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Berufliche Aufstiegs-Potenziale soll ein neues Forschungsprojekt an der Leuphana untersuchen. Mit dabei sind (v.l.) Anja Thiem, Tina Scheef, Birgit Schwarz, Prof. Dr. Burkhard Funk, Prof. Dr. Angelika Henschel und Andreas Eylert-Schwarz. Foto: us
Berufliche Aufstiegs-Potenziale soll ein neues Forschungsprojekt an der Leuphana untersuchen. Mit dabei sind (v.l.) Anja Thiem, Tina Scheef, Birgit Schwarz, Prof. Dr. Burkhard Funk, Prof. Dr. Angelika Henschel und Andreas Eylert-Schwarz. Foto: us

Karriere statt Sackgasse

us Lüneburg. 970000 Euro sind eine Menge Geld, selbst für die Leuphana Universität Lüneburg. Sie aber darf sich glücklich schätzen, diesen Betrag jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten zu haben. Mit der knappen Million möchte das Ministerium eine Antwort darauf erhalten, wie berufliche Aufstiegs-Potenziale in der Sozialwirtschaft erkannt, gefördert und genutzt werden können. Dreieinhalb Jahre hat die Uni nun Zeit, so lange muss das Geld reichen, um sagen zu können, wie „Zugänge zu akademischer Weiterbildung und zum Studium im Sinne von Gender Mainstreaming und Diversity“ leichter möglich sind. Der Einfachheit halber hört das Forschungsprojekt aber auch auf den Kurztitel „KomPädenZ Potenzial“.

Schwerpunkt des Projekts ist die Entwicklung neuer berufsbegleitender akademischer Weiterbildungsformate, die bereits bestehende sozialwirtschaftlich ausgerichtete Bachelor- und Masterformate in der Professional School ergänzen und auf diese anrechenbar sein sollen.

„Wenn Sie sich die Stellenanzeigen ansehen, vergeht kein Tag, an dem nicht Sozialarbeiter gesucht werden“, sagt Prof. Dr. Angelika Henschel, an deren Lehrstuhl im Institut für Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Lüneburger Uni das neue Forschungsprojekt verankert ist. „Oder nehmen Sie das aktuelle Beispiel der Schutzdienste in Asylunterkünften. Auch dort ist es erforderlich, qualifiziertes Personal aus dem Bereich Sozialarbeit einzusetzen.“

Die Sozialwirtschaft gehöre, wie Prof. Henschel ausführt, zu den großen Wachstumsfeldern in Deutschland und zähle zu den wichtigsten Zukunftsbranchen in Niedersachsen. Grund seien gesellschaftliche Veränderungen wie die demographische Entwicklung, Organisation der Kinderbetreuung, Schulsozialarbeit und nicht zuletzt die neuen Anforderungen aus den Zielstellungen der Inklusion. „Daraus ergibt sich ein zunehmender Fachkräftebedarf für gesundheitliche und soziale Tätigkeiten, auch an höher qualifiziertem Personal.“

Um diesen Bedarf sicherstellen zu können, sei beispielsweise eine bessere Durchlässigkeit der Studienangebote herzustellen. Mit anderen Worten: Es sollen Maßnahmen entwickelt werden, um gezielt Frauen in der Sozialwirtschaft in ihren Karrierewegen zu unterstützen. „Mit Anfang 20 sind viele Erzieherinnen noch begeistert bei der Arbeit, doch mit 40 haben einige nicht mehr das Bedürfnis, sich weiterhin mit kleinen Kindern zu beschäftigen. Doch mit ihrer Ausbildung hatten sie bislang einen Sackgassenberuf“, erklärt Prof. Henschel. Zu den Zielen des Projekts gehöre daher die Entwicklung passgenauer didaktischer Formate speziell für beruflich Qualifizierte und Berufstätige.

Dem neuen Forschungsprojekt ging bereits das zweieinhalbjährige Projekt „KomPädenZ konkret“, ebenfalls am Lehrstuhl von Prof. Henschel, voraus. Untersucht wurde dabei, unter welchen Bedingungen ein Studium neben der Arbeit ein Erfolg werden kann. Bei dem Projekt wurden Erzieherinnen und Erzieher begleitet, die an der Professional School den Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit studieren und weiterhin berufstätig sind. In das Projekt war auch das Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide in Barendorf eingebunden.