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Was wird in Zukunft aus dem Lüneburger Stadtfest? Foto: t&w
Was wird in Zukunft aus dem Lüneburger Stadtfest? Foto: t&w

Stadtfest soll 2015 ausfallen

as Lüneburg. Drei B machen für Grünenchef Andreas Meihsies inzwischen das Lüneburger Stadtfest aus: Bier, Bratwurst und Banalitäten. Mit seinen Fraktionskollegen ist er sich einig: Am Konzept des Festes sollte dringend gefeilt werden. Da die Stelle des Geschäftsführers der Lüneburg Marketing GmbH vakant ist, „empfehlen wir, das Stadtfest im kommenden Jahr ausfallen zu lassen“, sagt Meihsies. Als Denkpause sozusagen, damit der neue Marketing-Mann in Ruhe an einem attraktiveren Konzept arbeiten könne. Sein Fraktionskollege Ulrich Blanck kann sich darüber hinaus vorstellen, dass das Stadtfest künftig nur noch im Wechsel mit dem Kopefest stattfindet also jedes Fest nur alle zwei Jahre. Bei Gesellschaftern der Marketing GmbH findet der Vorschlag keine Akzeptanz.

Seit 42 Jahren zieht das Lüneburger Stadtfest alljährlich zig Tausend Besucher an, neben Zuspruch gab es aber auch immer wieder Kritik, zuletzt in diesem Jahr. Das ist auch bei den Stadt-Grünen angekommen. „Die Bürger sagen, es ist inzwischen beliebig, wenig attraktiv, macht keinen Spaß mehr“, berichtet Blanck. Höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, meinte die Fraktion und diskutierte die Frage: Warum ist das Stadtfest so unattraktiv? Und: Brauchen wir das Stadtfest? „Wir glauben, dass der Bürger aufgrund der vielfältigen Angebote an Unterhaltung und Kultur inzwischen übersättigt ist. Neben dem Stadtfest gibt es das attraktive Kopefest und in vielen Stadtteilen Feste, wo man die Nachbarschaft pflegt“, sagt Meih­sies. Überlegt werden sollte, ob das Stadtfest für Lüneburger ist oder nur für Lüneburg, also aufs Konsumieren reduziert sei. „Man fühlt sich nicht mehr angesprochen, wir möchten mehr Qualität reinbekommen“, sagt Meihsies. Blanck ergänzt: „Es fehlt der Lüneburg-Bezug, das habe ich von vielen gehört. Deshalb sollte die Frage gestellt werden, was die Bürger sich wünschen. Es kann nicht nur um die Interessen der Budenbesitzer gehen. Es muss ja auch in deren Interesse sein, dass das Fest attraktiver wird, damit es Leute zieht und sie Geld verdienen.“ Blanck kann sich vorstellen, dass die Uni eine Expertise liefert, um mit Fakten und Zahlen zu untermauern, was gewünscht ist und wie das Stadtfest aufgestellt sein sollte. „Davon ausgehend müsste der neue Marketing-Chef eine Konzeption erstellen.“ Meih­sies verdeutlicht: „Wir sind nicht die besseren Marketing-Leute, deshalb können wir nicht sagen, wie es besser geht.“ Das sei Aufgabe der Experten. Dass die Grünen nun die Diskussion um die Zukunft des Stadtfestes ankurbeln, rührt auch daher, dass Meihsies in Gesprächen mit Vertretern von vier der zehn Gesellschaftern der Marketing GmbH gehört habe, dass es auch dort Überlegungen nach dem Sinn des Stadtfest gibt.

