Dienstag , 27. September 2016
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Madame Medusa spießt Lebensweisheiten auf.  Anders als in der Antike muss aber niemand bei ihrem Anblick zu Stein werden. Auf ihrem Haupt kringeln sich keine Schlangen, aber ihre Zunge ist spitz. Foto: t&w
Madame Medusa spießt Lebensweisheiten auf. Anders als in der Antike muss aber niemand bei ihrem Anblick zu Stein werden. Auf ihrem Haupt kringeln sich keine Schlangen, aber ihre Zunge ist spitz. Foto: t&w

Ein Abend mit dem Orakel +++ Mit LZplay-Video

ca Lüneburg. Karsten hat da mal ´ne Frage von tiefer Bedeutung: Wie mag der Winter werden? Madame Medusa überlegt nicht lange und zitiert Napoleon: „Die Deutschen haben sechs Monate Winter und sechs Monate keinen Sommer.“ Den Nachsatz „Und das nennen sie Vaterland“ lässt sie weg. Ist auch nicht so wichtig. Das Publikum hätte gern kalt, blauer Himmel, Schnee. Medusa lächelt und sagt mit russischem Akzent: „Für mich ist guter Winter, wenn er ist woanders.“ Am Ende bleibt alles offen, wie das so ist, wenn ein Orakel befragt wird.

Die weise Frau im Walle-Rock, mit Kopftuch und Brille, sitzt an diesem Abend vor zwanzig Gästen im Café Fabelhaft an der Reichenbachstraße. Der Name des Lokals ist eigentlich Programm: Alles kommt amüsant, charmant und mit einem Augenzwinkern daher. Das liegt vielleicht daran, dass Medusa im anderen Leben Edith Eckholt heißt und neben einer Schauspielerei auch Seminare leitet, die der Selbsterfahrung dienen sollen. Da ist immer ein Schuss Esoterik dabei, denn es gibt ja mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als die Schulweisheit erfasst.

Ein „Narr“ möchte sie sein, ein wenig Till Eulenspiegel. Lebensweisheit, mit einem Schuss gutmütigen Spotts: „Learning by laughing“ Lernen durch Lachen. Ups, da hat sie es sich selbst gegeben, sie zieht die Augen ein wenig zusammen und sagt mit Selbsterkenntnis: „Auch Spötter müssen sterben.“ Sie dürfte noch ein wenig Zeit haben, sie ist „zwischen Mitte und Ende 30“. Ziemlich genau in der Mitte übrigens.

Zeit für eine Geschichte. Da ist der Unzufriedene: Seine Hütte sei armselig, das Glück mache einen Bogen um ihn, keine Freunde. „Gott, du hast mich vergessen.“ Aber der hat gerade Sprechstunde: „Ich schicke dir jemanden, der etwas für dich hat.“ Tatsächlich, eine abgerissene Gestalt kommt am nächsten Morgen, schenkt dem armen Tropf einen Diamanten.

So ein Glück, denkt der. Was könne er nun alles machen. Der Habenichts ist längst weitergezogen. Der Neureiche kommt ins Grübeln da grüßt die Therapeutin. Er läuft dem Unbekannten hinterher, findet ihn, gibt den Edelstein zurück: „Ich möchte so sein wie du.“ Jemand, der auf Reichtum verzichtet, aber ganz bei sich selber ist. So wie es in einer besseren Welt soooo schön wäre.

Da hat das Orakel den Gästen etwas geschenkt, einen Traum. Klar geht es darum, ob Deutschland die Europa-Meisterschaft für sich entscheidet oder wie es mit der Liebe steht. Doch es bleibt nur die Hoffnung, das weiß Madame Medusa, das wissen ihre Zuhörer.

In Sachen Orakel zitieren wir für alle den klugen und sarkastischen Winston Churchill, der englische Premier wusste: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“ In diesem Sinne.