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Mit Plakaten will Anne Sikorski von der drobs heute in der Grapengießerstraße auf die Gefahren von Sportwetten aufmerksam machen. Foto: t&w
Mit Plakaten will Anne Sikorski von der drobs heute in der Grapengießerstraße auf die Gefahren von Sportwetten aufmerksam machen. Foto: t&w

Gefährliche Seiten des Glücksspiels

emi Lüneburg. Die Teilnahme ist einfach, die Quoten sind verführerisch ein wenig Sportkenntnis und der Gewinn scheint in greifbarer Nähe: Sportwetten werden immer mehr jungen Menschen zum Verhängnis. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen haben schon erste Erfahrungen mit Glücksspielen gemacht. Um gerade sie über Reize, Risiken und Gefahren aufzuklären, finden heute, Donnerstag, 25. September, bundesweit zahlreiche Aktionen statt.

Auch Lüneburg nimmt unter dem Motto „Sportwetten machen reich aber nicht dich!“ am Aktionstag gegen Glücksspielsucht teil, den die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) veranstaltet. Zwischen 10 und 13 Uhr machen Anne Sikorski und weitere Mitarbeiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention „drobs“ in der Grapengießerstraße mit großen Zeitungen auf das Thema aufmerksam.
Auf Schulhöfen gehören Diskussionen über Sportergebnisse, „todsichere“ Tipps und die besten Quoten zum täglichen Gespräch. Das Trügerische an den Wetten auf Sportergebnisse ist, dass sie berechenbar wirken. „Wenn junge Menschen sich etwa beim Fußball gut auskennen, haben sie das Gefühl, dass sie die Resultate durch ihr Fachwissen voraussagen können“, sagt Sikorski. „Sie verstehen nicht, dass das Resultat vom Zufall abhängt.“ Ein weiteres Problem ist die nahezu grenzenlose Verfügbarkeit.

Angebote für Sportwetten gibt es nicht nur in Cafés oder Wettbüros, sondern auch im Internet und auf dem Handy. Häufig laufen sie bargeldlos ab, der Jugendschutz wird unterlaufen. „Wenn man zu Hause auf dem Sofa vor dem Smartphone sitzt, läuft das Wetten nebenbei“, warnt Diplom-Sozialpädagogin Sikorski. „Man übersieht die Zeit, die man investiert, ist ständig mit den Gedanken dabei, verliert die Aufmerksamkeit für das Gegenüber.“ Beziehungen leiden, soziale Kontakte schlafen ein.

Seit Mai 2014 ließen sich zehn junge Männer im Alter zwischen Anfang und Mitte 20 von Anne Sikorski beraten. Bis zu 2000 Euro setzten sie als Wettsumme ein. Mit vermeintlich sicheren Tipps hofften sie, ihr Taschengeld erheblich aufzubessern. Die Gewinnspanne ist hoch, der Fall oftmals tief. Die Folgen sind hohe Geldschulden und Schuldgefühle, Depressionen und Suizidgedanken.

„An die Wetteinsätze kommen die jungen Leute, indem sie zum Beispiel mehrere Handy-Verträge abschließen oder Sachen auf Raten kaufen und diese Dinge wieder verkaufen oder indem sie ihre Verwandten bestehlen“, sagt Sikorski. „Wer bemerkt, dass er alles andere für die Wetten vernachlässigt und die Kontrolle verliert, sollte sich Hilfe holen.“

Anne Sikorski und ihre Kollegen von der „drobs“ stehen heute ab 10 Uhr in der Grapengießerstraße Rede und Antwort. Die großen Zeitungen sollen ein Hingucker sein. „Wir haben uns bewusst gegen einen langweiligen Info-Stand entschieden“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. „Wir sprechen von uns aus niemanden an, aber wir lassen uns gern ansprechen. Für uns wäre es der größte Erfolg, wenn die Menschen miteinander ins Gespräch kommen.“ Um vor allem junge Leute zu erreichen, soll die Aktion in der Lüneburger Innenstadt über Facebook begleitet werden.