Mittwoch , 28. September 2016
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Sie lassen sich bei der Arbeit nicht vom Regen stören (v. l.): Kerim Fidaoui, Lehrer Hauke Rabe, Timo Kaufhold und Leon Moewe bauen im Hof der Christianischule einen Sitzzaun. Foto: t&w
Sie lassen sich bei der Arbeit nicht vom Regen stören (v. l.): Kerim Fidaoui, Lehrer Hauke Rabe, Timo Kaufhold und Leon Moewe bauen im Hof der Christianischule einen Sitzzaun. Foto: t&w

Vom Klassenraum an die Frischluft

jdr Lüneburg. „Hau rein! Drück, drück, drück!“ schallt es über den Innenhof der Christianischule. Wie der Schlagmann auf einem Ruderboot spornt Lehrer Hauke Rabe seine Schüler an, denn fest muss er verschraubt sein, der Holzbalken am neuen Sitzzaun. Statt Mathe, Englisch und Co. steht hier für 28 Mädchen und Jungs des neunten Jahrgangs werkeln und gärtnern auf dem Stundenplan. Von morgens um 8 Uhr bis nachmittags um 15 Uhr bepflanzen sie die Grünflächen an der Neuhauser Straße mit zusätzlichen Bäumen und Sträuchern, bauen am Volleyballfeld und entlang der Hauswand großzüzige Holzgestänge. Als Sitzgelegenheit in den Pausen sind sie gedacht, oder auch als Tribüne bei Volleyball-Matches. „Die Kinder haben sich freiwillig für diese Arbeiten gemeldet“, sagt Lehrerin Susanne Materlik, „die Wahl auf den Innenhof ist dabei ganz bewusst gefallen hier scheint die Sonne im Sommer schön und es ist windgeschützt.“ Gemeinsam mit Hauke Rabe und zwei weiteren Lehrkräften betreut sie das Gartenprojekt, das schon zum vierten Mal seit 2003 an der Christianischule durchgeführt wird. Durch die Förderung vom Bereich Grünplanung der Hansestadt und mit fachlicher Unterstützung des AGL sowie des Landschaftsarchitekten Jörg Jahneke ragen nun rund 390 neue Gewächse aus dem Erdreich.

Am letzten der Sitzgestelle bohrt Schüler Timo Kaufhold mit Hauke Rabe gerade ein neues Loch für die Verschraubung. „Eine feste Aufgabenverteilung gibt es nicht, jeder hat überall mal mit angefasst“, sagt der 14-Jährige. „Das hat auf seine Art alles ordentlich Kraft gekostet.“ Kerim Fidaoui (14) kann das nur bestätigen, er kümmert sich darum, dass man sich an den Kanten der Holzbalken später keine Splitter einfängt. Unerschrocken greift er zur Flex, es rieseln Späne.

Annette Sönksen von der Hansestadt begleitet Aktionen wie diese seit 1993, freut sich über den Spaß und Zusammenhalt der Kinder: „Das Besondere ist nicht nur, dass ihnen der beaufsichtigte Umgang mit Geräten ermöglicht wird, zu denen sie sonst nicht unbedingt Zugriff haben, vielmehr lernen Schüler und Lehrer sich so noch einmal von einer anderen Seite kennen.“ Ihre Begeisterung teilt Schulleiter Harald Vahlbruch: „Die Schüler lernen ihre Talente abseits des Unterrichts kennen und zwar ohne eine bestimmte Rollenverteilung, Mädchen haben genauso zur Bohrmaschine gegriffen wie Jungs.“ Er will, dass das Gartenprojekt eine Fortsetzung findet.