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Das Architektenbüro Henschke, Reimers, Schulze hat im Bauausschuss einen Entwurf der Bauzeichnung des Wiederaufbaus präsentiert. So soll sich das neue Lösecke-Haus ins Stintmarkt-Panorama einfügen. Montage: kleinebrahm
Das Architektenbüro Henschke, Reimers, Schulze hat im Bauausschuss einen Entwurf der Bauzeichnung des Wiederaufbaus präsentiert. So soll sich das neue Lösecke-Haus ins Stintmarkt-Panorama einfügen. Montage: kleinebrahm

Der Schaden ist viel größer

ca Lüneburg. Der Schaden fällt noch viel höher aus, als zunächst befürchtet. Die Polizei hatte ihn nach dem Brand am Stint im vergangenen Dezember vorsichtig auf 3,5 Millionen Euro geschätzt. Doch das reicht kaum, um alleine das ehemalige Lösecke-Haus wieder aufzubauen. Bauleiter Jörg Hilmer beziffert die Baukosten mit mindestens dieser Summe, dazu kämen Ausgaben für Planungen und Genehmigungen sowie Inventar, sodass die Vier-Millionen-Marke vermutlich erreicht oder überschritten wird. Und dazu summieren sich noch die Schäden an Nachbargebäuden durch Löschwasser und Ruß ein weiterer Millionenbetrag.

Besitzer Michael von Hartz freut sich, dass die Stadt eine Baugenehmigung erteilt hat. Das dauerte länger als gedacht, denn es ist ein komplizierter Bau, dazu spielt der Denkmalschutz eine Rolle. Der Grafiker ist optimistisch, dass die Arbeiten im November kommenden Jahres abgeschlossen sein könnten. Er geht davon aus, dass einige seiner alten Mieter wie vereinbart wieder in das Gebäude einziehen. Dazu gehören Huw Hamilton, der im Gewölbekeller den Irish Pub betrieben hat, sowie die Familie De Flaviis, sie bewirtete ihre Gäste in der Trattoria.

Hartz hat mehrere Architekten eingeschaltet, eben auch Jörg Hilmer, der als Bauleiter fungiert. Der erklärt, dass der Wiederaufbau besondere Anforderungen stellt. Denn der Neubau wird deutlich schwerer als das alte Haus, das Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls nach einem Brand entstand. Aufgrund neuer Bautechniken, die statt Holz Beton verwenden und Vorgaben des Brandschutzes werden die Lasten deutlich höher. Die könnten der alte Keller, Wände und Untergrund nicht tragen. Daher setzen Fachleute 65 Bohrpfähle, die 30 Meter in die Tiefe reichen. Da­rauf steht das Haus dann.

Läuft es gut, können die Arbeiten im Dezember beginnen, es könne aber auch Januar werden, sagt Hilmer. Damit ist er beim Thema Wetter. Wie der Architekt hofft auch Auftraggeber Michael von Hartz darauf, dass „Petrus uns wohl gesonnen ist“: Denn ein harter Winter könnte den Bau verzögern.

 

Verheerender Brand am Stintmarkt
Ein Brandstifter hatte das Haus in der Nacht zum 2. Dezember 2013 angesteckt. Die Sonderkommission der Polizei ermittelt weiter, doch noch fehlt ihr der entscheidende Hinweis auf den Täter. Die Ermittler wollen in der zweiten Novemberhälfte einen Teil ihrer Ermittlungsergebnisse vorstellen. Damals hatten Unbekannte an mehreren Stellen Feuer im Lokal Trattoria gelegt. Die Feuerwehr hatte massive Prob­­leme beim Löschen, denn sie kam von der Ilmenauseite nur begrenzt an das Gebäude heran. Um ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude zu verhindern, wurde das Haus abgebrochen.
Im Sommer hatte die Polizei einen 41-Jährigen wegen Beihilfe im Visier, Beamte durchsuchten seine Wohnung und seinen Arbeitsplatz. Das ist pikant: Der Verdächtige ist in einem benachbarten italienischen Restaurant am Stint beschäftigt. Der Mitarbeiter soll den mutmaßlichen Brandstifter, der ein „breites Kreuz“ und auffällige Locken haben soll, in das Haus gelassen haben. Polizei, Versicherung und Stadt Lüneburg haben eine Belohnung von 20000 Euro ausgelobt. Hinweise: Tel. 292215. ca