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Der bekannte Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst Opaschowski gab gestern den Zuhörern im Leuphana Gesundheitsforum 2014 seine Prognosen bis zum Jahr 2035 mit auf den Weg. Foto: t&w
Der bekannte Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst Opaschowski gab gestern den Zuhörern im Leuphana Gesundheitsforum 2014 seine Prognosen bis zum Jahr 2035 mit auf den Weg. Foto: t&w

„Die Wohlstandswende kommt“

jdr Lüneburg. Geht es nach Prof. Dr. Horst Opaschow­ski, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht für uns Deutsche: Viele Menschen werden materiell ärmer – damit jedoch nicht unglücklicher. Gestern, am 7. Oktober, sprach der bekannte Hamburger Zukunftsforscher im Rahmen des „Gesundheitsforums 2014“ an der Leuphana Universität Lüneburg. Dort stellte er zum Thema „Vom Wohlleben und Wohlergehen. Ein Blick in die Zukunft von Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität in Deutschland.“ in Form von zehn Thesen seine Prognose zur Entwicklung der deutschen Gesellschaft bis zum Jahr 2035 dar.

„Alle stehen ständig unter Strom, sämtliche Sachen wollen zeitgleich erledigt werden, wenn die Sonne aufgeht, beginnen wir zu rennen“, beschreibt Opaschowski den Ist-Zustand unserer „Non-Stop-Gesellschaft“. Verantwortlich dafür sei unser Bedürfnis, ein sicheres Leben in unsicheren Zeiten zu führen: „Preise und damit Verschuldungsrisiken steigen, Armut wächst, aber wir möchten auf das Wissen um die eigene Stabilität nicht verzichten.“ Für Opaschowski zeichnet sich darin die notwendige Konsequenz ab, die eigene Lebenseinstellung zu verändern und dieser Umschwung befinde sich bereits im Vollzug. „Das Verständnis von Wohlstand hat sich seit der Ära Erhardt bereits stark verlagert“, weiß der 73-Jährige. „Die Wünsche der Deutschen sind inzwischen relativ bescheiden geworden: gesichertes Einkommen und eine bezahlbare Wohnung, sich die neuen Zähne leisten können.“

Anstelle der Glorifizierung materieller Güter finde eine Rückbesinnung auf den Aspekt der Nachhaltigkeit statt: Die eigene Gesundheit rücke stark in den Fokus, der Familienbegriff durchlebe einen Wandel: „Wir wollen lieber gut leben, als viel haben“, so Opaschowski. Die Frage des persönlichen Wohlergehens werde darum immer weniger vom Geld bestimmt sein, entsprechend mehr von der Sehnsucht nach Sinnerfüllung: „Auch Reiche haben Sinnkrisen. Es geht denen besser, die materiell nicht alles haben, dort besteht noch Luft nach oben.“

Opaschowski selbst sieht 95 Prozent seiner Vorhersagen bewahrheitet – nicht umsonst arbeitete er mehr als dreißig Jahre als Berater für Politik und Wirtschaft. Und obwohl wir seit Helmut Schmidt wissen, dass derjenige mit Visionen zum Arzt gehen sollte, prognostiziert Opaschowski seinen 300 Zuhörern abschließend „Die Wohlstandswende kommt.“ Er erklärt: „Ich bin auch Verhaltensforscher und das Verhalten von Menschen ist berechenbar.“

Damit dem individuellen Wohlergehen aber ein wenig auf die Sprünge geholfen werden kann, hat der Forscher noch einige Verhaltensregeln in petto:

Opaschowskis „10 Gebote“

  • Bleib nicht dauernd dran – schalt mal ab
  • Versuche nicht immer, deinen Standard zu verbessern
  • Knüpfe verlässliche soziale Netze
  • Mach die Familie zur Konstante deines Lebens
  • Definiere deinen Lebenssinn neu
  • Genieße! Aber nach Maß
  • Nicht alle Träume wahr machen
  • Du allein kannst es! Aber Du kannst es nicht allein
  • Mach nichts auf Kosten anderer Generationen
  • Verdiene dir deine Lebensqualität: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

13 Kommentare

  1. Wohlstandsklemme brummt

    „Das Verhalten von Menschen ist berechenbar”, meint Verhaltensforscher Horst Opaschowski. Auch das von Thomas Müller und Mario Götze im gegnerischen Strafraum? Hoffentlich hat Adam Nawałka, der polnische Trainer der Biało-Czerwoni, noch nicht davon gehört. Sonst können wir unseren Taschenkalkulator befragen und uns das Anschauen des Qualifikationsspiels am Samstag wohl sparen.

