemacht, den Eisvogel zu vertreiben.

,,Naturschützer vom Nabu Lüneburg haben leere Getränkeflaschen entdeckt, die mit Absicht in die Nisthöhlen gestopft worden waren“, berichtet Barscht. Mit fatalen Folgen: Erstmals seit Jahren konnte der Eisvogel an dieser Stelle keinen Nachwuchs großziehen. ,,Wahrscheinlich wurde durch die Flaschen das gesamte Gelege zerstört“, berichtet Bartscht und setzt nach: ,,Was sind das bloß für Idioten, die so etwas machen?“ „Offensichtlich haben viele Menschen den Bezug zur Natur längst verloren“, stellte vor wenigen Monaten auch der Lüneburger Nabu-Vorsitzende Thomas Mitschke frustiert fest.

Gefahr droht dem Eisvogel aufgrund seines blauschillernden Gefieders auch als „fliegendes Juwel“ bezeichnet von allen Seiten: vom Lande und vom Wasser aus. Und das, obwohl der Eisvogel an der Ilmenau in einem Naturschutzgebiet lebt und brütet und auch deshalb unter besonderem Schutz steht. Das stört aber weder so manche Paddler, die mit ihren Booten am Steilhang anlegen und somit den Eisvogel stören, noch die rücksichtslosen Zeitgenossen, die in unmittelbarer Nähe der Steilwand grillen und ihren Dreck hinterlassen. Dass dabei auch die Zäune niedergetrampelt werden, die der Landkreis zum Schutz des Eisvogels als ,,Bannmeile“ gezogen hat für Bartscht und Mitschke mehr als ärgerlich. Die Folge: Die Absperrung wird immer professioneller, der Zaun immer weiter verstärkt. Stellenweise müssen sich Spaziergänger schon vorkommen, als würden sie an der alten innerdeutschen Grenze statt an der Ilmenau entlang laufen.

Dass trotz all dieser Anstrengungen der Eisvogel erstmals seit Jahren wieder ohne Bruterfolg blieb, macht Mitschke und Barscht traurig und wütend: ,,Die Folge ist jetzt doch, dass wir beim Landkreis überlegen müssen, wir wir den Druck aus den Schutzgebieten nehmen können“, sagt Stefan Bartscht und das nur, ,,weil sich einige wenige in und gegenüber der Natur rücksichtslos verhalten“, ärgert sich der Chef der Unteren Naturschutzbehörde. Bartscht kündigt an: „Die Sache ist noch nicht ausgestanden. Wir haben Strafanzeige gestellt!“ Führen die Ermittlungen zum Erfolg, drohen empfindliche Strafen bis hin zur Freiheitsstrafe.