Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Fracking und dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP erteilen Lüneburger bei einer Kundgebung auf dem Sand eine klare Absage. Foto: t&w
Fracking und dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP erteilen Lüneburger bei einer Kundgebung auf dem Sand eine klare Absage. Foto: t&w

Bürger zeigen rote Hand

as Lüneburg. Die rote Karte beziehungsweise rote Hand zeigten Lüneburger Bürger der umstrittenen Gasfördermethode Fracking am Sonnabend bei einer Kundgebung der Initiative „Wir gegen Fracking“, die von BUND und Nabu unterstützt wird. Die Aktion war Teil eines weltweiten Protesttages gegen Fracking. Gleichzeitig wurden Unterschriften für eine europaweite Kampagne gegen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP gesammelt, da dieses die Türen öffnen würde für Fracking. Eingeladen hatten die Veranstalter auch Politiker des Kreistags und Stadtrates, doch nur wenige Vertreter der Grünen und der Linken waren gefolgt.

Mehr als 150 Bürger waren gekommen, als Ingo Köhne von der Initiative „Wir gegen Fracking“ deutlich machte, dass die Förderung von unkonventionellem Erdgas mittels Hydraulic Fracturing (Fracking) ,,keinen Beitrag leisten kann, einige der wichtigsten globalen Probleme zu lösen: den beschleunigten Klimawandel, den Raubbau an Ressourcen, den steigenden Energieverbauch und die ungerechte Verteilung von Wohlstand“. Nicht nur aus diesem Grund sei der „Irrweg Fracking“ entschieden abzulehnen. Bei Fracking handele es sich um eine Hochrisikotechnologie zur Förderung unkonventionellen Erdgases und -öles, die mit „nicht verantwortbaren negativen Eingriffen in die Naturhaushalte verbunden“ sei. Breite Bevölkerungsschichten würden das Verfahren ablehnen. „Wir erwarten daher von den Politikern in Bund und Ländern nach dem Beschluss des Atomenergieausstiegs konsequent die Umsetzung des nächsten Schrittes: den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger“, zitierte er aus der „Korbacher Resolution“, die bundesweit 26 Anti-Fracking-Initiativen auf den Weg gebracht haben. Fracking diene der Gewinnmaximierung multinationaler Konzerne, die Folgen und Risiken für die Bevölkerung seien jedoch enorm. Denn beim Fracking werden große Wassermengen, die mit Chemikalien versetzt sind, Tausende Meter unter die Erde gepresst, um in den dort liegenden gastragenden Gesteinformationen Risse zu erzeugen. Durch diese kann dann das Erdgas zur Förderung entweichen. Mögliche Folgen sind laut Köhne: verschmutztes Grund- und Trinkwasser durch Bohr- und Transportunfälle, verseuchter Boden durch Leckagen in Rohrleitungssystemen, insbesondere durch Lagerstättenwasser, Gefährdung des Grundwassers, mehr Flächenverbrauch durch Straßennetze und Bohrplätze und leichte bis mittlere Erdbeben durch Erdverwerfungen.

Als prominente Unterstützerin war auch die Rote-Rosen-Darstellerin Anja Franke zur Kundgebung gekommen. Sie wünscht sich, dass nicht nur immer mehr Bürger gegen Fracking Front machen, sondern auch Gesicht zeigen gegen TTIP, weil sonst durch das Freihandelsabkommen die Macht der Konzerne überwiege. Wie berichtet, verhandeln die EU und die USA seit Juli 2013 hinter verschlossenen Türen über ein umfangreiches Freihandelsabkommen. Die Sorge der Kritiker ist, dass durch TTIP zentrale Standards des Umwelt- und Verbraucherschutzes sowie Arbeitnehmerrechte massiv ausgehebelt werden. Zu befürchten sei auch, dass das Freihandelsabkommen eine Steilvorlage für Fracking biete. Denn Investitionsschutzabkommen würden dafür sorgen, dass wenn Fracking verboten werde, Firmen für vorbereitende Maßnahmen hohe Entschädigung fordern könnten, erläuterte Antje Busch von der Initiative „Wir gegen Fracking“.

In Resolutionen hatten sich der Lüneburger Stadtrat und Kreistag bereits gegen Fracking ausgesprochen, aber die Initiatoren der Veranstaltung hätten sich gewünscht, dass Politiker aller Couleur dies am Sonnabend noch einmal öffentlich bekundet hätten. Die Resonanz war mau. Ein Zeichen der Unterstützung setzten Claudia Schmidt, Kreissprecherin der Grünen, die auch im Stadtrat sitzt, Petra Kruse-Runge, Fraktionsvorsitzende der Kreisgrünen, die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte und der Linken-Chef Michèl Pauly. Staudte dankte den Veranstaltern sowie Bürgern, dass sie gegen Fracking und TTIP auf die Straße gehen. Alle Formen des Fracking seien abzulehnen, sie werde sich dafür in Hannover einsetzen.