Donnerstag , 29. September 2016
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Für die Demonstranten ist der Ausstieg aus der Atomenergie noch lange nicht da, neun Reaktoren laufen noch in Deutschland. Gestern protestierten sie am Bahnhof. Foto: t&w
Für die Demonstranten ist der Ausstieg aus der Atomenergie noch lange nicht da, neun Reaktoren laufen noch in Deutschland. Gestern protestierten sie am Bahnhof. Foto: t&w

Atomausstieg ist noch nicht da

ca Lüneburg. Es waren keine 50, die Freitagabend vor dem Bahnhof gegen die Atomkraft demonstrierten. Das Thema ist aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden. Zu Unrecht meinten die Redner: Martin Donat von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg prangerte an, dass nicht geklärt ist, wohin Atommüll aus Wiederaufarbeitungsanlagen aus England und Frankreich landen soll, der ursprünglich aus deutschen Kernkraftwerken stammt. Auch wenn es andere politische Beteuerungen gibt, befürchtet Donat, dass die Castoren am Ende doch das Ziel Gorleben haben: „Man wollte bis Ostern erklären, wohin der Atommüll gehen soll, aber sie haben das Jahr nicht dazu gesagt.“

Dr. Bernd Redecker, der für das Lüneburger Bündnis gegen Atomanlagen sprach, wies darauf hin, dass beispielsweise am abgeschalteten Meiler Obrigheim in Baden-Württemberg bereits mit dem Rückbau begonnen wurde obwohl sich noch Brennelemente im Gebäude befänden. Kernkraftgegner, die gegen dieses Vorgehen geklagt hätten, seien vor Gericht gescheitert. Er ist überzeugt, dass es weiter der Bürgerinitiativen bedarf, damit in Verfahren die Sicht der Atomkraftgegner vertreten wird und sie ihre Sicherheitsbedenken deutlich machen. Denn die Atomindustrie achte vor allem darauf, Kosten zu drücken.

Es war auch ein Gedenktag. Vor zehn Jahren wurde der französische Atomkraftgegner Sébastien Briat bei Nancy bei einer missglückten Blockade von einem Zug mit Castorbehältern überrollt. Kernkraftgegner wie Cécile Lecomte, die mit Kletter-Einsätzen politischen Protest liefert, sehen allerdings die Verantwortung für den Tod nicht bei Briat, sondern blicken in Richtung Bahn und Polizei: Der Zug sei zu schnell gefahren, ein Polizeihubschrauber zum Tanken abgedreht, die Gruppe habe trotz ihrer angeblich „überlegten“ und gut vorbereiteten Aktion nicht rechtzeitig reagieren können.

Einig waren sich die Redner, dass, sollten erneut Castortransporte rollen, sie wieder auf Straße und Schiene gehen, um dagegen zu protestieren.