Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Gegen die Kündigung der Post erhob eine 41-jährige Zustellerin Klage - mit Aussicht auf Erfolg. Foto: A/t&w
Gegen die Kündigung der Post erhob eine 41-jährige Zustellerin Klage - mit Aussicht auf Erfolg. Foto: A/t&w

Zustellerin kämpft um ihren Job

rast Lüneburg. Drei Jahre lang ließ sie sich von der Deutschen Post in Lüneburg ausbilden, arbeitete danach zehn Jahre lang bis 2003 für das Unternehmen. Nachdem sie ihre beiden Kinder großgezogen hatte, stieg die Zustellerin 2011 als Springerin mit immer wieder neuen befristeten Arbeitsverträgen erneut ein. Als die heute 41-Jährige im Juni 2014 einen Muskelfaserriss erlitt, stellte sie ihrem Arbeitgeber eine Krankschreibung über fünf Wochen zu postwendend gabs die Kündigung ihres befristeten Vertrages. Es folgte das nächste Schreiben der Frau, adressiert ans Arbeitsgericht Lüneburg: die Klage gegen die Kündigung. Gestern trafen sich die 41-Jährige samt ihrem Anwalt mit dem Rechtsanwalt der Deutschen Post in Sitzungssaal 1 vor der 5. Kammer. Eine Güteverhandlung, nach der die Zustellerin auf einen neuen Vertrag hoffen kann.

„Sie hat bei der Post gelernt, immer prima Beurteilungen gekriegt, und sie war in den vergangenen Jahren nur dieses eine Mal krank“, erzählte ihr Anwalt der Richterin und mutmaßte den eigentlichen Grund für die Kündigung: „Stellt die Post neue Kräfte befristet ein, sind diese billiger.“ Das wollte der gegnerische Anwalt nicht auf der Post sitzen lassen: „Wir sind ein seriöses Unternehmen, zahlen 10,48 Euro die Stunde.“ Da das Unternehmen räumlich und personell flexibel sein müsse, würden auch Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverhältnissen engagiert. Die Zahl der Post-Mitarbeiter mit befristeten Verträgen gab er bundesweit mit etwas mehr als 15 Prozent an.

Die 41-Jährige allerdings stimmte in den Tenor ihres Anwalts mit den billigeren Arbeitskräften ein: „Nach meiner Kündigung wurden zwei neue Leute eingestellt, ein dritter Zusteller soll auch noch kommen.“

Die Arbeitsverträge beinhalteten laut dem Post-Anwalt bei der Zustellerin immer die Gründe für die Befristung: Es wurden darin die Namen der Mitarbeiter aufgeführt, die sie in deren Urlaub oder in einem Krankheitsfall vertreten soll. Unter ihnen war auch ein Langzeiterkrankter, der laut der Klägerin zwischenzeitlich wieder kurz arbeitete, aber nun wieder krankgeschrieben ist. Und genau in dieser Zuordnung zu bestimmten Personen liegt der angreifbare Punkt laut ihrem Anwalt: Zuletzt wurde die Zustellerin von Bleckede nach Deutsch Evern abgeordnet in einen Bezirk, den keiner der in den Verträgen aufgelisteten Zusteller bedient.

Das sah auch die Richterin so: „Dass keiner von den zu Vertretenden in Deutsch Evern arbeitet, ist ein Indiz dafür, dass die Befristung nicht gerechtfertigt ist.“ Den Postler fragte sie: „Sehen Sie denn keine Möglichkeit, die Klägerin dauerhaft weiterzubeschäftigen? Sie stellen doch dauernd neue Kräfte ein. Außerdem ist bald Weihnachten“, dann habe die Post eh viel zu tun. Eine dauerhafte Anstellung lehnte der Post-Vertreter ab. Die Richterin dachte laut nach, wies denn mit einem neuen befristeten Vertrag über ein Jahr oder einer Abfindung als Alternative wäre. Der Postler grübelte, schlug einen Vertrag über sechs Monate vor. Und auch die Zustellerin sagte klar: „Ein halbes Jahr ist mir lieber als eine Abfindung.“ Der Anwalt der Deutschen Post AG schlug allerdings nicht gleich ein. Nun sollen sich die Parteien laut Richterin außergerichtlich einigen. Geschieht dies nicht, treffen sie sich erneut vor Gericht. Und dann wäre laut Richterin aufgrund „der Problematik der Zuordnungsvertretung ein deutliches Risiko für die Post drin“.

Der Anwalt der Post hatte übrigens einen guten Grund, warum er dem Vergleich nicht gleich zustimmte: „Ich bin nur die Urlaubsvertretung.“

One comment

  1. Tja das ist ja leider nichts neues! Dazu kommt noch, das die Post ihre Arbeitnehmer ausnimmt, indem Stunden nicht bezahlt werden. Schrecklicher Arbeitgeber! Ich habe Mitleid mit den Angestellten!