    Und wenn Verhalten berechenbar ist, dann doch bestimmt auch Sprechverhalten? Dafür immerhin liefert Opaschowski, „der bekannte Hamburger Zukunftsforscher“, im Rahmen des “Gesundheitsforums 2014″ an der Leuphana Universität Lüneburg den performativen Nachweis.

    Zwar ist „derm 73-Jährigen“ der Unterschied zwischen den Worten „zeitgleich“ und „gleichzeitig“ nicht geläufig, aber wir dürfen ihm wünschen, dass er die Dauer seiner einstündigen Vorträge über „die Zukunft von Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität in Deutschland“ in etwa zeitgleich „bis zum Jahr 2035“ halten kann, ohne sie morgen schon alle gleichzeitig abspulen zu müssen.

    Doch ansonsten sagt Opaschowski, der „mehr als dreißig Jahre als Berater für Politik und Wirtschaft“ arbeitet, „95 Prozent seiner Vorhersagen“ wie ein Rechenschieber auf: “Die Wünsche der Deutschen sind inzwischen relativ bescheiden geworden: gesichertes Einkommen und eine bezahlbare Wohnung, sich die neuen Zähne leisten können.” Zu dieser Gewissheit werden ihm sicher Leuphana-Vize Holm Keller und Ulrich Mädge genauso wie die neunzig entlassenen Pickenpack-Mitarbeiter und Andreas Meihsies durch persönliche Bekenntnisse verholfen haben.

    “Wir wollen lieber gut leben, als viel haben”, so Opaschowski. Darf man annehmen, dass Josef Ackermann, Thomas Middelhoff und Andreas Ohlms ihm erlaubten, sie mit diesen Geständnissen zu zitieren?

    “Auch Reiche haben Sinnkrisen. Es geht denen besser, die materiell nicht alles haben, dort besteht noch Luft nach oben.” Welcher arbeitslose Tellerwäscher in den „Townships“ von Malawi, Bangladesch oder Kaltenmoor würde diesen Satz nicht sofort unterschreiben und nicht voller Empathie mit den sinnkrisengrübelnden Reichen mitfühlen?

    Damit dem individuellen Wohlergehen des Forschers Opaschowski aber ein wenig auf die Sprünge geholfen werden kann, haben solche Leute noch eine Verhaltensregel in petto:

    Mach dich nicht im Auftrag von „Politik und Wirtschaft“ zum fetten Sprechautomaten der Magerkeit auf Kosten hungernder Generationen!

    • Ich - wer sonst?

      Vielen Dank für diesen Kommentar – Sie waren schneller als ich!

      Herr Opaschowski ist fürwahr ein „Sprechautomat“ und nur ein Trommler in eigener Sache. Seine Ausführungen im Vortrag erscheinen besonders dreist vor dem Hintergrund, dass er gerade der Generation angehört, die in großen Teilen blendend da seht und finanziell versorgt ist. Und das ohne Zweifel auf dem Rücken und auf Kosten der folgenden Generationen.
      Und bevor jetzt die „Alten“ den Chor anstimmen „… aber wir haben Deutschland aufgebaut…“ : ein 73-jähriger war 1945 genau 4 Jahre alt – auch damals haben die Kinder nicht 14 Stunden in den Trümmern malocht!

      Also: weniger Wasser predigen und Wein saufen und nicht ständig versuchen, anderen die kommenden Zeiten schön zu reden!

  2. bis zum Jahr 2035
    hellseher haben in der heutigen zeit konjunktur. warum ist das so? nun, wir haben noch nie so handwerklich schlechte politiker gehabt, jedenfalls nach 1945. 2035 soll das klima schon sich verselbständigen. dann brauchen wir keine politiker mehr. so eine untergangsstimmung ist einfach was feines und so melancholisch. allein, wieviel geld man damit machen kann. der mensch ist berechenbar? in teilen schon. nur beim teilen nicht. Die Frage des persönlichen Wohlergehens werde darum immer weniger vom Geld bestimmt sein, entsprechend mehr von der Sehnsucht nach Sinnerfüllung. donnerwetter, die wirtschaft wird begeistert sein und dagegen natürlich nichts unternehmen. ist canabis bei uns eigentlich schon frei erhältlich?

