Mittwoch , 28. September 2016
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Wider das Vergessen: Vom 6. bis 21. November wird in der Lüneburger St. Nicolai-Kirche die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" gezeigt. Foto: A./be
Wider das Vergessen: Vom 6. bis 21. November wird in der Lüneburger St. Nicolai-Kirche die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" gezeigt. Foto: A./be

Gegen Gewalt von Rechts

ca Lüneburg. Wie viele Menschen wurden seit 1990 Opfer tödlicher Gewalt in Deutschland? 60 wie es die Kriminalstatistik ausweist oder 184, wie Opferverbände meinen? Eine Ausstellung und eine Veranstaltungsreihe , die DGB und das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts am 5. November, 17.30 Uhr in Zusammenarbeit mit der Nicolai-Gemeinde in der Schifferkirche eröffnen, will 169 „Opfern rechter Gewalt“ ein Gesicht geben: Denjenigen, die starben, weil sie eine andere Hautfarbe hatten, denen, die Mut zeigten und anderen zu Hilfe kamen.

Es waren eben nicht nur ein paar Terroristen, die unter dem bombastischen Namen Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) mordend durchs Land zogen, sondern es sind auch Neonazis am Werk, die Obdachlose als vermeintlich Wertlose zusammentreten, es sind Skinheads gewesen, die Brandsätze etwa auf ein Wohnhaus in Mölln geschleudert haben: Am 23. November 1992 legten zwei Männer einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan, drei Menschen starben, neun wurden schwer verletzt.

Ibrahim Arslan hat den Brandanschlag von Mölln überlebt. Er kommt zur Veranstaltungsreihe nach Lüneburg. Foto: ca
Ibrahim Arslan hat den Brandanschlag von Mölln überlebt. Er kommt zur Veranstaltungsreihe nach Lüneburg. Foto: ca

Die Tat von Mölln ist thematisch Teil der Veranstaltungsreihe. Am Donnerstag, 6. November, geht es von 19 Uhr an im Glockenhaus um die „Möllner Rede im Exil“. Der Hintergrund: Die Hinterbliebenen fanden sich bei Gedenkveranstaltungen der Stadt Mölln nicht wieder. Sie wollten ihre Position zum „gesellschaftlichen Rassismus“ darstellen. Weil aus ihrer Sicht keine Lösung mit der Stadt möglich war, hielten sie ihre Rede im vergangenen Jahr im erstmals Hamburger Rathaus, nun soll Lüneburg zum Forum werden.
Am Donnerstag, 13. November, spricht Katharina König über „NSU: Rechter Terror und das Versagen des Staates“. Die Abgeordnete des thüringischen Landtages saß für die Linke im NSU-Untersuchungsausschuss. Beginn ist um 19 Uhr in der VHS an der Haagestraße.

Mölln und die Folgen sind noch einmal Thema der Reihe. Am Freitag, 14. November, beginnt um 19 Uhr der Dokumentarfilm „Nach dem Brand“ in der Scala an der Apothekenstraße. Die Regisseurin Malou Berlin hat die Familie Arslan vier Jahre begleitet und zeigt, wie sehr das Geschehen sie auch lange Jahre nach dem tödlichen Feuer trifft und ihren Alltag bestimmt. An diesem Tag ist Ibrahim Arslan im Kino zu Gast, der den Anschlag damals überlebt hat.

Zudem gibt es zum Gedenken an die Reichs­pogromnacht 1938 damals zündeten Nationalsozialisten Synagogen an und zerstörten jüdische Geschäfte zwei Veranstaltungen in der Kirche. Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst „Unser Kreuz hat keine Haken“, um 18 Uhr eine Gedenkfeier.

Dr. Matthias Richter-Steinke und Miriam Seedorf vom lokalen DGB sowie Olaf Meyer vom Netzwerk haben die Veranstaltungsreihe vorbereitet und die mit Bundesmitteln geförderte Wanderausstellung nach Lüneburg geholt. Sie machen auch darauf aufmerksam, dass es auch in der Region Übergriffe gab. Unter anderem in Eschede bei Celle. 1999 quälten zwei junge Männer den Obdachlosen Peter Deutschmann zu Tode, der sie aufgefordert hatte, „den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe“ zu lassen.

Durch die Ausstellung, die bis 21. November von 10 bis 18 Uhr in der Kirche mit Ausnahme der Gottesdienstzeiten geöffnet ist, werden Führungen angeboten. Die Initiatoren hoffen, dass sich auch Klassen anmelden. Kontakt zum DGB unter Tel.: 04131/22 33 96 0 oder E-Mail: ausstellung@gmx.de.

 

Veranstaltungen

  • 05.11. +++  St. Nicolai-Kirche, 17.30 Uhr, Eröffnungsveranstaltung
  • 06.11. +++ Glockenhaus, 19 Uhr, „Möllner Rede im Exil“: Eine kritische Bestandsaufnahme zum gesellschaftlichen Rassimus, und Neofaschismus in Gedenken an den Brandanschlag von Mölln am 23.11.1992
  • 09.11. +++  St. Nicolai-Kirche, 10 Uhr, Gottesdienst „Unser Kreuz hat keine Haken“
  • 09.11. +++ St. Nicolai-Kirche, 18 Uhr, Gedenkfeier zum 09.11. 1938
  • 13.11. +++ VHS (Haagestraße), 19 Uhr, Veranstaltung mit Katharina König (MdL) „NSU: Rechter Terror und das Versagen des Staates“
  • 14.11. +++ Scala Programmkino, 19 Uhr, „Nach dem Brand“, Dokumentarfilm mit Gästen