Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Ebola: Lüneburger Mediziner warnen vor Panikmache +++ Klinikum dennoch gewappnet
Mediziner sehen aktuell keine Gefahr für die Lüneburger Region . Das städtische Klinikum bereitet sich dennoch vor. Foto: A./nh
Mediziner sehen aktuell keine Gefahr für die Lüneburger Region . Das städtische Klinikum bereitet sich dennoch vor. Foto: A./nh

Ebola: Lüneburger Mediziner warnen vor Panikmache +++ Klinikum dennoch gewappnet

as Lüneburg. Seit Beginn der Ebola-Epidemie hat die Weltgesundheitsorganisation inzwischen mehr als 10 000 Fälle in Westafrika registriert, die Todesrate liegt bei rund 50 Prozent. Mit Blick auf Fälle außerhalb Afrikas hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe allerdings jüngst erklärt, er sehe keine große Gefahr für Deutschland. Auch Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt hat zu einer Anfrage im Landtag deutlich gemacht: Das Risiko, dass Reisende die Krankheit nach Deutschland oder Europa bringen, sei gering. Doch auf Verdachtsfälle und die Behandlung von erkrankten Personen sei Deutschland umfassend vorbereitet. Wie bewerten das Lüneburger Experten und wie ist die Region für den Fall der Fälle aufgestellt?

Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes in Lüneburg. Foto: A./t&w
Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes in Lüneburg. Foto: A./t&w

Auf der Internetseite des Landkreises Lüneburg  sind inzwischen Informationen rund um das Thema Ebola-Fieber eingestellt. Zu lesen ist dort auch: „Das Gesundheitsamt geht nicht davon aus, dass in unserer Region Ebola-Fälle auftreten.“ Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes, erläutert dazu: „Auf der ganzen Welt gibt es nur Infektionen bei Personen, die schwer erkrankte Ebola-Fälle gepflegt oder behandelt haben. Um Ebola zu bekommen, muss man direkten Kontakt zu Blut, Stuhl oder Erbrochenem von Erkrankten haben, da hier die Viruskonzentration groß ist. Ebola kann nicht durch die Luft oder Wasser weitergetragen werden.“ Infektionsträger müssten Menschen sein, die in den letzten 21 Tagen in Westafrika waren „und – ich betone – an Ebola erkrankte Menschen gepflegt oder behandelt haben“. Nach Kenntnis des Gesundheitsamtes gebe es derzeit aber keine Pflegekräfte und Ärzte in der Region Lüneburg, „die aktuell in Westafrika eingesetzt waren“, sagt Dr. Wunderlich.

Prof. Dr. Christian Weiß, Hygienebeauftragter Arzt am Lüneburger Klinikum. Foto. A./t&w
Prof. Dr. Christian Weiß, Hygienebeauftragter Arzt am Lüneburger Klinikum. Foto. A./t&w

Die Leiterin des Gesundheitsamtes wie auch Prof. Dr. Christian Weiß, Hygienebeauftragter Arzt am Lüneburger Klinikum, warnen deshalb vor Panikmache, die die Bürger verunsichert. In den vergangenen Wochen haben die Leiterin des Gesundheitsamtes und Vertreter des Klinikums jedoch mehrfach konferiert, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Die beiden Mediziner schildern folgendes Szenarium: Wenn es zu einem Verdachtsfall kommt, fragt die Rettungsleitstelle vorweg ab, ob die erkrankte Person in den letzten 21 Tagen in Westafrika war und dort Ebola-Erkrankte gepflegt hat. „Wenn das der Fall ist, wird die krankheitsverdächtige Person nach Hamburg in die Bernhard-Nocht-Klinik für Tropenmedizin (BZHI) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gebracht“, schildern Dr. Wunderlich und Prof. Dr. Weiß. Das BZHI ist eines von zehn Zentren in Deutschland, die spezialisiert sind auf die Versorgung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten bei strikter Isolierung der Erkrankten.

Sollte im BZHI für die Unterbringung akut kein Platz sein, kommt der Patient ins Lüneburger Klinikum. Prof. Dr. Weiß: „Wir haben einen Bereich für Isolation festgelegt und vorbereitet. Außerdem wurden Ärzte und Pflegepersonal geschult beim An- und Ausziehen der Schutzkleidung.“ Dem krankheitsverdächtigen Patienten wird dann Blut abgenommen, das mit einem Spezialtransport ins BZHI zur Analyse gebracht wird. „Bei einem negativen Ergebnis muss ein zweiter Test gemacht werden, sodass der Patient maximal 72 Stunden im Klinikum bleiben muss.“ Kommt es zu einem positiven Testergebnis, wird der Patient ins BZHI gebracht.

Dr. Marion Wunderlich erklärt darüber hinaus: „Ein gesunder Mensch, der engen Kontakt zu einem Verdachtsfall hatte, wird nicht sofort isoliert, muss aber engen Kontakt zum Gesundheitsamt halten und täglich Fieber messen. Erst wenn sich der Ebola-Verdacht bestätigt hat, wird die Kontaktperson unter Quarantäne gestellt. Tritt bei der Kontaktperson Fieber auf, obwohl das Testergebnis beim Verdachtsfall noch nicht vorliegt, wird ebenfalls eine Quarantäne ausgesprochen.“

Bereit für Einsatz in Afrika
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen stieß mit ihrem Aufruf an die Truppe, sich freiwillig zu melden für einen möglichen Ebola-Einsatz, in Lüneburg auf fruchtbaren Boden: ,,Es haben sich Dutzende Soldaten aus dem Bataillon gemeldet“, bestätigt Tim Grünewald, Kommandeur der Aufklärer. Wie viele der Soldaten tatsächlich gebraucht werden und in den Einsatz gehen, steht nach den Worten des Kommandeurs aber noch nicht fest.