Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Die Jugend zieht aus
1967 wurde das Haus der Jugend eröffnet, nun wurde das Gebäude verkauft. Sie müssen raus (v.l.): Friedrich Laatz, Büromitarbeiterin Dagmar Hauschildt, Daniel Schulz, Partizipationsbeauftragter Hubertus Heinrich sowie Jannis Gerling und Björn Adam vom Stadtjugendring. Foto: t&w
1967 wurde das Haus der Jugend eröffnet, nun wurde das Gebäude verkauft. Sie müssen raus (v.l.): Friedrich Laatz, Büromitarbeiterin Dagmar Hauschildt, Daniel Schulz, Partizipationsbeauftragter Hubertus Heinrich sowie Jannis Gerling und Björn Adam vom Stadtjugendring. Foto: t&w

Die Jugend zieht aus

mm Lüneburg. Der Raum ist kahl, Tapeten wurden he­runtergerissen, an einigen Stellen bröckelt der Putz. In dem Werkstattraum im Haus der Jugend an der Katzenstraße wurde länger schon nicht mehr mit Hammer und Nagel gearbeitet oder renoviert. Die gespenstische Stille aus der ehemaligen Jugendwerkstatt hält allmählich Einzug im ganzen Haus. Das Gebäude gehört zum Komplex „Alte Musikschule“, der von der Stadt an die Lübecker Conplan Betriebs- und Projektberatungsgesellschaft mbH verkauft wurde (LZ berichtete). In dem Gebäude sollen Wohngemeinschaften sowie ein Mix aus Cafés, Büros und Ateliers entstehen. Für die Jugend, die hier seit dem Jahr 1967 ein- und ausgehen konnte, ist dann kein Platz mehr.

Ein neues Büro in der Waagestraße werden Stadtjugendring und Stadtjugendpflege beziehen. Der Umzug ist für Anfang nächsten Jahres geplant. Einen Verbleib an der Katzenstraße hätte sich Björn Adam, Erster Vorsitzender des Stadtjugendrings, gewünscht: „Das Haus war für Jugendliche in Lüneburg eine zentrale Anlaufstelle. Jetzt werden sich Vereine und Verbände, die hier beheimatet waren, über die Stadt verstreuen.“ Dem Stadtjugendring, der um die 55 Mitgliedsverbände in Lüneburg zählt, fehlen nach dem Umzug Räume wie der große Saal im ersten Stock des Hauses, wo vor kurzem beispielsweise noch Vertreter aus Arbeitsgemeinschaften zusammenkamen, die sich bei der jüngsten Lüneburger Jugendversammlung gebildet hatten.

Dort war von den Teilnehmern auch der Ruf nach einem zentralen Raum für Austausch, Vernetzung und Jugendarbeit laut geworden. Den gibt es nun nicht mehr. „Das Haus der Jugend konnte nicht weiter existieren, wenn es nicht mit Leben gefüllt ist“, sagt Adam. Nachdem die Stadt signalisiert hatte, das Gebäude verkaufen zu wollen, sei der Aufschrei aus den Mitgliedsverbänden ausgeblieben. „Ein Bedarf an Gemeinschaft ist nicht unbedingt erkennbar“, sagt Björn Adam. Gleichzeitig weiß er: „Alles was über die Verbandsarbeit hinausgeht, ist teilweise schwer zu bewerkstelligen. Oft fehlt auch einfach die Zeit.“ Die Ansässigen im Haus der Jugend müssen sich jetzt nach neuen Räumen umschauen. Dazu gehören die Pfadfinder von Nordlicht und die Funker vom Ortsverband Deutscher Amateur Radio Club. Anfang des Jahres siedelte der Kinderschutzbund an die Soltauer Straße um, das Theaterkollektiv probt neu in der Kulturbäckerei.

Weiter Bestand an der Katzenstraße hat das dem Haus der Jugend angeschlossene Jugendzentrum Stadtmitte allerdings mit weniger Platz. Ein Teil des Veranstaltungssaals muss amputiert werden, da dieser zum veräußerten Gebäudeteil gehört. Es wird eine neue Wand gezogen. Von den drei Stockwerken werden nur noch zwei vom Jugendzentrum belegt. Die Räume im Dachgeschoss gehen über an die Einrichtung Neue Musik Lüneburg. „Das Jugenzentrum hat eine Bestandsgarantie“, sagt Hubertus Heinrich, Partizipationsbeauftragter der Stadt. Sein Büro ist noch im Haus der Jugend untergebracht. Er erinnert sich an die Kulturwoche, die in 1980ern einmal im Jahr ihren festen Platz im Innenhof hatte: „Eine Woche lang wurde dann Lüneburg gerockt mit Tausenden von Teilnehmern“, sagt Heinrich. Einige von ihnen habe er nun unter den Gebäudeinteressenten wiedererkannt.

Der Abschied vom Haus der Jugend ist auch Thema bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Stadtjugendrings Lüneburg am morgigen Mittwoch, 22. Oktober, um 19 Uhr an der Katzenstraße 1. Interessierte sind eingeladen, eigene Plakate, Banner oder Ähnliches mit Anekdoten, Geschichten und Erinnerungen an das Haus der Jugend mitzubringen. Die sollen in die Fenster an der Katzenstraße gehängt werden und an die jugendliche Vergangenheit erinnern.