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Vanessa Paschka ist leidenschaftliche Segelfliegerin. Jetzt hat die 20-Jährige auch noch ihre Lizenz als Segelfluglehrerin in der Tasche. Foto: t&w
Vanessa Paschka ist leidenschaftliche Segelfliegerin. Jetzt hat die 20-Jährige auch noch ihre Lizenz als Segelfluglehrerin in der Tasche. Foto: t&w

Sie macht den Traum vom Fliegen möglich +++ Mit LZplay-Video

Von Antje Schäfer

Lüneburg. Bis vor fünf Jahren wusste Vanessa Paschka nicht einmal, dass es einen Flugplatz in Lüneburg gibt. Und geflogen war sie bis dato nur einmal in den Urlaub mit einem Charterflug. Doch zu ihrem 15. Geburtstag bekam die gebürtige Salzhausenerin von ihrer Mutter einen Segelflug-Rundflug geschenkt und war infiziert. „Da wusste ich, ich bleibe hier“, sagt sie neben einem Segelflugzeug stehend in der Halle des Luftsportvereins Lüneburg (LVL) auf dem Flugplatz. „Fliegen ist ein unbeschreibliches Gefühl.“ Vor drei Wochen hat die 20-Jährige ihre Lizenz als Segelfluglehrerin bekommen, sie ist die jüngste in Niedersachsen.

Die Saison auf dem Flugplatz ist für dieses Jahr beendet. Erst im März wird Vanessa Paschka mit der Ausbildung von Segelflugschülern beginnen, erzählt sie in der Werkstatt des LVL, wo die Maschinen in den kommenden Monaten überholt werden. Da müssen die Vereinsmitglieder mit anpacken, eine Selbstverständlichkeit auch für die frisch gebackene Fluglehrerin.

Los ging es für sie vor fünf Jahren mit einer dreimonatigen Schnupper-Mitgliedschaft beim LVL. Das Angebot, das 160 Euro kostet, macht der Verein, weil nicht jeder nach dem Kennenlernen dabei bleiben will. Denn wer denkt, er kann nur abheben, liegt falsch. Zum Flugbetrieb gehört mehr: Treckerfahren zum Ziehen der Maschinen aufs Rollfeld, Autofahren, um das Seil, mit dem die Segelflugzeuge hoch gezogen werden, wieder zurückzuziehen. Dazu kommt die Werkstattarbeit, denn alle Wartungsarbeiten an den vereinseigenen sechs Segelflugzeugen, dem Reisemotorsegler, dem Ultra-Leichtflugzeug und dem Motorflieger werden von den Mitgliedern möglichst selber gemacht, um die Mitgliedsbeiträge niedrig zu halten. Arbeit, die nicht jedem Schnuppermitglied schmeckt. Doch Vanessa Paschka fand das klasse. „Spannend ist auch, dass man mit allen Generationen zusammen ist. Wie Günter Hartmann, der mit 83 Jahren zu den Gründungsvätern gehört, oder Marcel Chudoba (18), der im vergangenen Jahr seinen Segelflugschein bestand. Man lernt voneinander und teilt die gemeinsame Leidenschaft“, beschreibt sie.

Logisch, dass sie nach dem Schnupperkurs weitergemacht hat, um den Segelflugschein zu erwerben. Anfangs sei da noch eine gewisse Anspannung gewesen, wenn sie in Begleitung des Fluglehrers abgehoben sei, „neun Meter pro Sekunde“. Aber ganz schnell habe sich dieses unbeschreibliche Gefühl eingestellt, „wenn die Erde von einem weggeht und man nur noch genießt“. Der erste Alleinflug im Rahmen der drei Ausbildungsabschnitte sei „das Größte“ gewesen, „das ist mit nichts zu vergleichen“. Wofür die Flugschüler ein Gespür bekommen müssen, das ist die Thermik, also die Aufwinde, mittels der die Segelflugzeuge Höhe erlangen, um dann auf Strecke zu gehen. Vanessa Paschka umschreibt es so: „Man muss dahin kommen, dass man die Thermik unterm Hintern spürt. Günter kann das mit Augen zu.“ Die Praxis ist die eine Seite, dazu kommt die Theorie. 60 bis 70 Stunden müssen die Schüler in sieben Fächern wie zum Beispiel Aerodynamik, Navigation, Technik und Luftrecht pauken. Im Rahmen der Ausbildung müssen die Anwärter auf den Segelflugschein außerdem mehrere Alleinflüge über unterschiedlich lange Strecken absolvieren, bis dann die Prüfung bei der Landesluftfahrtbehörde ansteht. Neben der Theorie musste Vanessa Paschka ihr Können auf einer 100 Kilometer langen Stecke beweisen und eine Außen-Landung mit einem Motorsegler absolvieren. „Mit 17 Jahren habe ich dann den Flugschein erlangt, das war noch vorm Führerschein.“ Danach hat sie sich weitergebildet, unter anderem einen Streckenfluglehrgang gemacht und sich gleichzeitig im Verein als Jugendvertreterin engagiert.

Alles in allem ein zeitintensives Hobby. Außerdem startete Vanessa Paschka nach dem Abi eine Ausbildung zum Eletroniker, brach diese ab, um Elektrotechnik zu studieren. Dass sie dann noch entschied, die Lizenz als Segelfluglehrerin zu erwerben, hat mit ihrem Vereinskollegen Philip Franzheld zu tun. Der 24-Jährige ist Fluglehrer beim LVL, war Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften der Junioren im Segelflug. Gemeinsam gings in zwei Fliegern nach Braunschweig. Ein großartiges Erlebnis für die damals 19-Jährige, danach stand der Entschluss: „Ich nehme die Herausforderung an, Segelfluglehrerin zu werden, zumal mir die Jugendförderung im Verein am Herzen liegt.“ Denn die Jugendlichen würden an den vielfältigen Aufgaben im Verein wachsen und selbstsicherer werden, weiß sie nur zu gut aus eigener Erfahrung.

Doch um die Lizenz zu erwerben, musste erst noch eine Hürde genommen werden. Denn die Prüfung darf man eigentlich erst im Alter von 21 Jahren absolvieren, davor ist das nur mit einer Sondererlaubnis möglich. Damit diese erteilt werden konnte, musste der Vereinsvorstand der Luftfahrtbehörde schon bei der Anmeldung darlegen, „ob sie dafür schon die Reife hat und das auch charakterlich wuppt“, erläutert LVL-Chef Richard Meier. „Uns war klar, auch mit Blick auf ihr Engagement im Verein und speziell als Jugendvertreterin, dass sie das kann.“ Und wieder büffelte Vanessa Paschka Theorie auch Pädagogik und Methodik standen mit auf dem Lehrplan und absolvierte eine spezielle Praxisausbildung. Vor zwei Monaten bestand sie die Prüfung dann mit Bravour. Kein Grund für einen Höhenflug, das ist nicht die Art der sympathischen jungen Frau, die mit Inbrunst sagt: „Der Flugplatz ist für mich ein Stück Zuhause.“