  3. Bemerkenswert finde ich vor allem, dass man an der Leuphana meint, mit der Einladung so einer Plattitüdenpfeife etwas für den Nachweis seiner Zuständigkeit im Bereich Gesundheitswesen zu tun.

    Da will man ja offenbar ohne jegliche medizinische, klinische oder pharmazeutische Sach- und Forschungskompetenz ans ganz große Fördermittel-Geld gelangen: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/193557-die-leuphana-gibt-das-stueck-hoch-hinaus

  4. Da doch immer nur von Wirtschaftswachstum, Bruttosozialprodukt (Ja, ja, ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…) Exportzahlen, Ifo-Index und Dax gesprochen wird muss man sich fragen, welchen Beitrag so ein Traumtänzer dazu beträgt. Aber es muss ziemlich viel sein, denn als Professor wird er doch recht stattlich dafür entlohnt. Aber warum nur? Was bringt das der Gesellschaft?

  5. „Der Multimediazug ins 21. Jahrhundert wird eher einem Geisterzug gleichen, in dem sich ein paar Nintendo- und Sega-Kids geradezu verlieren, während die Masse der Konsumenten nach wie vor voll auf das TV-Programm abfährt.“
    Horst Opaschowski (Zukunftsforscher), 1994

    • Spitzenzitat, Herr Rössler!

      Dieses substantielle „Forschungsergebnis“ hat sich Spökenkieker Opa Schowski bestimmt sauer erarbeitet, als er während der Sommerferien 1994 auf dem Sofa döste und sich durch die 13 WDR-Folgen von „Klatschmohn“ träumte, in der – nomen est omen – Klatsch und Tratsch aus Königshäusern, Prominentenskandale und andere Dinge, die die Welt bewegen, wie etwa Frühjahrsdiäten von Joschka Fischer oder ungewollte Schwangerschaften von Uschi Glas behandelt wurden. Die visuelle Nachbereitung jener Yellow-Press-Themen also, die zwar angeblich niemanden wirklich interessieren — und über die doch fast jeder Zukunfts- und Freizeitforscher genau Bescheid zu wissen glaubt. Das war dem Leben unterm Cyber-Helm unbedingt vorzuziehen! Und dann kann ja auch nicht werden, was nicht werden darf! Denn mit „Prognosen“ verdient man kein Geld, wenn man sie nicht jederzeit nach Lage dessen, was „gewollt“ wird und beim Publikum ankommt, ändern darf.

      Schaut man die „Thesen und Prognosen seit 1970“ durch, die Horst, der „Zukunftswissenschaftler und Berater für Wirtschaft und Politik“, stolz auf seiner Homepage auflistet, hat man wirklich alles an abgestandenen Banalitäten zu jedem Zeitpunkt seit 1970 beisammen, was, wenn es nur alle Spatzen hundert Mal von jedem Dach gepfiffen hatten, mit Sicherheit auch Opaschowski nicht verborgen blieb und von ihm mit dem professoralem Ernst des stets zu spät gekommenen Wahrsagers – dann aber sofort – in bedeutsamste Vohersagen umgedichtet wurde. (http://www.opaschowski.de/index.php?id=10)

      Wenn Sie nun fragen, Herr Rössler, wie kam es bloß zu einer solchen Dokumentation der Peinlichkeiten? Ich vermute, weil Horsti seit einem halben Jahrhundert vor allem einer Sache sicher zu scheint: „Mir ist Schicksal und Beruf, das, was alle wissen, ebenfalls nicht zu übersehen und diese Sonderstellung niemandem zu verschweigen !“

  6. Einen Dank an den ungenannten Schreiber vom 11. Oktober um 18:01h! Ich bin ihrem Link (http://www.opaschowski.de/index.php?id=10) gefolgt und bekam teils ein schlechtes Gewissen. Warum? Weil ich erstaunt war wie viele (nicht alle) Veränderungen und Entwicklungen Herr Opaschowski doch richtig eingeschätzt hat. Das veranlasst mich, mich ihm gegenüber für meinen ersten Kommentar zu entschuldigen.

    Schade ist nur, dass die Politik die Entwicklungen nahezu ausschließlich zu spät erkannt und nicht gegengesteuert oder Wege vorbereitet hat. Viele Voraussagen hätten zum agieren veranlassen müssen. Doch leider reagiert die Politik immer nur und zeigt relativ wenig Voraussicht. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die von Herrn Opaschewski vorausgesagte Schuldenkrise einiger EU-Staaten.

