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Die Angeklagten Andreas B. (2. v. l.) und Andrej K. (2. v. r.) im Kaltenmoorer Mordfall unterhalten sich vor dem Prozess im Landgericht mit ihren Verteidigern und der Dolmetscherin. Foto: ca
Die Angeklagten Andreas B. (2. v. l.) und Andrej K. (2. v. r.) im Kaltenmoorer Mordfall unterhalten sich vor dem Prozess im Landgericht mit ihren Verteidigern und der Dolmetscherin. Foto: ca

Es gibt weitere Verdächtige + + + Mit LZplay-Video

ca Lüneburg. Weil Karl S. Anzeigen bei der Polizei erstattet habe und diese nicht zurückziehen wollte, habe er am 3. Mai sterben müssen. Schläge und Tritte gegen Kopf und Oberkörper, mit einem Küchenmesser wurde seine Kehle aufgeschnitten, dazu drei Stiche in die Brust, heißt es in der Anklage. Mord, Körperverletzung und Nötigung wirft der Staatsanwalt den Angeklagten Andreas B. (31) und Andrej K. (41) vor. Der Staatsanwalt sagte nichts dazu, was mit der Leiche geschah. Doch das ergibt sich aus Aussagen: Der tote Karl S. wurde verschnürt, in einen Bettbezug gesteckt, mit einem Einkaufswagen aus dem Wohnblock an der Wilhelm-Leuschner-Straße in den nahen Wald gekarrt und dort angezündet. Den Einkaufswagen ließen die Täter zurück. Sie hatten keine Lust, ihn mit zurückzunehmen.

Ein halbes Jahr nach der Tat begann gestern vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht der Prozess gegen die beiden Männer mit russischen Wurzeln. Ohne Gemütsregungen verfolgen sie die Verhandlung, sie bestreiten die Taten. Ihnen gegenüber sitzen als Nebenkläger Mutter, Bruder und Schwester von Karl S. Die Mutter weint, ihr Sohn hält immer wieder ihre Hand. Doch die Familie will offensichtlich wissen, was dem 34-Jährigen angetan wurde.

Nur zwei Männer müssen sich in Saal 21 verantworten. Doch offenbar hatte die Polizei nach der Tat noch andere Verdächtige im Visier: einen weiteren Bewohner aus dem riesigen Block sowie einen ominösen Achmed, der wohl aus Afghanistan stammt, aber scheinbar verschwunden ist. Die Beweise gegen den Mieter scheinen zu dünn zu sein, jetzt ist er als Zeuge geladen.

Der Tod hatte eine Vorgeschichte. Laut Anklage hatten B. und K. sowie eine Frau Karl S. bereits Ende März im Hausflur überfallen. Sie brachten ihn zu Boden, durchsuchten seine Hose und Socken nach Geld. Er erlitt Prellungen und eine Schnittwunde an der Hand. S. erstattete Anzeige. Am 19. April lockte das Duo Karl S. unter dem Vorwand, gemeinsam trinken zu wollen, in die Wohnung von K. Dabei soll der einschüchternde Satz gefallen sein: „Was sollen wir bloß mit Dir machen?“ B. soll Karl S. gegen die Brust geschlagen haben. Doch der blieb dabei, er werde seine Anzeige nicht zurückziehen. Im Gegenteil, er ging erneut zur Polizei. Am 3. Mai soll Karl S. dann in der Wohnung von K. umgebracht worden sein.

Andreas B. ließ einen seiner beiden Verteidiger eine Erklärung verlesen, darin bestritt er die Vorwürfe. Zudem sei er missverstanden worden: Er soll einem Zeugen erklärt haben, dass er, B., das Opfer erstochen und verbrannt habe. Das habe er aber nie gesagt, sondern er wisse, wer es gewesen sei.

Richter Franz Kompisch verlas später eine Aussage, die B. bei der Polizei gemacht hatte. Daraus ergibt sich das Bild eines Dauerrauschs. B., der Angeklagte K. sowie deren Freunde, darunter auch die beiden anderen zunächst Tatverdächtigen, haben immer wieder zusammengesessen und über Stunden und Tage getrunken, auch Drogen sollen konsumiert worden sein.

Am Tag des Mordes habe er die Wohnung von K. verlassen, sei später aber wiedergekommen. K. habe vor der Tür gestanden und gesagt, er habe Karl S. erwürgt und „zur Sicherheit ein Messer ins Herz“ gestoßen. Er habe den Tod verdient: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Er, B., sei zu einem Bekannten gegangen, um weiterzutrinken, er habe nichts mit der Sache zu tun haben wollen. Später will er K. und Achmed gesehen haben, als sie aus dem Wald zurückkamen. K. habe gestanden, dass man die Leiche „entsorgt“ habe.

Eine Polizeibeamtin schilderte, B. habe bei seinen Aussagen nicht so gewirkt, als habe ihn das Geschehen besonders beeindruckt: „Keine Gefühle.“ Eine andere Beamtin erklärte, K. habe in seiner Vernehmung alle Vorwürfe zurückgewiesen, er will zur Tatzeit mit Bekannten getrunken haben. Weder er noch B. hätte Karl S. getötet.

Es ist ein Indizienprozess. Um aufzuhellen, wie Karl. S. ums Leben kam, hat die Kammer 40 Zeugen und fünf Sachverständige geladen. Bis März soll der Prozess voraussichtlich dauern. Am 25. November geht die Verhandlung weiter.

One comment

  1. Mein Gott wie brutal und skrupellos doch Menschen sein können. Was Alkohol und Drogen doch anrichten. ….. man kann nur hoffen das alle gefasst und bestraft werden. Und nie wieder auf freien Fuß kommen. Da ist jemand der eh schon Opfer war bestialisch ermordet worden. Warum nur hat die Familie nicht geholfen ihn aus diesem Teufelskreis und Umfeld raus zu holen.