Mittwoch , 28. September 2016
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Der Aldi-Markt an der Bleckeder Landstraße ist nicht mehr zeitgemäß, der Standort soll aufgegeben werden und der Discounter auf das Lucia-Gelände umziehen. Foto: be
Der Aldi-Markt an der Bleckeder Landstraße ist nicht mehr zeitgemäß, der Standort soll aufgegeben werden und der Discounter auf das Lucia-Gelände umziehen. Foto: be

Aldi plant den Wechsel

us Lüneburg. „Wir werden dort nicht bleiben, wir wollen aufs Lucia-Gelände.“ Die Botschaft, die Florian Scholz und Andreas Krzystek von der Aldi Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG im Wirtschaftsausschuss des Rates präsentierten, war eindeutig. Die Aldi-Mitarbeiter, beide beim Lebensmittel-Discounter für Immobilien und Expansion zuständig, waren in die Hansestadt gekommen, um über ihre Pläne für den Aldi-Standort an der Bleckeder Landstraße zu berichten.

Florian Scholz bestätigte das Vorhaben des Umzugs und begründete diesen mit einer strategischen Neuausrichtung, die das Unternehmen im gesamten norddeutschen Raum umsetzen will. „Die alte Aldi-Scheune mit Satteldach ist in die Jahre gekommen. Das Einfache, mit dem wir groß geworden sind, ist nicht mehr zeitgemäß.“ Der Discounter wolle sich „zukunftssicher“ aufstellen, seinen Kunden mit einer großzügigeren Produktpräsentation ein „Einkaufserlebnis“ bieten, das auch durch moderne Flachdachgebäude mit bodentiefen Fenstern zum Ausdruck kommen soll. Vor allem aber will Aldi seinen Kunden „mehr Raumgefühl geben“, indem Gänge und Parkplätze verbreitert werden. „Wir wollen barrierefreies Einkaufen“, sagte Scholz. Hinzu komme, dass das Unternehmen sich einem stärkeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt sehe. „Derzeit findet ein Bereinigungsprozess in Deutschland statt“, sagte Andreas Krzystek. Dem begegne man unter anderem dadurch, dass aus drei älteren zwei neue Märkte entstehen. In der Regel komme auf jeweils 15000 Einwohner ein Aldi-Markt.

Verbunden sind diese Pläne mit einem höheren Flächenbedarf. Rund 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche soll das neue Aldi-Gebäude umfassen, 500 Quadratmeter mehr als beispielsweise der Markt an der Bleckeder Landstraße. Hinzu kommen rund 350 Quadratmeter für Nebenflächen wie Lager, Verwaltungs- und Mitarbeiterräume. Zusammen mit rund 80 Parkflächen komme man auf 5500 Quadratmeter Grundstücksfläche, rechnete Scholz vor. „Das aber geht so an der Bleckeder Landstraße nicht.“ Deshalb sei der Umzug notwendig. Man gehe davon aus, dass bei einer Verlagerung um 350 Meter auch die bisherigen Kunden den neuen Standort annehmen werden.

Auch die anderen vier Lüneburger Märkte an der Erbs­torfer Landstraße, Auf dem Schmaarkamp, Feldstraße und im Garbersbaucenter sollen überprüft werden. „Wir wollen unser Konzept flächendeckend umsetzen.“ So soll zunächst geprüft werden, ob an den Standorten eine Erweiterung möglich ist, „wenn nicht, muss über eine Verlagerung nachgedacht werden“. Unproblematisch sei der relativ neue Standort an der Feldstraße, anders sehe es hingegen an der Erbstorfer Landstraße aus. „Dieser Markt wird unseren Anforderungen nicht mehr gerecht.“ Inwieweit man bereit sei, den Standort auch tatsächlich aufzugeben, sei eine andere Frage, erklärte Scholz auf LZ-Nachfrage. Im Garbersbaucenter sei eine Erweiterung wohl möglich, am Schmaarkamp habe man bereits eine Bauvoranfrage für einen Neubau eingereicht.

