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Rund 400 Arbeitsplätze bleiben nach einer  zweiten Kündigungswelle beim Tiefkühlfischhersteller Pickenpack erhalten. Foto: t&w
Rund 400 Arbeitsplätze bleiben nach einer zweiten Kündigungswelle beim Tiefkühlfischhersteller Pickenpack erhalten. Foto: t&w

Weniger Entlassungen als befürchtet

ca Lüneburg. Es ist zwar immer noch ein schmerzhafter Schritt, doch er fällt nicht so schlimm aus wie befürchtet: Der Tiefkühlfischproduzent Pickenpack entlässt nicht wie zunächst angekündigt 170 Mitarbeiter, sondern lediglich 90. Das berichten Geschäftsleitung und Gewerkschaft NGG übereinstimmend.

Die Betroffenen sollen ihre Kündigungen samt Informationsschreiben jetzt erhalten. Darin liegt das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Das bedeutet, dass die Beschäftigten zumindest nicht sofort in die Arbeitslosigkeit müssen.

Geschäftsführer Finnbogi Baldvinsson sagt: „Es waren schwierige, aber wichtige Verhandlungen, und ich bin unseren Verhandlungspartnern dankbar, dass es gelungen ist, eine Vereinbarung zu treffen, die es uns erlaubt, nach vorn zu schauen und uns unseren zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Diese neue Struktur bringt uns wieder auf Erfolgskurs, und wir können uns jetzt darauf konzentrieren, unser Unternehmen schnell wieder in die Gewinnzone zu steuern.“

Denn die Lage ist angespannt für das Werk an der Lüner Rennbahn, das dem Vernehmen nach rote Zahlen schreibt: Handelsketten drücken die Preise, zudem drängen sich viele Anbieter auf dem Markt. In der Vergangenheit gab es zudem Kritik aus dem Arbeitnehmerlager, die Baldvinsson und seinen Kollegen schlechtes Management vorwarfen. So hätten Geschäftsführer auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen.

Jetzt sagt NGG-Sekretärin Silke Kettner: „Alles in allem haben wir ein gutes Ergebnis erzielt, auch wenn es bitter ist, dass 90 Kollegen gehen müssen.“ In den Verhandlungen von Unternehmen, Betriebsrat und Gewerkschaft sei festgezurrt worden, dass es bis Ende Juli 2017 keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen wegen Produktionsverlagerungen geben solle. Im Betrieb geht seit Monaten die Sorge um, dass Kapazitäten ins Schwesterwerk im ostfriesischen Riepe verlagert werden könnten.

Die Mitarbeiter, die gehen müssen, erhalten Abfindungen: So gibt es pro Beschäftigungsjahr 75 Prozent eines Monatsgehalts. Das gelte auch für diejenigen, die in die Transfergesellschaft wechseln. Dort sollen sie gezielt weitergebildet beziehungsweise in andere Jobs vermittelt werden. Doch die Belegschaft muss für den Kompromiss einen Beitrag leisten. Silke Kettner sagt: „Die Beschäftigten verzichten zwei Jahre lang auf eine Lohnerhöhung sowie auf Teile der Leistungsentlohnung sowie des Urlaubs und Weihnachtsgeldes und der tariflichen Altersvorsorge.“

3 Kommentare

  1. Die Drohung von 170 Entlassungen hat gewirkt und die Geschäftsführung wohl mehr erreicht als sie geplant hatte. Zitat: Jetzt sagt NGG-Sekretärin Silke Kettner: “Alles in allem haben wir ein gutes Ergebnis erzielt, auch wenn es bitter ist, dass 90 Kollegen gehen müssen.” Dem will ich nicht zustimmen.

    Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende Juli 2017 lässt die weiterhin Beschäftigten etwas mehr als zweieinhalb Jahre weiter um ihren Arbeitsplatz zittern. Das ist wie die Verlängerung einer Galgenfrist. Das Angebot für die 80 Entlassenen in eine Transfergesellschaft zu wechseln, lässt bei diesen das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit weiter über ihnen schweben, denn die gegenwärtigen Konjunkturaussichten sind nicht gerade rosig. Folglich werden sich Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhalten.

