Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Es duftet so nach Herbst
Hermann Stolberg schnuppert an einem Knebusch. Der leckere Tafelapfel wurde vergangenes Jahr prämiert. Stolberg und seine Vereinsfreunde haben auf die Streuobstwiese eingeladen. Es kamen viele Gäste. Foto: t&w
Hermann Stolberg schnuppert an einem Knebusch. Der leckere Tafelapfel wurde vergangenes Jahr prämiert. Stolberg und seine Vereinsfreunde haben auf die Streuobstwiese eingeladen. Es kamen viele Gäste. Foto: t&w

Es duftet so nach Herbst

ca Lüneburg. Vier Zentner Äpfel hat Carmen Deutschmann mit Freunden geerntet. Gepresst ergibt das 138 Liter „Schildstein Winterapfel“, lecker und süffig. Die ehemalige Gewerkschaftsmitarbeiterin hat verschiedene Sorten wie Altländer Pfannkuchen, Martini und Berlepsch verarbeitet. Alles Bäume, die sich in der Kolonie Schildstein finden lassen. Die Lüneburgerin gehört zu den Mitglieder des Streuobstwiesenvereins, die sich gestern, 26. Oktober, wieder einmal mit einem Tag der offenen Wiese präsentierten. Mancher kam, um zu probieren und sich zu informieren.

Etwa bei Hermann Stolberg, der vier Dutzend verschiedene Sorten auf Tischen vor sich liegen hatte. Darunter auch eine Frucht namens Knebusch. Die war 2013 Apfel des Jahres. Um 1900 soll ein Bauer ihn bei Sittensen entdeckt haben. Entweder ist er ein eigenes Gewächs oder er hat amerikanische Wurzel. So genau weiß man das heute nicht mehr.

Aber er hat laut Vereinsvorsitzendem Dr. Olaf Andersson eine Eigenschaft, die ihn mit anderen Leckerlis verbindet: Die jahrhundertealten Sorten haben sich durchgesetzt und sind etwa gegen Schorfbefall resistent alles ohne Spritzmittel. Und genau das ist ein Anliegen des vor vier Jahren gegründeten Vereins: die Oldies in ihrer Vielfalt erhalten und fördern. Die haben dann so schöne Namen wie Gelber Richard, Graue Herbstrenette oder Roter Brasilien, der ehemals als Braut- und Weihnachtsapfel gereicht wurde.
Manche der alten Köstlichkeiten könnten eine Renaissance erfahren, wünschen sich Andersson und seine rund 70 Mitstreiter im Verein. Etwa der Jakob Lebel. Ein Apfel, den Bäckereien einst gerne für Kuchen verwandt haben.

Für Gartenfreunde hatten die Aktiven einige Tipps parat. Sie geben Empfehlungen, welche Sorten gut hinter das Haus passen oder wie man eine Streuobstwiese anlegt. Dafür sollten hochstämmige Apfelbäume zum Einsatz kommen. Daneben passen auch Kirschen, Pflaumen und Mirabellen. Wobei der Apfel aber quasi der Platzhirsch ist. Andersson nennt den simplen Grund: Andere Früchte ließen sich nicht so lange lagern.

Weil der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, packten auch die beiden Söhne Anderssons mit an: Niels und Lasse zerkleinerten Äpfel und pressten anschließend Saft eine leckere Belohnung.