Die Stadt hält gemeinsam mit der Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH mit rund 45 Prozent die meisten Anteile an der Marketinggesellschaft. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hält „gar nichts“ von der Grünen-Idee. „Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Stadtmarketing hat, weiß, dass Veranstaltungen kontinuierlich angeboten werden müssen. Das Oktoberfest findet auch nicht nur alle zwei Jahre statt. Außerdem brauchen Handel und Wirtschaft in Lüneburg gerade im Sommer ein zugkräftiges Fest. Die Komposition der verschiedenen Veranstaltungen in der Stadt über das Jahr ist so gewollt. An der inhaltlichen Konzeption des Stadtfestes kann man sicher arbeiten, auch die Finanzierung muss ein Thema sein. Über diese und andere Grundlagen denken wir in der Gesellschafterversammlung natürlich nach, aber dafür brauchen wir keine Denkpause. Was wir allerdings brauchen, sind verlässliche Daten, der Wirtschaftsplan 2015 des Lüneburg Marketings ist in Arbeit und wird voraussichtlich im November im Wirtschaftsausschuss vorgestellt. Auch die Ausschreibung für den neuen Geschäftsführer können wir erst danach auf den Weg bringen. Dessen ungeachtet haben wir in Person von Interimsgeschäftsführer Gerhard Voigts, Veranstaltungsmanager Mirco Wenzel und City-Manager Martin Zießnitz und den übrigen Mitarbeitern verlässliche Leute also kein Anlass, das Stadtfest zur Disposition zu stellen.“

Pause findet keine Akzeptanz
Die Werbe- und Parkgemeinschaft, die 2007 in Lüneburger Citymanagement (LCM) umbenannt wurde, hatte das Stadtfest einst aus der Taufe gehoben. Für das LCM als Gesellschafter des Marketings stellt Heiko Meyer klar: „Stadtfest und Kopefest sind für Bürger, Handel und Tourismus wichtig, beide Veranstaltungen müssen jedes Jahr stattfinden. Aber selbstverständlich muss an der Konzeption weiter gearbeitet werden.“ Dem Stadtfest sollte „neues Leben eingehaucht werden – mit Lüneburgern für Lüneburger“. Dafür müsse es aber nicht ein Jahr aussetzen, denn das Marketing arbeite unter Interimschef Gerhard Voigts nach dem Ausscheiden von Stefan Pruschwitz weiter, und der Veranstaltungsmanager sei im Amt. „Wir müssen die Lüneburger begeistern fürs Stadtfest und die Sülfmeistertage, das ist die Aufgabe aller Gesellschafter des Marketings“, meint Meyer. Gerhard Voigts pflichtet ihm bei: „Was künftig passieren sollte, muss mit den Gesellschaftern diskutiert werden.“ Dazu gehören auch die Schausteller, die die Feste mit Essen- und Getränkeständen sowie Amüsement bedienen. Ihr Chef Benno Fabricius warnt davor, das Stadtfest ausfallen zu lassen oder im Wechsel mit den Sülfmeistertagen zu fahren. „Jedes Fest, das nicht kontinuierlich stattfindet, verliert an Bekanntheitsgrad. Das belegen andere Städte. Wir haben die Veranstaltungsabteilung des Marketings, um diese Feste nach vorne zu bringen.“ Dass das Stadtfest-Konzept überarbeitet werden muss, das sehen auch die Schausteller so. „Das hat das Schlager-Event gezeigt, das müsste etabliert werden. Um alle Geschmäcker zu bedienen, müsste es – so wie früher – auch Bühnen an Standorten wie dem Stint, An den Brodbänken oder am Schrangenplatz geben.“ Allerdings sei das alles auch mit Kosten verbunden. Irritiert zeigte sich Heiko Dörbaum, Fraktionschef der SPD, über den Vorstoß des grünen Gruppenpartners: „Mit mir ist das nicht abgesprochen. Das stellt mich vor vollendete Tatsachen.“ Im Übrigen könne er die Auffassung nicht teilen, das Stadtfest ein Jahr auszusetzen. Die Marketing GmbH müsse mit den Gesellschaftern erörtern, wie es weitergehen solle.

2 Kommentare

  1. Ich hab sonst mit den Grünen und Herrn Meihsies speziell sonst nichts am Hut. Aber bei dieser Thematik haben ihre Gedanken und Überlegungen meine volle Zustimmung.

  2. Wenn das Stadtfest ausgesetzt wird, dann war es das. Am Konzept selbst muss aber dringend gearbeitet werden, vielleicht holt man ein paar mehr Wirte ins Boot. Mehr „Straßenkonzepte“, die unterschiedliche Angebote in einzelnen Straßen als geschlossene Einheit bieten Musik, Buden und sonstiges Begleitprogramm.