Dienstag , 27. September 2016
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Im Circus Olympia kümmern sich die Artisten Sandokan (l.) und Jonny Lauenburger tagsüber um ihre Tiere wie diese Dromdare. Die Aufregung einiger Tierschützer können sie nicht verstehen. Wir sind mit ihnen aufgewachsen und lieben unsere Tiere. Foto: t&w
Im Circus Olympia kümmern sich die Artisten Sandokan (l.) und Jonny Lauenburger tagsüber um ihre Tiere wie diese Dromdare. Die Aufregung einiger Tierschützer können sie nicht verstehen. Wir sind mit ihnen aufgewachsen und lieben unsere Tiere. Foto: t&w

An den Tieren scheiden sich die Geister

us Lüneburg. Gemütlich kauend stehen die vier Kamele in ihrem Gatter auf den Sülzwiesen und betrachten neugierig die Umgebung. Deutlich weniger an Kalkberg, Michaeliskirche oder Wohnmobil-Stellplatz interessiert zeigen sich die Wasserbüffel, auch die Zebras und Stierbüffel sind mehr mit dem Futter beschäftigt, das Jonny Lauenburger gerade ausbringt. Der 32-Jährige hat gut zu tun, es ist Mittagszeit im Circus Olympia, der in diesen Tagen in Lüneburg gastiert. Heute Abend findet die erste Vorstellung statt, dann wird sich auch für rund die Hälfte der insgesamt 150 Tiere, die zum Zirkus gehören, die Manege öffnen. Insgesamt sechs Vorstellungen stehen bis Sonntag auf dem Programm.

Nach Lüneburg ist der Circus Olympia zum ersten Mal gekommen, mehrere Anläufe seien dazu nötig gewesen, wie Jonny erklärt. „Wir versuchen es schon seit einigen Jahren, aber die Warteliste ist lang.“ Denn anders als in anderen Städten gebe es hier nur zweimal im Jahr die Möglichkeit, sich als Zirkus zu präsentieren, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Das sei aber in Ordnung, findet er, „denn dann ist die Erwartungsfreude der Lüneburger natürlich größer“.

„Friedrich“, wie der imposante Wasserbüffel im Circus Olympia genannt wird, ist ein friedliebender Geselle. Foto: t&w
„Friedrich“, wie der imposante Wasserbüffel im Circus Olympia genannt wird, ist ein friedliebender Geselle. Foto: t&w

Doch die Freude hält sich bei einigen Lüneburgern offenbar in Grenzen. An mehreren Stellen in der Stadt wurden Werbeplakate des Circus Olympia mit einem gelben Banner überklebt, auf dem „Abgesagt wegen Tierquälerei“ zu lesen ist wie schon bei früheren Gastspielen anderer Zirkusse, die mit Tieren reisen. „Natürlich ist nichts abgesagt“, sagt Zirkusdirektor Karl-Peter Lauenburger, „unsere Veranstaltungen finden wie geplant statt. Und Tiere quälen wir schon gar nicht“. Wer sich hinter der Aktion verbirgt, kann er nur vermuten, „das sind sicher irgendwelche Tierschützer.“ Gestern sei das Ordnungsamt bei ihm gewesen, man habe ihn informieren wollen, dass heute mehrere Personen vor dem Zirkus protestieren werden. Ähnliche Aktionen hatte es in Lüneburg auch in der Vergangenheit schon gegeben. Tenor der Kritiker dabei stets: Tiere, vor allem Wildtiere, haben im Zirkus nichts verloren.

Den Zirkusdirektor ärgert die Aktion, denn seinen Tieren gehe es gut, versichert er, „oft besser als in manch anderer Einrichtung.“ Natürlich würden alle gesetzlichen Vorgaben für die Tierhaltung eingehalten, bekräftigt sein Schwiegersohn, „zum Teil haben unsere Tiere sogar deutlich mehr Platz als vorgeschrieben“. Dass die Tiere artgerecht untergebracht und versorgt werden, sei amtlich bescheinigt, denn an jedem Standort schaue das Veterinäramt nach dem Rechten, etwaige Mängel werden in ein Tierbestandsbuch eingetragen. „Wir haben bis heute nicht einen einzigen negativen Eintrag bekommen“, sagt Jonny Lauenburger.

Gegen das Überkleben der Plakate wollen sie Anzeige erstatten, „denn das ist geschäftsschädigend“, stellt Karl-Peter Lauenburger klar. Auch der Tierschutzverein Lüneburg verurteilt die Sabotage. „Dass wir für den Tierschutz kämpfen, ist gar keine Frage, aber das geht natürlich nicht“, sagt Stephanie Bachert, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Wenig Verständnis für die Plakatierungsaktion hat auch die „Arbeitsgruppe tierfreier Zirkus“ in Lüneburg. „Wir haben das nicht überklebt“, versichert Martina Scholz von der Initiative, „und wir werden gegen diesen Zirkus auch nicht demonstrieren, da hier Haustiere und keine Wildtiere gehalten werden.“ Auch Kamele und Büffel zählten dazu.

 „Das macht man nicht“ –  Juri Schweizer, Betreiber der Diskothek Garage

Dass inzwischen sogar einige der Zirkus-Plakate auch mit Ankündigungen der Lüneburger Diskothek Garage überklebt wurden, bedauert dessen Betreiber Juri Schweizer: „Das ist unschön, das macht man nicht und wird auch nicht wieder vorkommen.“ Dafür werde er bei dem von ihm beauftragten Unternehmen sorgen. Und einen Tierschutz-Hintergrund habe das natürlich auch nicht.

Unabhängig davon freut sich Karl-Peter Lauenburger auf die Lüneburger, in den kommenden Tagen möchte er ihnen vieles bieten. „Wir sind Deutschlands größter Familienzirkus“, sagt das 59-jährige Familienoberhaupt. Mehr als 50 Mitglieder gehören dem Ensemble an, knapp die Hälfte sind Familienangehörige. Artisten aus Spanien, Holland und Russland zeigen ihr Können in der Manege, es gibt ein Luftballett am schwingenden Vertikalseil oder auch eine Dressur mit den kleinsten Ponys der Welt. Bereits in fünfter Generation ist der Circus Olympia in Familienhand, „und wenn der Nachwuchs will, geht es auch in der nächsten Generation weiter“, sagt Karl-Peter Lauenburger mit einem hoffnungsvollen Blick auf seine Enkelkinder, die bei den Tieren spielen.