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Das Gebiet rund um den Weißen Turm soll mit staatlichen Fördermitteln aufgewertet werden. Derweil machen sich Mieter der roten Häuser (links im Bild) Sorgen, weil ihre Wohnungen verkauft werden sollen. Foto: boldt
Das Gebiet rund um den Weißen Turm soll mit staatlichen Fördermitteln aufgewertet werden. Derweil machen sich Mieter der roten Häuser (links im Bild) Sorgen, weil ihre Wohnungen verkauft werden sollen. Foto: boldt

Quartier soll schöner werden

ca Lüneburg. Der Komplex am Weißen Turm ist in die Jahre gekommen, Stadt und Politik wollen aus dem Quartier zwischen Bögelstraße und Sülz­wiesen inklusive Salzmuseum ein Sanierungsgebiet machen. Heute soll der entsprechende Antrag in Hannover ankommen, knapp 4,9 Millionen Euro könnten bei Bewilligung über zehn Jahre an öffentlichen Mitteln in Häuser, Grünanlagen und Wege fließen. Dazu kämen Investitionen der Eigentümer. Jetzt gab der Bauauschuss seine Zustimmung zu den Plänen. Ein Ratsbeschluss soll folgen und nachgereicht werden.

Im Ausschuss stellten Ulrike Marggraf und Alexander Marth von den Planungsbüros den Zustand der Anlage und Ideen vor. Gebäude müssen saniert werden, einige Wohnungen sind mit Schimmel befallen, es besteht Gefahr für die Gesundheit. Dazu kommt, dass Wege instand gesetzt und an einigen Stellen wie am Museum vorbei in Richtung Lambertiplatz wohl besser angelegt werden könnten. Um Anlaufpunkte zu schaffen, wäre es wünschenswert, das alte Verwaltungshaus und die Kita zu erwerben. Bekanntlich zieht der Kindergarten um in den Neubau von Michaelisgemeinde, MaDonna und Diakonieverband.

Allein für die Sanierung von knapp 600 Wohnungen wäre ein Batzen Bares nötig: Flössen zwei Millionen Euro aus dem Fördertopf, müssten die Eigentümer für einen Mindeststandard geschätzt weitere acht Millionen Euro aufwenden. Für Sanierungskosten des ehemaligen Siedehauses der 1980 geschlossenen Saline, in dem das Salzmuseum und ein Supermarkt sitzen, sind 400000 Euro veranschlagt laut Planer ein eher bescheidener Ansatz. Und einer, der unter Fragezeichen steht. Denn zum einen ist nicht klar, ob die Stadt die Flächen des Marktes übernehmen kann, wenn der wie geplant aufs benachbarte Post-Areal umzieht. Zum anderen kann es sein, dass das Land diesen Part nicht in das Förderkonzept aufnimmt.

Die Analyse erfasst auch Sozialdaten: In den Häusern leben dreimal so viele Bezieher staatlicher Transferleistungen wie im übrigen Landkreis, fast 40 Prozent der Mieter sind Zuwanderer, die Kinder sprechen oft nur mangelhaft Deutsch. Rund 16 Prozent der Wohnungen stehen leer, die Parkpaletten gar bis zu 60 Prozent. Die Mieten liegen im Vergleich niedriger als anderswo im Stadtgebiet. Der Durchschnittswert beträgt in Lüneburg etwa 8 Euro pro Quadratmeter, in den weißen Häusern liegt er bei 5,90 Euro, in den roten bei 6,50 Euro.

Gelingt es, das Quartier ähnlich wie Kaltenmoor in das Förderprogramm Soziale Stadt zu bekommen, zahlen Bund, Land und Stadt je ein Drittel der Fördersumme, also jeweils gut 1,6 Millionen Euro.

Stadtbaurätin Heike Gundermann machte darauf aufmerksam, dass der Antrag kein Selbstgänger ist: Das Land könne ablehnen oder es könne Jahre dauern, bis grünes Licht aus Hannover komme. Auch müsse nicht die gesamte Fördersumme anerkannt werden. Und selbst wenn alles klappt, kann es sein, dass Fördergeld erst mit Verzögerung ausgezahlt werde. Die Politik begrüßte die Pläne, es gab einmütige Zustimmung.