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Versandhändler Stefan Deerberg verlängert Verträge für befristet angestellte Mitarbeiter nicht. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr von 430 auf rund 530 Beschäftigte gewachsen. Nicht alle Neuen können bleiben. Foto: A./nh
Versandhändler Stefan Deerberg verlängert Verträge für befristet angestellte Mitarbeiter nicht. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr von 430 auf rund 530 Beschäftigte gewachsen. Nicht alle Neuen können bleiben. Foto: A./nh

Sanktionen treffen Deerberg

ca Lüneburg. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland aufgrund des Ukraine-Konflikts wirken sich auch auf den Versandhändler Deerberg aus. Die Verträge einiger Mitarbeiter des Unternehmens, das Bekleidung und Schuhe vertreibt, werden daher nicht verlängert. Es trifft mehrere Dutzend Beschäftigte, die auf Zeit oder zur Probe eingestellt wurden. Das bestätigen Geschäftsführer Stefan Deerberg und der Betriebsrat. Dessen Vorsitzende Gertrud Brunotte-Schütte ergänzt allerdings, dass es auch einige betriebsbedingte Kündigungen gebe: „Unter zehn.“

Die Gerüchteküche brodelt, in anonymen Schreiben an die LZ ist von wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Betriebes mit Sitz in Velgen und Lüneburg die Rede. Dem widersprechen Deerberg und die Betriebsrätin. Morgen, 5. November, soll die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung über den Stand der Dinge informiert werden.

Deerberg erklärt die Lage so: In der Planung sei die Geschäftsführung für 2014 von einem Wachstum im zweistelligen Bereich ausgegangen. In den Vorjahren habe es Zuwächse von 20 bis 30 Prozent gegeben. Doch wie die gesamte Branche habe auch Deerberg mit der allgemeinen Lage zu kämpfen. Während viele Textilanbieter aber ein Minus hinnehmen mussten, falle das Plus in Velgen nur geringer aus, nämlich im einstelligen Prozentbereich. Trotzdem müsse man reagieren. Für die aktuellen Entwicklungen seien sinkende Ausfuhrzahlen nach Russland sowie das milde Wetter mitverantwortlich: „Wer kauft jetzt schon warme Winterkleidung?“

Der Trend habe Konsequenzen für die Logistik und das Call-Center, Sparten, die im Lüneburger Hafen sitzen. Am Stammsitz Velgen gebe es keine Probleme, sagt Deerberg. Zudem wachse die Firma weiter. Zu Filialen in Hannover, Münster und seit kurzem in Oldenburg kommen Standorte in Köln und Nürnberg.

Das ist auch der Bereich, für den Deerberg in der Zukunft auf gute Umsatzzahlen setzt. Dazu soll der Versandhandel in der Schweiz und Österreich forciert werden, sodass der Unternehmer davon ausgeht, im kommenden Jahr wieder einen steigenden Umsatz im zweistelligen Prozentbereich erzielen zu können.

Ein Betriebsrat besteht erst seit einigen Monaten bei Deerberg. Beide Seiten sprechen von einer guten Zusammenarbeit. Betriebsrätin Brunotte-Schütte sagt, sie könne die Schritte der Geschäftsleitung „nachvollziehen“. Sie räumt aber ein, dass nicht alle Mitarbeiter dieser Meinung sind.

In der Vergangenheit hatte es Streit gegeben, da Deerberg zwar einiges an Sozialleistungen biete, aber nicht in allen Bereichen den Tariflohn gezahlt habe. Die Gewerkschaft verdi hatte damals die Gründung des Betriebsrates mit­angeschoben. Bei der Betriebsversammlung am Mittwoch soll es laut der Betriebsratschefin neben der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Hauses auch um die Mitwirkungsmöglichkeiten und deren Grenzen für eine Arbeitnehmervertretung gehen.