Mittwoch , 28. September 2016
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Den oberirdischen Solebehälter möchte das Salzmuseum für Besucher begehbar machen. Dafür sollen im Erdgeschoss Bohlentüren entstehen. Das sieht die Bauverwaltung aus Denkmalschutzgründen kritisch. Foto: sp
Den oberirdischen Solebehälter möchte das Salzmuseum für Besucher begehbar machen. Dafür sollen im Erdgeschoss Bohlentüren entstehen. Das sieht die Bauverwaltung aus Denkmalschutzgründen kritisch. Foto: sp

Eingriff schädigt Denkmalwert

as Lüneburg. Das Salzmuseum zieht jährlich zigtausend Besucher mit seinen Ausstellungen rund ums Weiße Gold. Um den Besuchern einen noch tieferen Einblick in die salzige Geschichte der Stadt zu geben, möchte der Leiter des Museums, Dr. Christian Lamschus, nun einen oberirdischen Solebehälter auf dem Gelände auf zwei Geschossebenen begehbar machen, um die Funktionsweise samt Aufbau zu veranschaulichen. Dafür hat er bei der Stadt eine Nutzungsänderung beantragt. Doch die sieht das Projekt nach Rücksprache mit der Oberen Denkmalbehörde kritisch. Denn die dafür notwendigen Veränderungen an dem Solebehälter seien nicht „kompatibel mit dem Denkmalschutz“, sagte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss.

Auf dem Gelände zwischen Salzmuseum und Eselstall gibt es einen unterirdischen Solebehälter, der nach einem Brand zum Teil zerstört und danach umgebaut und mit einem Glasdach versehen wurde. Vis-à-vis befindet sich auf einem Wallrest der Saline ein oberirdischer Solebehälter, datiert aus dem Jahr 1802. In den drei Solekammern im Erdgeschoss wurde einst überschüssige, flüssige Sole gelagert. Den Zugang von einer Seite hat der Solebehälter im Obergeschoss. Um ihn für Besucher begehbar zu machen, sollen nun im Erdgeschoss Bohlentüren eingebaut werden, erläuterte die Stadtbaurätin zum Bauantrag. Der untere Bereich soll dann als Ausstellungsraum für Info-Material genutzt werden. „Das Obergeschoss verfügt über einen Galeriegang, der auch den Besuchern zugänglich gemacht werden soll.“ Sie sollen von dort auf den unteren Teil, sprich die Solekammern, blicken können und dann über eine neue verzinkte Stahltreppe an der gegenüberliegenden Giebelseite das Gebäude wieder verlassen.

Über den Galeriegang im Obergeschoss sollen die Besucher wandeln können. Zum Abstieg soll der Solebehälter eine weitere Treppe bekommen. Foto: sp
Über den Galeriegang im Obergeschoss sollen die Besucher wandeln können. Zum Abstieg soll der Solebehälter eine weitere Treppe bekommen. Foto: sp

Im Zuge des Bauantrags hatte die Stadt dann das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Lüneburg, beteiligt. Nach einem gemeinsamen Ortstermin kam Oberkonservator Dr. Klaus Püttmann zu folgendem Ergebnis: Der unterirdische Solebehälter habe nach dem Umbau bereits seine Aussagekraft verloren. Durch die Glaskuppel hätten die Besucher aber einen Einblick. Der oberirdische Solebehälter sei somit das einzig unversehrte Exemplar in Lüneburg, zitierte die Stadtbaurätin aus der Stellungnahme Püttmanns. Die Öffnung im vorderen Giebeldreieck sei der einzige Zugang des Gebäudes, darüber hinaus seien keine weiteren Zugänge für die Funktion als Lagerbehälter von Sole notwendig gewesen. „Insofern kommt Dr. Püttmann zu dem Schluss, dass das charakterisierende Merkmal eines Behälters die Geschlossenheit ist. Er bewertet daher den Eingriff im Erdgeschoss als Teil-Zerstörung, die den Denkmalwert maßgeblich beeinträchtigt“, erklärte Gundermann. Hinsichtlich der zweiten Treppe kommt Dr. Püttmann zu dem Ergebnis, dass diese durchaus möglich sei, damit Besucher über die Galerie durch den Solebehälter gehen können. Eine Zinktreppe passe jedoch nicht zum Baudenkmal, eine Holztreppe sei denkbar.

Gundermann machte deutlich: „Wir können uns nicht vorstellen, dass mit der Öffnung im Erdgeschoss der Denkmalwert nicht beeinträchtigt wird.“ Ein solcher Eingriff, wie ihn das Salzmuseum wünsche, sei auch für den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt nicht akzeptabel. Gleichwohl könne man darüber reden, dass das Obergeschoss zwei Ein-/Ausgänge bekomme. Allerdings habe man sich bisher nicht mit dem Bauherrn und dessen Planer über eine Alternativlösung einigen können.

Eberhard Manzke (CDU) wollte von Dr. Lamschus wissen: „Warum sollen die Besucher auch unten durchlaufen können?“ Der erklärte: „Wir möchten gerne umfangreich über die Funktion des Solebehälters und den Wallrest informieren.“ Im oberen Bereich gebe es dafür zu wenig Platz. Zudem gebe es Salzmineralien an den Kammern, die man unter Plexiglas bringen möchte. Ulrich Löb (Grüne) sprach sich für ein Gesamtkonzept aus, das die Gebäudesubstanz, Nutzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten in den Blick nehme. Sein Fraktionskollege Andreas Meihsies meinte, eine Art Schiedsrichter könne die Politik in dieser Sache zu diesem Zeitpunkt nicht spielen. Bauverwaltung und Salzmuseum sollen weitere Gespräche führen, so der Tenor der Politik.