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Uni-Vizepräsident Holm Keller am Layout- und Nachrichtentisch in der LZ-Redaktion, oben auf dem großen Bildschirm steht die Startseite des digitalen Startwochen-Magazins, das Montag online geht und auch auf der LZ-Internetseite einen festen Platz hat. Denn das Startwochen-Magazin erscheint erstmals nur online. Foto: t&w
Uni-Vizepräsident Holm Keller am Layout- und Nachrichtentisch in der LZ-Redaktion, oben auf dem großen Bildschirm steht die Startseite des digitalen Startwochen-Magazins, das Montag online geht und auch auf der LZ-Internetseite einen festen Platz hat. Denn das Startwochen-Magazin erscheint erstmals nur online. Foto: t&w

+++ Die Leuphana-Startwoche beginnt +++ Motto: Imagine 2099 +++

jj Lüneburg. Für mehr als 1500 Erstsemester beginnt mit der Startwoche vom 6. bis 10. Oktober das Studium an der Leuphana Universität Lüneburg. Die angehenden Akademiker haben sich gegen mehr als 10 000 Bewerber durchgesetzt, und jetzt steht gleich in der ersten Woche wieder eine Mammut-Aufgabe an, sie müssen ganz, ganz weit in die Zukunft denken. Die LZ sprach mit Uni-Vizepräsident Holm Keller, der seine Finger immer im Spiel hat, wenn es um Großes an der Leuphana geht.

++ Interview ++

LZ: Herr Keller, welche Aufgabe stellen Sie den Erstis in der Startwoche 2014?
Holm Keller: „Imagine 2099“ heißt das Thema im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel.

LZ: 2099? Im vergangenen Jahr ging es schon um die Zukunft Ihrer fiktiven Lieblingsstadt Leinwig im Jahr 2050, jetzt lassen Sie noch 50 Jahre weiter in die Zukunft spähen. Warum?
Keller: Die jungen Menschen, die jetzt ihr Studium an der Leuphana aufnehmen, würden im Jahr 2099 im Schnitt 104 Jahre alt sein. Das ist genau die Lebenserwartung, die Statistiker und Versicherungen für ein heute in Lüneburg geborenes Mädchen vo­raussagen. Die Gesellschaft wird immer älter, immer weniger Junge werden für immer mehr Ältere sorgen wollen und müssen, immer mehr Menschen werden auch mit schweren Erkrankungen viele Jahre leben können. Es wird eine andere Welt sein als die, die wir kennen. Und für diese Welt laden wir unsere neuen Studierenden ein, frische Ideen und Konzepte zu erarbeiten.

LZ: Die Themen der Startwoche kreisen seit Jahren um Demographie im Allgemeinen und Altern im Speziellen und um das Gesundheitswesen. Das verhält sich so, seit klar ist, dass der Innovations-Inkubator mit seinen hundert Millionen Euro zwar ein großes Projekt ist, die Leuphana aber ein viel größeres EU-Innovationsprojekt im Blick hat, „KIC“ mit einem Multi-Milliarden-Volumen. Können Sie für Laien knapp beschreiben, was sich hinter dem Kürzel KIC verbirgt?
Keller: KIC ist die Abkürzung für „Knowledge and Innovation Communitiy“, was so viel wie Wissens- und Innovationsgemeinschaft heißt. Es ist ein Netzwerk, das Wissenschaft auf den Weg bringen soll zu Innovationen und Arbeitsplätzen. Die Fragen lauten: Wie leben wir gesund und altern als aktive Mitglieder unserer Gesellschaft? Welche Initiativen in Europa können vom demographischen Wandel profitieren? Und was muss geschehen, damit diese Projekte Europa an die Spitze der Innovation stellen?

Welche Initiativen in Europa können vom demographischen Wandel profitieren? Und was muss geschehen, damit diese Projekte Europa an die Spitze der Innovation stellen?
Uni-Vizepräsident Holm Kellerzum KIC-Antrag

LZ: Sie haben ihren KIC-Antrag vor kurzem abgegeben, wann fällt die Entscheidung?
Keller: Am 9. Dezember in Budapest bei einer öffentlichen Anhörung.

LZ: Die Leuphana stemmt das Projekt nicht alleine.
Keller: Natürlich nicht, es sind mittlerweile 64 Partner an Bord: das MIT Media Lab in Boston, die Harvard University, aber auch die Universitätsmedizin in Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover, die Weltgesundheitsorganisation WHO, unsere Partnerländer Malta und Kroatien, oder mit Novartis Vaccines und Sanofi Pasteur zwei wichtige Wettbewerber im Impfstoffbereich, um nur einige zu nennen. Unser Vorbereitungsteam umfasst 240 Mitglieder aus 21 Ländern.

LZ: Klingt ein bisschen nach Turmbau zu Babel. Wie kommunizieren so viele Partner, wird in Teilprojekten gearbeitet?
Keller: Der Turm zu Babel war als Monster konzipiert, wir sind mit dem KIC-Antrag seit zwei Jahren organisch gewachsen. Die Leuphana ist der Koordinator, führt das Konsortium. Unsere Universität hat den Antrag ausgearbeitet und eingereicht, das Dokument bestand aus fast 500 Seiten Papier.

LZ: Was bedeutete ein Zuschlag für die Universität Lüneburg?
Keller: Vorweggeschickt sei, dass es sich nicht um ein klassisches Universitäts-Projekt handelt. Die EU verlangt vielmehr, dass für ein KIC eine eigenständige Einheit geschaffen werden soll, dass eine eigenständige Gesellschaft das Projekt führt, Ausgaben und Einnahmen verwaltet und Überschüsse zurück in Projekte fließen lässt. Schon jetzt hat der Antrag eine positive Wirkung, wir arbeiten mit den großen Universitäten im Dialog auf Augenhöhe an einer der wichtigen Fragen unserer Zeit.

LZ: Wir stark ist die Konkurrenz um das KIC-Projekt?
Keller: Wir wissen von vier anderen Bewerbungen. Die Leuphana hat sich für die Champions League qualifiziert, vielleicht das erste Spiel gewonnen – wir stehen aber noch lange nicht im Endspiel.

LZ: Wann würde die Förderung beginnen und was hieße das im ersten Schritt für die Leuphana?
Keller: Offiziell würde nach der Entscheidung Ende 2015 mit dem Projekt begonnen, theoretisch stünde aber die Leuphana schon im Januar bereit.

LZ: Und wen haben Sie dieses Jahr als Motivator für die Startwochen-Auftaktveranstaltung gewinnen können?
Keller: Michèle Lamont von der Harvard University.

>>> „Ideale Stadt zum Leben“ – LZ-Bericht zur Startwoche 2013
>>> „Bildung lebt von der Leidenschaft“ – LZ-Bericht zur Startwoche 2013
>>> „Studenten als Reprter“ – LZ-Bericht zur Startwoche 2013

 

Online-Magazin zur Startwoche
In den vergangenen Jahren erschien zur Startwoche sechs Tage lang eine gedruckte Beilage, die im Zusammenspiel zwischen LZ und Leuphana-Studenten produziert wurde. Die Verbindung besteht weiter, aber dieses Jahr erscheint das Magazin erstmals nur digital. Das ist schlüssig, schließlich fokussiert sich ein Forschungsschwerpunkt der Leuphana im Innovations-Inkubator auf die Neuen Medien. Dieses Jahr also finden Sie das Startwochen-Magazin von Montag an auf der LZ-Homepage www.landeszeitung.de in einem eigenen Fenster oder geben Sie die Adresse www.startwoche.de ein.