    Und ein weiteres Zitat: Silke Kettner sagt: “Die Beschäftigten verzichten zwei Jahre lang auf eine Lohnerhöhung sowie auf Teile der Leistungsentlohnung sowie des Urlaubs und Weihnachtsgeldes und der tariflichen Altersvorsorge.”

    Da wird mir schwindelig. Das ist ein sehr heftiger Einschnitt bei der Entlohnung der verbleibenden Mitarbeiter/-innen. Zwei Jahre kein Inflationsausgleich und keine Sondergratifikationen. Noch schlimmer: Verzicht auf die tarifliche Altersvorsorge. Ist das überhaupt rechtens? Wie kann eine Gewerkschaft sich gerade auf so einen Punkt einlassen. Das ist eine sträfliche Verletzung des Tarifrechtes und der Fürsorgepflicht den Gewerkschaftsmitgliedern gegenüber. Wenn das Schule macht, wird die Altersarmut in späteren Jahren rasant steigen. Die Löhne der Pickenpack-Beschäftigten dürften nicht so üppig sein, dass sie später aus der GRV ausreichende Rentenzahlungen erwarten können. Zudem ist durch das neue von der Bundesregierung beschlossene Rentenpaket eher mit sinkenden Renten zu rechnen. Und für eine private Zusatzrente wird vom Lohn auch nicht viel über sein.

    Ich meine von einer (wirklich) sozialen Markwirtschaft wie zu Zeiten Ludwig Erhardt und etwas später kann nicht mehr die Rede sein. Auch das Verhandlungsergebnis mit Pickenpack kann ich nicht als sozial bezeichnen. Es scheint, der Wirtschaft geht es nur noch um Gewinnmaximierung. Die soziale Komponente interessiert keinen Geschäftsführer/Manager. Doch woher soll irgendwann noch die Nachfrage und die Kaufkraft auf dem Binnenmarkt kommen, wenn kein ausreichendes Einkommen vorhanden ist. Haben wir dann nur noch hoch verschuldete Haushalte, die vollends in den sozialen Abstieg geraten? Ich weiß nicht wie lange das so noch gut geht.

  2. Ich finde die Leute müssen alle mehr Geld beziehen, damit das Leben in Deutschland besser wird und die schlimme Armut auch im OSTEN verschwindet. Warum bekommen die Leute in der Regierung so viel Geld???
    8000 und mehr im nächsten Jahr. Was sind dass für Menschen, die dort sitzen? Viele leben bei uns von 538 oder 800 Euro im Monat. Ich bin gelernte Bürokauffrau und leider ohne Job. Wir können uns ein Leben nicht leisten. Die Menschen leiden sehr unter dieser Situation. Auch eine Umschulung wird verweigert, nur die besseren Leute bekommen vieles finanziert. WARUM????? Deutschland ist nicht sozial !!!! Selbst ein Auto ist nicht zu finanzieren. Ausbeutung ist einfach schlimm. Im Osten zahlen die Callcenter kein 13 Gehalt, nur den fixen Lohn. Die Rentenkasse bekommt wenig. Die Regierung sollte endlich wach werden!!! Ein Leben in Deutschland habe ich schon längst aufgegeben. Prokop

  3. die sicht, aus einer untergangsstimmung zu betrachten, ist nicht neu. wir leben im kapitalismus. wird gern mal vergessen. das leistungsprinzip wird gern hochgehalten, besonders , wenn es um transferempfänger geht. die meisten menschen betrachten das leistungsprinzip als richtig und alternativlos, was es aber garnicht ist. solange es andere betrifft, ist das leistungsprinzip in ordnung. wehe, es betriftt einem selbst. dann merkt er erst, auf wessen leim er geraten ist. die wachstumsideologie befördert zusätzlich das ganze. und wer befördert die wachstumsideologie? alle die, die dem kapitalismus auf den leim gegangen sind. im kapitalismus regiert das geld, sonst niemand. ein politiker ohne geld merkt es, leider grundsätzlich zu spät.was sagt uns das? ohne eigentum ist es einfacher hinter arbeitsplätze hinterher zu hecheln.