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Sie gaben den Startschuss zur Spendenwerbeaktion ,,Fundskerle: (v.l.) Dr. Michael Moormann, Claudia Bitti und Rolf Sauer. Foto: be
Sie gaben den Startschuss zur Spendenwerbeaktion ,,Fundskerle: (v.l.) Dr. Michael Moormann, Claudia Bitti und Rolf Sauer. Foto: be

„Fundskerle“ machen Kinder stark

rast Lüneburg. „In der Krankenhaus-Finanzierung herrscht dünne Luft“, sagt Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer der Klinikum gGmbH. Gerade Kliniken in kommunaler Trägerschaft schreiben überproportional oft rote Zahlen und sind von Schließung bedroht. Glücklicherweise gelte das nicht für die beiden großen Kliniken unter dem Dach der kommunalen Gesundheitsholding Lüneburg. Das Städtische Klinikum hatte für das Geschäftsjahr 2013 ein Minus von 110000 Euro prognostiziert, schloss dann doch mit einem satten Plus von 4,7 Millionen Euro ab, die Gesundheitsholding mit all ihren Einrichtungen wie etwa dem Klinikum und der Psychiatrischen Klinik (PKL) sogar mit einem Plus von 5,3 Millionen Euro. ,,Trotz schwarzer Zahlen ist aber nicht ausreichend Geld vorhanden, um besondere Einzelprojekte zu finanzieren“, sagt Holding-Chef Rolf Sauer. Darum wurden jetzt die ,,Fundskerle“ gegründet, ein Förderkreis der Gesundheitsholding. Damit wirbt die Holding erstmals um Spenden, schließt sich einem gerade erst bundesweit in Kliniken startenden Trend an. Nun werden ,,Fundskerle“ zur Realisierung zweier Spezialprojekte gesucht.

Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Wort Fundraising für das Einwerben von Spenden und dem deutschen Begriff Kerle. Sauer definiert: ,,Ein Fundskerl ist unabhängig vom Geschlecht das, was jeder sein will und sein kann.“ Die Stadt habe mit der Holding ein in Deutschland wohl einmaliges, umfassendes System in der Gesundheitsversorgung für die Region geschaffen: ,,Die Menschen hier identifizieren sich mit unseren Einrichtungen und die Kommune zeigt Verantwortung.“ Da­rauf baut auch seine Hoffnung, dass die Bürger spezielle Projekte unterstützen, ,,vielleicht mit 10 oder 20 Euro, vielleicht auch mit größeren Spenden“.

,,Unser Internetauftritt unter Fundskerle.org ist ab sofort freigeschaltet, darauf ist alles Wissenswerte zu finden. Zudem gibt es Flyer mit projektbezogenen Überweisungsträgern“, sagt Claudia Bitti, zuständig fürs Fundraising und Veranstaltungsmanagement der Holding: ,,Auch stellen wir uns beim verkaufsoffenen Sonntag am 2. November in der Stadt und beim Markt der Möglichkeiten am 22. November in der Psy­chiatrischen Klinik vor.“

Das erste Projekt ist die rund 20000 Euro teure Installation eines reintegrativen Niedrigseil-Klettergarten auf dem PKL-Gelände für die rund 1000 jungen Patienten, die dort jährlich in der Kinder- und Jugendpsychitarie betreut werden. Sauer: ,,Es ist ein ergänzendes Therapieangebot, bei dem den jungen Menschen Selbstvertrauen vermittelt wird, sie können ihre motorischen Fähigkeiten entwickeln und Verantwortung übernehmen.“ Der Holding-Chef ist sich sicher, ,,dass sich Bürger dafür engagieren und getreu dem Projekt-Motto die ,Kinder stark machen.“ Aus dem PKL-Etat sei dies nicht zu finanzieren, da die Klinik mit viel Geld in einen ,,neuzeitlichen Zustand“ versetzt werden müsse: ,,Dafür müssen wir sogar Darlehen aufnehmen.“

Das zweite Projekt läuft unter dem Motto ,,Herzenssache“, Dr. Moormann: ,,Es geht um die rund 150000 Euro teure Einführung eines Intravaskulären Ultraschallgeräts.“ Mit dieser modernsten Diagnostik können Gefäße, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen, schnell und schonend untersucht werden: ,,Das ist besonders für Risiko-Patienten eine große Erleichterung.“ Sollte die Summe nicht zusammenkommen, legt die Klinik natürlich drauf. Seit drei Jahren werde das Gerät immer wieder vom Investitionsplan des Klinikums gekippt: ,,Wir haben jährlich Wünsche für neun Millionen Euro, können aber nur drei bis vier Millionen ausgeben.“ Der größte Teil des Geldes sei für Ersatzinvestitionen, also den Austausch alter gegen neuer Geräte: ,,Und dahin fließen die Überschüsse.“