Scholz bekräftigte, dass die Umsetzung der neuen Strategie nur im Dialog mit der Politik, der Verwaltung und den Kunden möglich sei, was man „im Gegensatz zu früher“ auch beabsichtige, wie er selbstkritisch einräumte. Da Aldi teilweise Eigentümer der Grundstücke seiner Markt-Standorte ist, habe man auch die Nachnutzung im Falle einer Verlagerung in der Hand. Scholz machte deutlich, dass es nicht im Interesse des Unternehmens sei, den Platz für einen anderen Discounter frei zu machen. Gegenüber der LZ erklärte er, dass man dies im Zuge der Änderung des Bebauungsplans erreichen könne.

„Wir können die Augen vor Veränderungen nicht verschließen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge zu den Plänen des Unternehmens. Er betonte, dass es seitens der Verwaltung keinen Druck zur Umsiedlung auf das Lucia-Gelände gegeben habe. „Uns ist es egal, ob Aldi dorthin geht oder am bisherigen Standort bleibt. Wichtig ist nur, dass die Versorgung sichergestellt ist.“ Aufgabe von Politik sei es, auf Veränderungen zu reagieren, reine Expansionsziele von Unternehmen unterstütze die Stadt allerdings nicht. Mädge räumte zugleich ein, dass die Aldi-Umsiedlungspläne „nicht so kommunikativ wie sonst üblich“ geführt worden seien, daher habe man sich entschlossen, das Unternehmen im Wirtschaftsausschuss selbst zu Wort kommen zu lassen. Dies wolle man auch mit anderen Unternehmen fortsetzen.

Michèl Pauly (Linke) zeigte zwar Verständnis für die unternehmerischen Belange, kritisierte aber, dass dies zu einem Verschwinden kleinerer Läden führe. Problematisch seien auch die längeren Wege, insbesondere für ältere Menschen, sowie die weitere Flächenversiegelung. Im Gegensatz dazu begrüßte Claudia Schmidt (Grüne) die Präsentation im Ausschuss, sie fragte aber, wo die zusätzlichen Kunden für die mit mehr Kosten verbundenen Umbaupläne herkommen sollen. Birte Schellmann (FDP) fand die optische Anmutung der künftigen Aldi-Gebäude innerhalb von Wohngebieten als „zu prosaisch“. Deutliche Worte richtete Eberhard Manzke (CDU) an Pauly, der den Verdrängungswettbewerb der Discounter kristisierte: „Sie schimpfen über die Unternehmen. Sie sollten über die Bürger schimpfen, die dort einkaufen.“

3 Kommentare

  1. Ulf Stüwe hat bei seinem kommentar etwas übersehen. wer kauft bis jetzt in erster linie notgedrungen bei aldi ein? die geizigen sind es nicht. was aldi vorhat , kann man mit einem spruch aus dem volke erklären. wenn es einem esel zu wohl wird , geht er auf das eis. die aldibrüder gibt es nicht mehr. jetzt schlagen manager zu. die haben bestimmt bwl studiert und fühlen sich besonders schlau.

  2. Die Albrechtbrüder standen lange notwendigen Erneuerungen im Weg. Was passiert, wenn man sich neuen Anforderungen nicht anpasst, zeigen Karstadt und Schlecker nur zu deutlich. Die neue Strategie ist übrigens in anderen Ländern längst erfolgreich getestet wurden. Nun kommt auch der träge Michel ran 😉

  3. Na dann… Wieder einen Haufen Ruinen die Aldi hinterlässt und teilweise wieder landwirtschaftliche Flächen bebaut werden. Bei den Discountern sollte der Staat langsam mal drauf achten, dass die nicht alles „zu müllen“ mit deren Immobilien, die alten sollten abgerissen werden.