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Ralf Wegener zieht um: Nach mehr als 80 Jahren an der Bäckerstraße will das Familienunternehmen seinen SItz verlagern. Der Spezialist für Papier- und Bürobedarf verrät noch nicht, wohin es geht. Foto: t&w
Ralf Wegener zieht um: Nach mehr als 80 Jahren an der Bäckerstraße will das Familienunternehmen seinen SItz verlagern. Der Spezialist für Papier- und Bürobedarf verrät noch nicht, wohin es geht. Foto: t&w

Abschied von der Bäckerstraße

ca/mm Lüneburg. Seit 1922 gehört Wegener zum Lüneburger Einzelhandel, seit 1930 sitzt das Familienunternehmen an der Bäckerstraße. Doch der Spezialist für Bürobedarf und Schreibwaren gibt seinen Standort auf. Ralf Wegener, der den Betrieb in der dritten Generation führt, plant für Ende kommenden Jahres seinen Umzug. Und der hat mehrere Gründe. Denn anders als andere Einzelhändler, die in den vergangenen Jahren aufgesteckt haben, will Wegener an einem Geschäft in der Innenstadt festhalten. Bei Wegener dauert es noch ein Jahr, bis er umzieht.
Anders sieht es bei einem anderen Traditionsgeschäft an der Roten Straße aus: Foto-Tegeler schließt Ende des Monats für immer. Chef Ralph Tegeler geht mit 65 Jahren in den Ruhestand, einen Nachfolger hat er für das 1929 gegründete Geschäft nicht gefunden. Der jetzige Chef, der drei Mitarbeiter beschäftigt, hatte den Betrieb 1985 als alleiniger Betreiber übernommen. Tegeler: „Ich werde die Tür abschließen und mich dann leise zurückziehen.“
Zurück zu Wegener an der Bäckerstraße. Wer dort nachfolgt, muss für die Pacht vermutlich tief in die Tasche greifen. Im Internet war eine Anzeige zu sehen, die eine Miete von 18000 Euro im Monat nannte. Über die Summe wird auch in der Lüneburger Geschäftswelt gemunkelt. Doch Wegener betreibt keine Vermieter-Schelte: „Ich zahle diese Summe nicht. Ich wusste, dass mein Vertrag ausläuft, und wir konnten uns nicht über eine Verlängerung einigen.“
Doch es gibt noch andere Überlegungen. Neben dem klassischen Geschäft, dem Verkauf von Karten, Papier und etwa Schreibwaren, hat Wegener in den vergangenen Jahren die Schiene bueroboss.de/wegener aufgebaut. „Wir liefern da alles rund ums Büro.“ Das reicht vom Stift bis zum Schreibtisch. Und es sei schon ein Problem, wenn Lieferanten mit schweren und breiten Lastern die Seiteneinfahrt an der Zollstraße ansteuern. Daher will Wegener mit diesem Part in ein Gewerbegebiet umziehen.
Gleichzeitig möchte er weiterhin mitten in der Stadt vertreten sein: „Aber ein Geschäft wie in der jetzigen Lage werde ich kaum realisieren können.“ Dafür seien die Pachten einfach zu hoch. Und auch am Angebot müsse er noch feilen. Denn anders als vor Jahren, sei zum Beispiel ein Montblanc-Kalender nicht mehr so gefragt: „Heute ziehen die Leute das neueste Smartphone aus der Tasche, um einen Termin einzutragen.“
Die Entwicklung hat schon sein Vater Rolf Wegener mitgemacht: Damals ersetzten Kopierer und Computer Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparate. Seine alte Sammlung der Büromaschinen hat der Senior dem Salzmuseum überlassen. Er ist neue Wege gegangen, so wie es jetzt sein Sohn plant.