    • liebe heidi, worte können vernebeln. allgemeinplätze tun es auch. jeder, der einen bestimmten intellektgrad erreicht hat, kann vernünftig und intelligent erscheinen. die frage ist nur, ist er es auch? opaschowski ist ein typischer vertreter seiner zunft. ein blindes huhn trifft auch mal ein stück getreide. ist es deswegen gleich intelligenter, als ein huhn , was nichts trifft?

    • Ist Ihnen klar, Heidi, dass es 37 Jahre nach dem Ereignis immer noch nicht gelungen ist, den Eintritt des Todes von Elvis auf die Minute genau vorherzusagen?

      Andererseits sind ohne jeden Zweifel Herr Opaschowski, Sie mit Sicherheit auch, genauso wie ich (ich schwöre es) und der am 22. August 2011 um 16:41 Uhr verstorbene Edelmann Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow zu Recht der felsenfesten Überzeugung: »Laut Horoskop der Woche haben im November Steinbock, Fische, Zwilling, Stier, Jungfrau, Wassermann, Löwe, Krebs, Schütze, Widder, Skorpion und Waage nichts zu lachen; das gleiche gilt für Igel, Bäcker und Nähmaschinen.«

      Möchten Sie sich aber in die Fallstricke des Geschäftsfeldes von Propheten weiter einarbeiten, ist immer noch Loudon Wainwrights Lied „I am the Way“ die ultimative Vorbereitung: https://www.youtube.com/watch?v=OgzjE0LWgwM

  7. Nun will ich Sie Klaus -lechzend nach Antwort von mir- und auch Sie Florian nicht enttäuschen und antworte tatsächlich. Dabei will ich gar nicht versuchen mit Argumenten gegen ihre Einstellungen anzugehen, weil ich es für aussichtslos halte. Auch wenn der Argumentationsaustausch der Sinn und Zweck einer Diskussion ist. Ebenso will ich auch nicht leugnen, dass Herr Opaschewski nach meiner Sicht nicht mit allen Aussagen richtig lag. Dennoch hat er sehr wesentliche Entwicklungen gerade der letzten 15 Jahre sehr treffend und folgerichtig eingeschätzt. Deshalb würde ich ihn aber nicht als Propheten bezeichnen. Noch viel weniger als Wahrsager.

    Seinen Vortrag an der Leuphana verstehe ich jetzt mehr als eine Motivationsveranstaltung mit leicht philosophischem Charakter, nicht aber als einen Einblick in seine wissenschaftliche/empirische Arbeitsweise.

    Deshalb stehe ich zu meinem vorigen Beitrag hier. Es ist kein Problem und kein Gesichtsverlust für mich Fehleinschätzungen einzugestehen, und meine Meinung zu ändern. Es wäre zu schön wenn so etwas in Diskussionen öfter geschehen würde. Unerklärlich bleibt aber weiterhin für mich, warum die Politiker sich von Fachleuten wie Herrn Opaschewski beraten lassen, obwohl sie in diesem Bereich scheinbar Beratungsresistent sind. Den „Beratern“ der Industrielobbys wird offensichtlich mehr Gehör geschenkt.

  8. liebe heidi, gesichtsverlust ist was für chinesen. wer glaubt, mit allem recht zu haben, kann sehr einsam sein. ist es wahrscheinlich auch. wer sich nicht selbst in frage stellen kann, versäumt so einiges. opaschowski gehört wohl kaum zu denen, die einen gesichtsverlust erkennen. wenn er jetzt noch vorhersagen könnte, wann unsere postdemokratie beendet ist, würde er in meiner sichtweise ganz nach oben steigen. denn seine sogenannte prophezeiung , die darin mündet, die menschen würden die jagd nach dem goldenen kalb freiwillig beenden , ist einfach zu schön, um wahr zu werden.allein, es fehlt mir der glaube. was ich weiß, ist, der mensch ist ein egoist und diese charaktereigenschaft soll etwas positives sein. solange man dieses glaubt, wird sich der mensch nicht ändern. was das lechzen angeht, bitte nicht übertreiben. und wenn sie opaschewskis vortrag als motivationsveranstaltung betrachten, ist dieses doch für sie eine gute sache. ob er das wohl so auch sieht? ihr letzter satz, ist genau der grund, warum ein traum nicht wirklichkeit wird. es fehlt schlichtweg der glaube daran.