Mittwoch , 28. September 2016
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Aufgrund der Senkungsbewegungen ist die Frommestraße in einigen Bereichen tief abgesackt. Foto: be
Aufgrund der Senkungsbewegungen ist die Frommestraße in einigen Bereichen tief abgesackt. Foto: be

Die Talfahrt hat abgenommen

as Lüneburg. Die Frommestraße ist aufgrund der massiven Senkungsrate seit mehr als einem Jahr für die Durchfahrt gesperrt, der Bereich vom Haus Nummer 5 bis zur Ecke Bastionstraße mit einem Zaun gesichert. Wer in die Straße blickt, sieht förmlich, wie es abwärts geht. Stadtbaurätin Heike Gundermann informierte nun im Bauausschuss zum Senkungsgeschehen, das die Stadt mit dem Geologen Thorsten Trapp ständig im Blick habe.

In den vergangenen Jahren seien zusätzliche Messpunkte in dem Gebiet zwischen Frommestraße, Bastionstraße und Hindenburgstraße installiert worden, um die Bewegungen noch detaillierter dokumentieren zu können, erläuterte Heike Gundermann. Der Messpunkt im Zentrum, rechts neben dem Tor zur Unterwelt, wurde 2010 gesetzt. Seitdem sei dort eine Senkung von insgesamt 73 Zentimetern zu verzeichnen. „Im Zeitraum vom 13. Dezember 2012 bis zum 12. Dezember 2013 gab der Boden um 21 Zentimeter nach“, erläuterte Gundermann. Die Messpunkte im direkten Umfeld ergaben eine Senkungsrate von 16 bis 19 Zentimetern. Ein alter Mess­punkt, der am Rand des Zen-trums in Höhe der ehemaligen Häuser 4 und 5 gesetzt ist, verzeichnet seit 1953 eine Senkung von 2,17 Metern allein seit 2009 waren es 54 Zentimeter.

Die gute Nachricht: Fürs laufende Jahre wurden am Messpunkt im Zentrum in den ersten acht Monaten 9 Zentimeter Abwärtsentwicklung ermittelt. „Da in den feuchten Herbst- und Wintermonaten aber von einer Zunahme der Senkungsgeschwindigkeit auszugehen ist, gehen wir davon aus, dass der Boden hier in diesem Jahr um insgesamt 10 bis 15 Zentimeter nachgeben wird.“ Prognosen ließen sich aber nicht stellen. Nur so viel: Wenn die Senkung in dem Bereich erheblich und kontinuierlich abnehme und sich über einige Jahre stabil auf niedrigem Niveau einstellt, werde die Stadt eine Strategie für die Frommestraße entwickeln, sagte Heike Gundermann.

Andreas Meihsies (Grüne) hakte nach: „Eine Baugenehmigung in dem Bereich Frommestraße ist also zurzeit indiskutabel?“ Die Stadtbaurätin antwortete: „Hier warten wir ab, wie sich die Senkung weiter entwickelt.“ Sie nahm auch Stellung zur Frage von Meih-sies, ob die Abrissgenehmigung der Häuser 4 und 5 zu Recht erteilt worden sei. Wie berichtet, hatten Gutachten ergeben, dass die beiden Gebäude aufgrund der Senkungsproblematik akut einsturzgefährdet waren. Bewohner und Bürgerinitiativen hatten das immer wieder bezweifelt, letztlich hatte die Stadt aber die Abrissgenehmigung erteilt, weil die Häuser nicht mehr standsicher gewesen seien. Im Jahr 2012 wurden die Häuser unter Polizeieinsatz geräumt, danach folgte der Abbruch. Heike Gundermann sagte mit Blick auf die Messergebnisse: „Die Häuser nicht halten zu können, ist mir schwergefallen. Wenn es einen Weg gegeben hätte, sie zu retten, hätte ich mich dafür starkgemacht.“

Rainer Petroll (Linke) bemängelte die von Unkraut überwucherten Schuttberge, sie seien kein schöner Anblick. Stadtführer würden den Bereich inzwischen meiden, habe er festgestellt. Er wollte wissen, ob dort nicht etwas geschehen könne. Die Stadtbaurätin erläuterte, dass der Schutt der abgebrochenen Gebäude in die Keller als Auflast verfüllt worden sei, um ein Senkungsverhalten auf andere Häuser zu verhindern. Der Eigentümer der Grundstücke habe wenig Inte­resse daran, dort etwas zu tun, wenn er die Grundstücke nicht nutzen könne. Der Zaun soll weiter stehen bleiben, dazu soll eine Tafel kommen mit Informationen über das Senkungsgeschehen in der Frommestraße.