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Leuphana-Studie zeigt: Bestimmte Berufe machen eine Depression wahrscheinlicher

Besonders Konflikte am Arbeitsplatz und ein ständiger Wechsel von Gesprächspartnern können kritisch sein – Männer und Frauen reagieren auf dieselben Merkmale eines Jobs unterschiedlich

Lüneburg. „Hell Is Other People?” – deutsch: “Die Hölle sind die Anderen?“ – heißt eine weltweit einzigartige Studie der Leuphana Universität Lüneburg. Ein Forscher-Team des EU-Regionalentwicklungsprojekts Innovations-Inkubator hat Daten von 76.000 Personen ausgewertet. Dabei setzten die Wissenschaftler erstmals Berufsmerkmale, Geschlecht und die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken miteinander in Bezug – ein methodisch weltweit neuer Ansatz. Ihr Ergebnis: Die Berufe, in denen Personen vor einer depressionsbedingten Reha-Maßnahme arbeiteten, scheinen einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit zu haben, psychisch zu erkranken.

„Die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit sind komplex, dennoch lassen sich Kausalitäten zwischen Arbeitsbelastung und Gesundheitsbeeinträchtigung nachweisen. Inwieweit das Arbeitsumfeld das Entstehen von psychischen Krankheiten wie Depressionen unterstützt, war eine bisher unbeantwortete Frage, die zurzeit kontrovers diskutiert wird“, erklärt Studienleiter Professor Wulf Rössler, Seniorprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und Professor für klinische Psychologie an der Universität Zürich, die Bedeutung der Ergebnisse.

Allgemein sind Frauen und Männer unterschiedlich stark von Depression betroffen. 64 Prozent der Reha-Patienten mit Depressionsdiagnose sind weiblich, nur 36 Prozent männlich. Um den Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzmerkmalen und der Wahrscheinlichkeit einer Depression zu belegen, werteten die Forscher einen Datensatz der deutschen Rentenversicherung aus, der Zugänge zu beruflichen Rehabilitationsleistungen umfasst. Die Frage der Wissenschaftler: Welche Berufsmerkmale bestimmen die Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit von Depressions-Diagnosen? Sie fanden heraus: Konflikte mit anderen Menschen am Arbeitsplatz erhöhen das Risiko seelisch zu erkranken. Entscheidend sind auch sogenannte emotionale Stressoren, etwa, dass man sich häufig auf wechselnde Gesprächspartner einstellen und mit deren Emotionen umgehen muss.

Während Konflikte am Arbeitsplatz, wie sie zum Beispiel Polizisten häufig erleben, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Depressionsdiagnosen für beide Geschlechter einhergehen, erzeugen schwächere emotionale Stressoren, wie sie zum Beispiel Verkäufer, Journalisten oder Krankenpfleger erleben, wenn sie sich immer wieder auf neue Interaktions- oder Gesprächspartner einstellen müssen, für Männer eine höhere Depressionswahrscheinlichkeit. Bei Frauen dagegen verringern dieselben Stressoren die Wahrscheinlichkeit einer Depression.

Das heißt: Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Umgang mit emotionalen Stressoren, die dazu führen, dass für Frauen gerade solche Situationen, die ein Höchstmaß an Strategien zum Umgang mit Emotionen benötigen, in geringerem Maße zu Depressionen führen als für Männer. Frauen scheinen bessere Strategien zum Umgang mit Emotionen zu haben. Im Gegenzug könnte es sein, dass Frauen größere Schwierigkeiten in Situationen haben, in denen sie instrumentelle Strategien benötigen – wie etwa beim Verfolgung von Karrierezielen.

Ist Karriere für Männer gesünder? Sind Frauen die besseren Manager? Vor allem die Frage, wie der spezifischen seelischen Belastung in bestimmten Berufen vorgebeugt werden kann, wird die Wissenschaftler auf Grundlage dieser neuen Ergebnisse weiter beschäftigen.

One comment

  1. Leuphana-Studie zeigt: Bestimmte Berufe machen eine Depression wahrscheinlicher
    welch eine erkenntnis und so nichtsagend. die armen männer und frauen, die von ihren partnern gegängelt werden, die wurden garnicht berücksichtigt. besonders das mütterchen am herd bedarf einer genauen untersuchung.