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Das Fabs-Team Frauke Hahnemann (l.), Helga Lindenau und Matthias Skorning mit einem Schild, das die Bildungsstätte noch als Mütterschule ausweist. Foto: be
Das Fabs-Team Frauke Hahnemann (l.), Helga Lindenau und Matthias Skorning mit einem Schild, das die Bildungsstätte noch als Mütterschule ausweist. Foto: be

Angebote immer am Puls der Zeit

rast Lüneburg. ,,Schon in den 1950er-Jahren sammelten kirchlich engagierte Lüneburgerinnen in der Stadt Nähmaschinen, transportierten sie zu den Kursorten in Kirchengemeinden. Eigens für die Kurse kamen Wanderlehrkräfte aus Hannover nach Lüneburg. Das war quasi der Vorläufer der Evangelischen Mütterschule in Lüneburg, die seit 1971 Evangelische Familien-Bildungsstätte heißt.“ Die Geschichte erzählt Helga Lindenau, stellvertretende Leiterin der Fabs, die am Freitag, 10. Oktober, ab 11 Uhr im Glockenhaus ihr 50-jähriges Bestehen mit einer lockeren Feier begeht.

Unter dem Titel ,,Mülltonnen-Kursus“ firmierte dieses Angebot für Kinder in den 70er-Jahren. Sie verzierten triste Tonnen mit Bildern und Sprüchen. Den Kindern scheint es dennoch gut gefallen zu haben, sowohl auf als auch in den Tonnen. Foto: nh
Unter dem Titel ,,Mülltonnen-Kursus“ firmierte dieses Angebot für Kinder in den 70er-Jahren. Sie verzierten triste Tonnen mit Bildern und Sprüchen. Den Kindern scheint es dennoch gut gefallen zu haben, sowohl auf als auch in den Tonnen. Foto: nh

Die 58 Jahre alte Helga Lindenau kennt die Einrichtung Bei der St.-Johanniskirche 3 von Kindesbeinen an, allerdings nur aus Unterlagen weiß sie: ,,Am 22. Mai 1964 gründeten die couragierten Frauen die Mütterschule, im Oktober liefen die ersten vier Kurse Säuglingspflege, Gymnastik für werdende Mütter, Kochen für Anfänger sowie Werken und Basteln, insgesamt waren an diesen Abenden 43 Teilnehmerinnen dabei.“ Matthias Skorning, seit 1991 der fünfte Fabs-Leiter, hat in alten Unterlagen gekramt: ,,Die Gebühr betrug pro Kursus zwischen 18 und 25 Mark, sehr selbstbewusste Preise für damals. ,Zutaten wurden zusätzlich berechnet.“ Helga Lindenau: ,,Meine Mutter Gisela war Kindergärtnerin, sie fing 1965 in der Kinderbetreuung bei der Mütterschule an, gab Bastelkurse und ich durfte ihr dabei helfen.“ Die Kursleiterinnen um Leiterin Hilde Klocke zeigten sich kampfesbetont, setzten nach mehreren Anläufen durch, dass das Unternehmen Röhlsberger eine Spätbuslinie zum Kreideberg rollen ließ, damit auch Frauen von dort an den Abendkursen teilnehmen konnten.

Um Kindererziehung, Babysitting und den Erfahrungsaustausch unter den Müttern ging es bereits in den 60er-Jahren. Foto: nh
Um Kindererziehung, Babysitting und den Erfahrungsaustausch unter den Müttern ging es bereits in den 60er-Jahren. Foto: nh

Irgendwie prägte diese Zeit Helga Lindenau: ,,Als Jugendliche habe ich beispielsweise Makramee-Einkaufsbeutel geflochten.“ Mit einer Bildungseinrichtung groß geworden, ging ihr eigener Berufsweg auch in diese Richtung: ,,Ich studierte Diplom-Pädagogik, dachte damals schon, ich könnte vielleicht in der Fabs arbeiten.“ Als ihre eigenen Kinder noch klein waren, stieg sie 1986/87 als Kursleiterin für Eltern-Kind-Gruppen ein, bot auch Bilderbuch-Nähkurse an. Zwischendurch machte sie allerdings eine Pause, um den Lüneburger Tagesmütterverein aufzubauen, der ebenfalls Bei der St.-Johanniskirche 3 seine Räume hat. 1999 kam sie dann zurück, zunächst als pädagogische Mitarbeiterin, seit Oktober 1999 ist sie stellvertretende Leiterin.

Aktuell hat die Fabs offiziell zwei Pädagogen-Stellen, die sich Matthias Skorning, Helga Lindenau und Frauke Hahnemann teilen, hinzu kommen eine Sekretärin und eine Reinigungskraft sowie knapp 140 Honorarkräfte. Skorning geht davon aus, dass mehr als 200000 Menschen an den Kursangeboten der vergangenen Jahre teilgenommen haben, etwas mehr als 50 Prozent kommen aus dem Stadtgebiet. Viele Trends seien früh erkannt worden und hätten sich bis heute im Angebot gehalten. Einige Beispiele: Seit 1972 gibt es die vegetarische Küche, seit 1974 die Seniorengymnastik, seit 1979 Babysitterkurse und seit 1995 die Sommerferienangebote. Die Fabs hat laut Skorning auch gesellschaftliche Änderungen registriert, auf die sie reagierte: ,,Waren anfangs viele Frauen ohne Beruf, sind es heute vor allem berufstätige Frauen und die bevorzugen kurztaktige Kurse, nehmen lieber abends oder an Wochenenden an Kompaktseminaren teil statt an über Wochen laufenden Kursen.“

 

Das Programm
Die öffentliche Jubiläumsfeier beginnt am Freitag, 10. Oktober, um 11 Uhr im Glockenhaus. Auf Festreden wird verzichtet, dafür gibt es eine TV-Revue. Gezeigt wird ein Film des TV-Pioniers Thilo Koch über weltweite Geschehnisse Anfang der 60er-Jahre. Danach gibt es Gespräche mit Talkgästen auf historischen, vom Salzmuseum geliehenen Möbeln und Musik. Ab 19.30 Uhr hält der Diplom-Pädagoge Thomas Rupf den kostenfreien, humorvollen Vortrag: ,,Nobody is perfect – Klassische Erziehungsfallen und ihre Lösungen.“