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Blicken zuversichtlich in die ökumenische Zukunft: der evangelische Pastor Andreas Stolze und die katholische Gemeindereferentin Jutta Segger. An diesem Wochenende wird auch ein Rückblick gehalten auf Deutschlands erstes ökumenisches Gemeindezentrum. Foto: be
Blicken zuversichtlich in die ökumenische Zukunft: der evangelische Pastor Andreas Stolze und die katholische Gemeindereferentin Jutta Segger. An diesem Wochenende wird auch ein Rückblick gehalten auf Deutschlands erstes ökumenisches Gemeindezentrum. Foto: be

Wegbereiter der Ökumene

rast Lüneburg. Am 21. September 1974 fand nach einem Gottesdienst in der Schule Kaltenmoor die feierliche Schlüsselübergabe für das Ökumenische Kirchenzentrum St. Stephanus statt. Es war nicht nur ein besonderer Tag für Lüneburg, sondern ein Ereignis, das bundesweit durch die Presse ging, denn das Kirchenzen­trum war einmalig in Deutschland und gilt als Wegbereiter der Ökumene. ,,Ein Experiment wird 40″, sagt Andreas Stolze, Pastor der evangelischen St.-Stephanus-Gemeinde: ,,Das feiern wir, weil wir unser Zentrum nicht als Museum verlorener Träume begreifen, sondern als Notwendigkeit. Das zeigt uns Kaltenmoor jeden Tag.“ Gemeindereferentin Jutta Segger, katholische Geschäftsführerin des Hauses: ,,Alle, die mit St. Stephanus unterwegs waren und sind, sind herzlich willkommen.“ Gefeiert wird von Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. September.

Ein Blick zurück: Auch wenn Anfang der 60er-Jahre die Bereitschaft vieler Christen beider Konfessionen zu mehr Zusammenarbeit in den Kirchen da war, so wäre dadurch noch längst kein ökumenisches Zen­trum entstanden. Ein Zufall kam zu Hilfe: In Kaltenmoor sollte ein Baugebiet entstehen, in dem einmal 10000 Menschen wohnen sollten. Die evangelische und die katholische Kirche wurden aufgefordert, ihre Vorstellungen über den Bau von Kirchen in dem Stadtteil vorzutragen. Im Februar 1968 wurden unter Federführung des Braunschweiger Architekten Prof. Oesterlen im Lüneburger Rathaus die Entwürfe eines Studentenwettbewerbs vorgestellt.

Nach Vorstellung des 1. Preisträgers waren beide Kirchen nebeneinander vorgesehen. Damit war die Idee „Zwei Kirchen unter einem Dach“ fast geboren. Zu anfänglich ökonomischen Erwägungen kamen bald ökumenische dazu. Der damalige Superintendent Rudolf Wolckenhaar und sein katholischer Kollege, Pfarrer Arnold Husse von St. Marien, waren sich schnell einig, ein Zentrum für beide Tochtergemeinden zu bauen. Vorangetrieben auf katholischer Seite wurde das Projekt ab 1969 von Pfarrer Jürgen Schwarzenburg, dem Nachfolger von Arnold Husse, der sich bestens mit dem evangelischen Superintendenten Martin Voigt verstand.

Die Geburtsstunde des Ökumenischen Kirchenzentrums St. Stephanus schlug dann am 27. Mai 1973 mit der Grundsteinlegung, am 22. September 1974 wurde die evangelische und am 29. September 1974 die katholische Kirche eingeweiht. Den Schlüssel übergab Architekt Carl-Peter von Mansberg im Namen seiner Kollegen Hoek und Wiskott sowie des Braunschweigers Hafkemeyer an Prälat Prof. Dr. Franz-Josef Wothe und Landessuperintendent Dieter Andersen.

Wie sehr die Kaltenmoorer Christen hinter der Ökumene stehen, zeigten sie 2010 bei den Protesten in Sachen Osternachtfeier. Es war schon Tradition, dass beide Konfessionen sich zum wichtigsten Fest des Kirchenjahres zu einem gemeinsamen Gottesdienst in St. Stephanus trafen das Abendmahl allerdings feierten sie in einem Raum nacheinander, jeder nach seinem Ritus. In all der Zeit hatte niemand etwas dagegen einzuwenden. Als 2010 aber jemand den Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, nach einer offiziellen Stellungnahme dazu fragte, reiste der flugs nach Lüneburg und machte klar: Das Abendmahl wird getrennt, also in verschiedenen Räumen gefeiert. Den Rest der Osternacht können die Konfessionen gemeinsam verbringen.

„Unterwegs in eine neue Welt“ unter diesem Motto haben beide Gemeinden ein Festprogramm zusammengestellt, das Appetit macht. Ein ökumenisches Abendgebet mit Beiträgen aus sechs Nationen und drei Konfessionen eröffnet am Freitag, 26. September, um 18 Uhr die Reihe. Im Anschluss üben sich die Veranstalter in Infotainment, wenn Pastoralreferent Hans-Georg Spangenberger aus Hameln über ökumenische Erfahrungen an der Basis spricht, eingerahmt und unterbrochen vom Hamburger Improvisationstheater Steife Brise.

Ganz im Zeichen der Kinder steht der Sonnabend, wenn von 11 bis 16 Uhr der Kinderbibeltag sich „einem Versprechen auf die Spur“ setzt. Samstagabend tanzt die Ökumene, ab 19 Uhr wird geschwooft. Am Sonntag steht der Festgottesdienst ab 10.30 Uhr im Mittelpunkt, den der Hildesheimer Generalvikar Dr. Werner Schreer und Landessuperintendent Dieter Rathing mit gestalten. Grußworte, ein gemeinsames Mittagessen und Kaffee und Kuchen lassen das Fest ausklingen. Eine eigens entworfene Ausstellung zur Geschichte des Ökumenischen Gemeindezentrums begleitet das Geschehen. Die evangelische Gemeinde hat rund 4300 Mitglieder, die Zahl der katholischen St.-Stephanus-Gemeinde wird nicht separat gerechnet, da sie seit 2004 zur Pfarrei St. Marien gehört.