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Etwas wackelig stehen (v.l.) Heidrun Fedrowitz, Christa Maeder und Eckhard Fedrowitz auf der Hängebrücke, die von ihren Nachfolgern auf dem Aktivspielplatz über den Goldbeek-Bach gespannt wurde. Foto: t&w
Etwas wackelig stehen (v.l.) Heidrun Fedrowitz, Christa Maeder und Eckhard Fedrowitz auf der Hängebrücke, die von ihren Nachfolgern auf dem Aktivspielplatz über den Goldbeek-Bach gespannt wurde. Foto: t&w

Mit Muskelkraft ein Paradies gezaubert

mm Lüneburg. Christa Maeder ist in diesem Jahr Urgroßmutter geworden. Zum Aktivspielplatz an der Theodor-Heuss-Straße in Kaltenmoor kommt die 78-Jährige mit dem Fahrrad. Es regnet, der Boden ist durchgematscht, glitschiges Laub verteilt sich übers Grundstück. Doch Christa Maeder ist bester Laune, freut sich, den Spielplatz zusammen mit der LZ wieder mal anschauen zu können. Vor 40 Jahren hat sie den „Aki“ mit anderen Eltern, die in der Aktionsgemeinschaft Kaltenmoor den Arbeitskreis „Guter Spielplatz“ bildeten, aus der Taufe gehoben. Holzhütten, Feuerstelle oder Werkstatt alles wurde selbst gebaut. Von Eltern und Kindern.

Grundstückswächter Jörg Mieth öffnet das Tor zum „Aki“. Auch Heidrun und Eckhard Fedrowitz sind gekommen. Die Eheleute aus Adendorf wohnten bis zum Jahr 1990 in Kaltenmoor und gehörten vor 40 Jahren zum Arbeitskreis „Guter Spielplatz“. Beim Betreten des 6500 Quadratmeter großen Areals geraten sie ins Staunen. Genau wie Christa Maeder. „Ich bin tief beeindruckt“, entfährt es ihr. Beeindruckt ist sie von dem Spielhaus aus rotem Backstein, das 2001 gebaut wurde. Es ist der Hort für die Kinder auf dem Spielplatz. Früher war das ein Container. „Es gab hier nicht mal eine Toilette“, erinnert sich Christa Maeder. Aber schon die selbst gebaute Werkstatt. Die steht noch heute, sie gehört zum Haus. Kinder können sich hier Werkzeug ausleihen.

Hämmern und Sägen, selber Hütten bauen, Feuer machen, „all das, was Kinder auf anderen Spielplätzen nicht durften, haben wir versucht, hier umzusetzen“, sagt Christa Maeder. Es sei oft ein Balanceakt zwischen Freiraum und Regeln setzen gewesen, erklärt Eckhard Fedrowitz. Der Freiraum war größer. So kam es vor, dass Kindern beim Kokeln schon mal eine Hütte abbrannte. „Dann haben wir sie eben wieder aufgebaut.“ Heute sind die Vorschriften strenger. „Es darf nur an der Feuerstelle gezündelt werden“, erklärt Jörg Mieth. Der Sozialpädagoge ist zusammen mit seiner Kollegin Kirsa Weidemann für die Nachmittagsbetreuung zuständig. Häufig säßen sie am Lagerfeuer. In der kälteren Jahreszeit werden oft auch Kekse gebacken, Wachs gegossen oder Iglus und Schneemänner gebaut. Doch natürlich darf auch am Bächlein Goldbeek gespielt, geschaukelt oder im Boden gewühlt werden.

„Manche Leute meinen, der Spielplatz sei alt und dreckig. Genau die haben das Prinzip nicht verstanden. Es sah hier immer schon so aus“, sagt Christa Maeder. Ihr würde es nicht gefallen, wenn „alles geleckt wäre“. Denn: „Wo sollte dann gespielt werden?“ Genau diese Philosophie vertraten die Eltern auch vor 40 Jahren. „Wir waren der Meinung, die herkömmlichen Spielplätze mit vorgefertigten Geräten in Kaltenmoor reichten nicht zum Spielen, gerade für ältere Kinder.“ Also machten sich die Eltern ans Werk. „Das Holz zum Verbauen haben wir im Wald selbst geschlagen.“ Ein zäher Kampf seien die Grundstücksverhandlungen mit der Stadt gewesen. Dann, 1974, wurde ein Nutzungsvertrag unterzeichnet und der Verein Aktivspielplatz gegründet. Zunächst sorgte die Stadt für einen Personalkostenzuschuss, der wurde jedoch nach zehn Jahren gekürzt. Dem Verein ging das Geld aus. Die Stadt übernahm 1985 den Platz. Kinder kommen noch heute, aber es sind weniger geworden. Christa Maeder hofft, dass zum Jubiläumsfest viele kommen, „so wie früher“.

 

Feier am Freitag
Die große Geburtstagssause steigt am Freitag, 24. Oktober, von 14 bis 17 Uhr auf dem Aktivspielplatz an der Theodor-Heuss-Straße. Oberbürgermeister Ulrich Mädge wird ein Grußwort sprechen. Daneben sind weitere Erinnerungen und Reden von Gründungsmitgliedern zu hören sowie Gitarrenmusik am Lagerfeuer. Die jüngeren Gäste sind herzlich eingeladen zum Spielen, Toben und Suppe kochen, zu Lagerfeuer und Stockbrot, zum Bogenschießen und Natur erforschen. Auch die Pfadfindergruppe Royal Rangers und das Team des Kindercafés im Jugendzentrum wirken mit.

Aktuell betreuen zwei städtische Sozialpädagogen die Angebote auf dem Aktivspielplatz in Kaltenmoor. Zielgruppe sind Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Der Spielplatz ist für offenes Spielen in der Regel montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Daneben gibt es Angebote für angemeldete Gruppen. Telefonisch ist das Spielplatz-Team zu erreichen unter Tel. 52255. sp