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Bier wird im Jägerhof in Oedeme nicht mehr ausgeschenkt, auf dem Areal könnten nach dem Ende der Gaststätte neue Häuser entstehen. Foto: ahe
Bier wird im Jägerhof in Oedeme nicht mehr ausgeschenkt, auf dem Areal könnten nach dem Ende der Gaststätte neue Häuser entstehen. Foto: ahe

Stadtvillen unerwünscht

ahe Lüneburg. Es ist ein kleines Gebiet, vielleicht 15 Wohnhäuser könnten dort entstehen. Doch weil sie nicht an der Peripherie, sondern mitten im alten Ortskern von Oedeme gebaut werden sollen, schauen die Nachbarn schon im frühen Stadium der Planung ganz genau hin. Sie haben Sorge, dass die Häuser durch ihre Größe, Dachform oder Farbe den dörflichen Charakter stören könnten. Im Ortsrat wurde nun trefflich gerungen um Vorgaben für die Geschosszahl, die Dach­neigung und die Fassadengestaltung. Lutz Rosenkranz (CDU) sagt klar: „Die sogenannten Stadtvillen wollen wir hier auf keinen Fall.“

Stadtplaner Tobias Neumann skizzierte den aktuellen Stand der Überlegungen. Der Bebauungsplan „Östlicher Ortskern Oedeme“ umfasst die Reiterbar, den inzwischen geschlossenen Jägerhof und die Hofstelle Am Teich 4. Notwendig wird der Bebauungsplan deshalb, weil ohnehin nur eine kleine Lückenbebauung zulässig wäre. Angesichts der starken Nachfrage nach Baugrundstücken möchte die Stadt aber ein paar potenziellen Häuslebauern mehr die Chance geben, ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Weil Abstandsgrenzen zum Wald und zum Naturschutzgebiet eingehalten werden müssen, ist aber nur ein kleiner Teil des beplanten Gebietes bebaubar. Zugelassen werden könnten aus Sicht der Stadt Einfamilien- und Doppelhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen und einer Firsthöhe bis zu neun Metern. „Reihenhäuser wollen wir hier nicht.“ Eine Grundstücksgröße will die Stadtverwaltung zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgeben, dafür aber festschreiben, dass jeweils bis zu 40 Prozent eines Grundstücks bebaut werden dürfen. Die Fassaden sollten in rot- oder rotbraun gestaltet werden, maximal ein Drittel mit weißem Putz könnten aber erlaubt werden. Rund-, Pult- und Flachdächer sollen in dem sensiblen Bereich ausgeschlossen werden.

„Wäre bei diesen Vorgaben auch altersgerechtes Wohnen möglich?“, wollte Ortsbürgermeisterin Christel John (CDU) wissen. Auch Alfons Bauer-Ohlberg (Grüne) könnte sich vorstellen, dass ältere Oedemer, deren Kinder längst erwachsen sind und die ihr Haus aufgeben möchten, hier eine Wohnung beziehen. Neumann erläuterte, dass dies bei einer Nutzung und bei einem Umbau bestehender Gebäude denkbar wäre, nicht aber bei einem Neubau. „Sonst müsste man die Festsetzungen ändern.“ Möglich ist das allemal noch, denn der Bebauungsplan hat erst ein frühes Stadium erreicht, bis zum 10. Oktober liegt er auch noch für Anregungen in der Verwaltung aus.

Kritik gab es vor allem an der zulässigen Geschossbauweise. Bei zwei Vollgeschossen könnten die Häuser zu wuchtig wirken, glauben Nachbarn. Neumann will die Kritik und andere Anregungen in die weitere Planung einbeziehen, letztlich entscheide die Politik im Bauausschuss und im Rat über die Rahmenbedingungen des Baugebietes. Christel John mahnte zudem an, dass die Denkmalschützer, die sich vor einem Jahr ein altes Gebäude auf dem Areal Am Teich 4 angesehen haben, langsam mitteilen sollten, ob das Hofgebäude erhaltenswert ist oder abgerissen werden könnte. Neumann rechnet damit, dass im Laufe des nächsten Jahres ein rechtsgültiger Bebauungsplan vorliegen könnte.

Einwohnerzahl drastisch gestiegen
Seit 1974 gehört Oedeme zur Stadt Lüneburg. Im Jahr der Eingemeindung hatte das damalige Dorf rund 1600 Einwohner. Knapp zehn Jahre später, am 31. Dezember 1993, waren es dann schon 2234 Frauen, Männer und Kinder. Enorm gewachsen ist der Stadtteil aber vor allem in den vergangenen zehn Jahren durch die nunmehr komplett erschlossenen Baugebiete Rosenkamp I und II. Allein dadurch hat sich Oedeme quasi mehr als verdoppelt und aktuell nun 4898 Einwohner.