Donnerstag , 29. September 2016
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Fast schon Alltag: der Kampfmittelräumdienst im Baugebiet Ilmenaugarten. Bis Jahresende müssen Anwohner damit rechnen, dass weitere Blindgänger gefunden werden, die Evakuierungen zur Folge hätten. Foto: boldt
Fast schon Alltag: der Kampfmittelräumdienst im Baugebiet Ilmenaugarten. Bis Jahresende müssen Anwohner damit rechnen, dass weitere Blindgänger gefunden werden, die Evakuierungen zur Folge hätten. Foto: boldt

Bombenfrei am Jahresende

us Lüneburg. „Die schlimmsten Flächen haben wir hinter uns.“ Für Manfred Schulte, Geschäftsführer der Ilmenau Garten GmbH & Co. KG, die auf dem Gelände der ehemaligen Wittenberger Bahn neuen Wohnraum für Lüneburg errichtet, läuft noch alles nach Plan. Rund 65 Prozent des Baugebietes zwischen der Bahnstrecke Hamburg-Hannover und der Ilmenau sind „piepfrei“ und damit bombenfrei, wie der Lüneburger Investor sagt. Sieben Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sind in den vergangenen Monaten dort gefunden worden. Der letzte Fund vor gut drei Wochen hatte die größte Evakuierung in Lüneburg zur Folge, 12000 Menschen im Umkreis von 1000 Metern um den Fundort mussten für mehrere Stunden ihre Wohnungen im Innenstadtbereich verlassen.

Aufgespürt werden die Bomben von einem beauftragten Kampfmittelbergungs-Unternehmen mit Hilfe von Sonden, die auf metallische Gegenstände im Boden mit einem Piepton reagieren. Bei ihrer Suche stoßen die Experten aber nicht nur auf die gesuchten Objekte, denn die Sonden reagieren auch auf sogenannte Störfaktoren. „Sie piepen bei allem, was aus Metall ist“, sagt Schulte. Kürzlich erst seien beispielsweise Unmengen an alten Bestecken gefunden worden, „leider keine Silberbestecke, sondern wertloses Zeug aus den fünfziger Jahren.“ Schulte geht davon aus, dass dies noch aus der Zeit stammt, als Lüneburger Schrotthändler auf dem Gebiet angesiedelt waren. „Gefühlt muss hier jeder zweite Schrotthändler aus Lüneburg mal gewesen sein“, sagt Schulte mit ironischer Anspielung auf die Unmengen an Metallteilen, die bereits im Boden gefunden wurden.

Noch ist die Suche nicht beendet, noch warten knapp 30000 Quadratmeter darauf, von weiteren möglichen explosiven Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs befreit zu werden. Wie viele Bomben dort im Untergrund noch schlummern, lasse sich nicht sagen, nach Auswertung eines von der Stadt erstellten Katasters aber geht Schulte davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, auf weitere Blindgänger zu stoßen, eher geringer geworden ist. „Wir arbeiten jetzt dort, wo eher mit weniger Funden zu rechen ist.“ Bis Ende dieses Jahres soll das gesamte Baugelände abgearbeitet sein.

Das Gebiet um den Lüneburger Bahnhof zählte neben Flugplatz und Kasernen zu den wichtigsten Zielen der Alliierten-Bomber. Um sicherzustellen, dass auch die an das Baugelände angrenzenden Flächen bombenfrei sind, hatte die Stadt bereits die Ilmenau und den Lösegraben nach möglichen Blindgängern abgesucht. Auch westlich der Ilmenau auf dem Gebiet der Kleingartenkolonie, DLRG und Schröders Garten sollen Prüfungen vorgenommen werden. Allerdings soll dies zunächst durch Auswertung neueren Kartenmaterials geschehen. Sollten sich dabei konkrete Verdachtsgründe ergeben, sollen gezielte Maßnahmen ergriffen werden, wie die Stadt mitteilte.