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Pastor Eckhard Oldenburg (l.) und der Lüneburger DGB-Chef Dr. Matthias Richter-Steinke eröffnen die Ausstellung über rechte Gewalt in St. Nicolai. Sie stehen neben den Bildern zweier Opfer. Foto: ca
Pastor Eckhard Oldenburg (l.) und der Lüneburger DGB-Chef Dr. Matthias Richter-Steinke eröffnen die Ausstellung über rechte Gewalt in St. Nicolai. Sie stehen neben den Bildern zweier Opfer. Foto: ca

Die Opfer rechter Totschläger

ca Lüneburg. Karl Sidon war im thüringischen Arnstadt mit jungen Rechten in Streit geraten. Die schlugen ihn zusammen, zogen den bewusstlosen 45-Jährigen auf die Straße, von Autos überrollt starb er. Eines von 169 Schicksalen, von denen in der Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt in Deutschland“ in der Nicolaikirche erzählt wird. Es geht zumeist um Menschen, deren Tod zu keinem Aufschrei führte.

Am Donnerstag, 5. November, wird die vom Bundesfamilienministerium geförderte Ausstellung eröffnet, die der DGB und das Netzwerk gegen Rechts nach Lüneburg geholt haben und die bis zum 21. November in Nicolai zu sehen sein wird. Besucht werden kann sie außerhalb der Gottesdienste täglich von 10 bis 18 Uhr.

Pastor Eckhard Oldenburg sagte vor rund 50 Gästen, dass es „eine wichtige und notwendige Ausstellung ist. Was hier dokumentiert wird, ist Wahnsinn im negativen Sinne“. DGB-Regionalchef Dr. Matthias Richter-Steinke beschrieb diesen Irrsinn: „Die Opfer wurden getötet, weil sie nicht ins Weltbild der Täter passten.“ Es gehe darum, deutlich zu machen, dass Faschismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland keinen Platz hätten.

Gekommen war auch Julia Stegmann von der Gruppe Opferperspektiven, die mit der Macherin der Ausstellung der Künstlerin Rebecca Forner, zusammenarbeitet. Sie erinnerte daran, dass rechstextreme Weltbilder sehr weit in die Gesellschaft hineinreichen. So halte Umfragen zufolge ein Drittel der Deutschen das Land für „überfremdet“.

Wer an den Infotafeln vorbeigeht, erfährt nicht nur von Menschen, die von der Terrorgruppe NSU umgebracht wurden und deren Opfer zunächst von Ausländern gesteuerten kriminellen Machenschaften zugerechnet wurden, bis die neonazistische Mörder-Truppe aufflog. Ihre Namen wurden zumindest im Nachhinein genannt.

Doch es gibt viele andere, die nur ein paar Zeilen in den Medien fanden. Wie die Prostituierte Beate Fischer, die 32-Jährige wurde in Berlin von drei Skinheads mehrfach vergewaltigt, erwürgt und als letzte Erniedrigung vor Mülltonnen geworfen. Oder Klaus-Peter Beer. Für zwei Rechtsextremisten reichte es, dass der 48-Jährige homosexuell war. Sie warfen ihn in Amberg in Bayern in einen Fluss, in dem er ertrank.

Die Kriminalstatistik von 1990 bis 2012 kommt auf wesentlich weniger Opfer, nämlich 60. Kritiker glauben, dass Polizei und Regierung zu oft das rechtsextreme Weltbild der Täter vernachlässigen. Unabhängig davon zeigt die Ausstellung, welche ungeheure Brutalität in einem vermeintlich zivilisierten Land alltäglich ist.