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Tempo 80 statt 100 wünschen sich viele Anwohner der Ostumgehung. Doch das wird vorerst ein  Wunsch bleiben. Aus Sicht des Verkehrsministeriums rechtfertigen weder der Lärmpegel noch die Verkehrssituation diesen Schritt. Foto: t&w
Tempo 80 statt 100 wünschen sich viele Anwohner der Ostumgehung. Doch das wird vorerst ein Wunsch bleiben. Aus Sicht des Verkehrsministeriums rechtfertigen weder der Lärmpegel noch die Verkehrssituation diesen Schritt. Foto: t&w

Fakten stechen gefühlte Wahrheit aus

ml Lüneburg. Als der Lüneburger Hans-Joachim Schröder kürzlich im Süden der Republik unterwegs war, drängte sich ihm eine oft gestellte Frage auf: „Warum ist in Bayern möglich, was in Niedersachsen nicht funktioniert?“ Unterwegs war Schröder mit dem Auto zu diesem Zeitpunkt auf der Autobahn93 in Richtung Hof. Im Gegensatz zur A39 Lüneburg-Wolfsburg ist diese Strecke bereits gebaut. Und weist bei Regensburg ein Merkmal auf, dass sich auch viele Lüneburger schon jetzt im Zuge der geplanten A39 wünschen: Ein Tempo-Limit, das die Geschwindigkeit in der Stadt auf 80 Kilometer in der Stunde beschränkt.

„Kilometerlang verläuft die Autobahn auf Stadtgebiet bei Tempo 80“, berichtet Schröder und fragt: „Warum ist das nicht auch auf der Lüneburger Ostumgehung möglich?“ Seit Jahren schon streiten Anwohner und Stadtverwaltung mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr über eine Reduzierung des Tempolimits von 100 auf 80 Kilometer in der Stunde auf der Bundesstraße 4 im Zuge der Ostumgehung. Auf dieser Trasse soll später die A39 Richtung Süden geführt werden. Doch während die Stadt nur allzu gern den Anwohner-Wünschen nachkommen würde, stellt sich die Landesbehörde quer, verweist bei Anfragen inzwischen direkt an das Verkehrsministerium in Hannover.

Auch dort sind die Pressesprecher mit der Materie bestens vertraut. Denn erst im August 2013 hatte Anwohner Borwin Pahl Mitglieder des von ihm angerufenen Petitionsausschusses des Landtages zur Hörprobe in seinem Garten zu Gast. Und auch die Politiker befanden: „Es ist zu laut.“

Doch subjektive Wahrnehmungen sind für Behördenmitarbeiter keine Grundlage für Entscheidungen. Sie halten sich lieber an Fakten. Und die gestalten sich laut Stefan Wittke, Sprecher im Verkehrsministerium, so: „Tempo 80 in diesem Bereich ist rechtlich nur zu rechtfertigen aus Gründen des Lärmschutzes oder der Verkehrssicherheit.“ Auch wenn Anwohner und Politiker die Situation vor Ort als laut empfänden, würden die erforderlichen Grenzwerte nicht einmal annähernd erreicht, geschweige denn überschritten. Zulässig seien laut Gesetzgeber 70 Dezibel A (dBA) tagsüber und 60 dBA nachts. „Die Werte, die auf der Ostumgehung gemessen wurden, liegen in beiden Fällen elf dBA darunter“, sagt Wittke. Zwar stammen die Zahlen aus dem Jahr 2010, und gemessen wird erst wieder 2015, doch gravierende Änderungen erwartet der Sprecher nicht. Denn: „Bei einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens beträgt der Lärmzuwachs lediglich drei Dezibel A, die Grenzwerte werden also auch in Zukunft kaum überschritten werden.“ Und als Unfallschwerpunkt sei die Ostumgehung nicht bekannt. „Damit gibt es keine Rechtsgrundlage für eine Reduzierung des Tempo-Limits“, so Wittke.

Doch was ist nun mit Regensburg? Warum haben die Menschen im östlichen Bayern, was den Lüneburger verwehrt bleibt? Auf einer Länge von rund 16 Kilometern gelte auf der A93 Tempo 80, bestätigt Katja Winkler, Sprecherin des Verkehrsministeriums in München. „Mit Lärmschutz hat das allerdings nichts zu tun.“ Vielmehr gebe es in diesem Abschnitt Tunnel sowie zahlreiche Auf- und Abfahrten. „In Tunneln ist die Höchstgeschwindigkeit ohnehin auf 80 Stundenkilometer festgesetzt“, erklärt die Sprecherin, „und in den anderen Bereichen gab es zuletzt eine ungute Unfall­situation.“ Das Tempo-Limit bei Regensburg sei allein der Verkehrssicherheit geschuldet.

Unterdessen hat ihr Kollege in Hannover in einem früheren Gespräch mit der LZ bereits auf den offenporigen Asphalt verwiesen, der bereits auf der Ostumgehung verbaut sei und die Abrollgeräusche der Fahrzeuge mindere. Zudem hätten zahlreiche Anwohner Anspruch auf passiven Lärmschutz wie den Einbau spezieller Fenster. Aber eben nicht alle. Auch Borwin Pahl nicht. Wenn auch nicht ministeriabel belastbar, so bleibt an der Ostumgehung zumindest gefühlt alles beim Alten: Es ist zu laut.

3 Kommentare

  1. Nicht nur die Lüneburger haben das Problem mit der Lärmbelästigung! Melbeck hat jeden Tag + Nacht das Problem das die Autos/ LKWs mit einer nicht angemessenen Geschwindigkeit durch das Dorf fahren!! PROA39!!!

  2. Und immer wieder das Argument der Melbecker, die A39 auszubauen. Zum Einen war die Bundesstraße 4 schon da, als alle dort wohnenden geboren wurden. Zum Anderen ziehen Autobahnen Verkehr magisch an, es wird dann nur noch schlimmer, nur etwas verlagert. Was mit der ausgebauten A39 auf der Ostumgehung dann los ist, mag ich mir gar nicht ausmalen.

  3. Warum bestimmen in Deutschland immer wieder Minderheiten. Sollte die Stadt die 80 km/h auf der Ostumgehung einführen, sollten alle Auto- und LKW-Fahrer die den Umweg Ostumgehung nutzen und wieder durch die Stadt fahren. Oder wollen wir demokratische Entscheidungen treffen, wie in Stuttgart geschehen. Dann ist der Ausgang offen und dann entscheiden Mehrheiten!