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Claudia Schmidt und Dr. Armin Wiezer wollen auch in Lüneburg überall freien Zugang ins Internet. Erste Schritte dahin wurden bereits unternommen. Foto: be
Claudia Schmidt und Dr. Armin Wiezer wollen auch in Lüneburg überall freien Zugang ins Internet. Erste Schritte dahin wurden bereits unternommen. Foto: be

Der freie Weg ins Internet

us Lüneburg. Kein Internetzugang? Kann eigentlich nicht sein, denn WLAN-Netze gibt es in Deutschland zuhauf. Zwar lassen die Geschwindigkeiten, mit denen Internetseiten, Musikstücke oder Filme auf Smartphones, Tablets oder Notebooks heruntergeladen werden können, oft noch zu wünschen übrig viele Bewohner des Landkreises Lüneburg wissen ein Lied davon zu singen doch im Prinzip ist zumindest ein Netz immer in unmittelbarer Nähe. In der Regel sind es private Netze, von Personen betrieben, die sich zu Hause ein WLAN-Netz eingerichtet haben, um mit ihren Geräten kabellos im Internet surfen zu können. Doch der Zugang zu diesen Netzen ist in der Regel versperrt. Seinen Grund hat dies nicht zuletzt in einer Regelung, die es so wohl nur in Deutschland gibt und auf den Namen „Störerhaftung“ hört.

„Wer ein WLAN-Netz betreibt, ist auch dafür verantwortlich, was in seinem Netz passiert“, erklärt Dr. Armin Wiezer den Hintergrund der Störerhaftung. Wer es also zulässt, dass in seinem WLAN-Netz beispielsweise unerlaubt Musik heruntergeladen wird, kann dafür zur Verantwortung gezogen werden, erklärt der Vorsitzende des Vereins Freifunk Lüneburg. „Das führt aber dazu, dass es in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern keinen freien Internetzugang gibt.“

Das Problem kennt auch Heiko Meyer. Der Vorsitzende des Vereins Lüneburger Citymanagement (LCM) ist selbst Betreiber eines Cafés in der Lüneburger Innenstadt, er weiß, dass heute Gastronomie ohne freien Internetzugang fast nicht mehr möglich ist. „Die Gäste erwarten heute zu Recht, dass sie in Innenstadtlagen Internetzugang haben“, sagt Meyer. Wie er haben auch viele andere Betriebe deshalb notgedrungen einen kostenpflichtigen Vertrag mit einem privaten Unternehmen abgeschlossen, das ihnen das Netz zur Verfügung stellt und auch die Haftung übernimmt. „Die Kosten sind allerdings überschaubar und laufen unter der Rubrik ,Service für den Kunden“. Einziger Haken: Die Gäste müssen, bevor sie das Netz nutzen können, den vertraglichen Bestimmungen des Netzbetreibers zustimmen.

Dass es auch anders und kostenlos geht, beweist der Lüneburger Freifunk-Verein. Er hat einen Weg gefunden, wie er die Störerhaftung umgeht, und der führt über Schweden. „Bei unserem Freifunk-Netz senden wir die Daten verschlüsselt nach Schweden, dort gibt es keine Störerhaftung“, sagt Armin Wiezer. 115 fest eingetragene Zugangspunkte gebe es bereits in Lüneburg und Umgebung, erst in der vergangenen Woche wurde in der Geschäftsstelle der Lüneburger Grünen an der Neuen Sülze ein weiterer Zugangspunktrouter des Vereins eingerichtet. „Ich will, dass freies, kostenloses Internet überall verfügbar ist, und zwar jetzt“, begründete Claudia Schmidt von den Lüneburger Grünen diesen Schritt. Dazu bedurfte es lediglich einen Zugangsrouters, den der Freifunk-Verein für 15 Euro zur Verfügung stellt. „Jeder, der einen Zugangspunkt bei sich einrichtet, kann dabei festlegen, wie viel Prozent seines Netzes er der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will“, erklärt Wiezer. Oft würden schon zehn Prozent völlig ausreichen.

Vorstellbar ist die Freifunk-Nutzung auch für Heiko Meyer: „Ich bin für jede neue Sache aufgeschlossen, sie muss aber rechtlich abgesichert sein.“ Und mit Blick auf die vielen Touristen, die nach Lüneburg kommen und hier nicht nur in Restaurants und Cafés Internetzugang erwarten, fügt er hinzu: ,,Entweder wir finden diesen Weg, dass alle mitmachen, oder es ist die Stadt gefordert.“