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Für die kleine Lilly-Eleonore ist die Jacke noch etwas zu groß, ihre Eltern Christina Kring und Ralf Franke aus Lüneburg überlegen noch  und genießen den Bummel über den Martinimarkt. Foto: t&w
Für die kleine Lilly-Eleonore ist die Jacke noch etwas zu groß, ihre Eltern Christina Kring und Ralf Franke aus Lüneburg überlegen noch und genießen den Bummel über den Martinimarkt. Foto: t&w

„Alles muss raus!“

us Lüneburg. „Hier komm her, ich pack noch was drauf! Und noch was!“ Günther Kalaus Stimme überschlägt sich, während er in die großen Kisten hinter sich greift und noch ein paar Paprikaschoten und Zitronen in den schon gut gefüllten Korb legt. „Das muss hier alles raus!“ Es ist elf Uhr, seit drei Stunden steht er auf der Pritsche seines Lkws, auf dem sich Obst- und Gemüsekisten stapeln. Nebenan lockt Käse-Fred aus Hamburg mit kessen Sprüchen das Publikum, ein paar Meter weiter grölen Aal-Hinnerk und Wurst-Herby um die Wette. Es ist Martinimarkt in Lüneburg.

Rund 160 Händler und Marktbeschicker sind gekommen, rund ums Rathaus bieten sie mal mehr, mal weniger lautstark ihre Waren an. Neben Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch locken Stände mit warmen Puschen, bunten Kinderstrickjacken und Stoffdecken mit Tigerfellmuster, ein paar Schritte weiter gibt es Faser-Wischtücher und Gemüsehobel für die Küche, T-Shirts mit schrillem Heavy-Metal-Aufdruck und farbenfrohe Smartphone-Hüllen. Eine andere Händlerin wird nicht müde, die Vorteile eines Reise-Dampfbügeleisen aufzuzählen.

Viele Händler sind Stammgäste auf dem Lüneburger Martinimarkt. Jacob Stitger und sein Buder Ronald kommen schon seit über 40 Jahren, am Ochsenmarkt bieten die beiden Niederländer Blumenzwiebeln an. „Ich war 14, als ich das erste Mal mit meinem Vater nach Lüneburg kam“, erzählt Jacob. Beide bereisen Märkte in ganz Deutschland, gerade sind sie aus Frankfurt gekommen, davor waren sie in Münster und in Süddeutschland. „Früher war mehr los“, sagt er, auch würden die Leute nicht mehr so viel Geld ausgeben.

Liane Kalau sieht das anders. „Man muss sich was einfallen lassen, dann laufen die Geschäfte auch“, sagt die Frau von Günther Kalau, der unentwegt weiter prallgefüllte Obst- und Gemüsekörbe feilbietet. Seit 20 Jahren kommen sie nach Lüneburg, vier Tage in der Woche sind sie auf Märkten unterwegs, ihr Zuhause ist Rosengarten. Aal-Hinnerk zieht es schon seit 21 Jahren in die Hansestadt, nach dem Martinimarkt in Lüneburg will er aber erstmal Pause machen, „auf Jamaica, da habe ich ein Riesen-Anwesen und verkaufe Glühwein“. Ob die Geschäfte gut laufen? Das hänge vom Verkäufer ab, „schau mich an, ich sehe gut aus, bin intelligent und sexy“. Das Publikum schmunzelt.

Rita und Heiner Scheele schmunzeln auch, sie stehen wenige Meter entfernt und genießen bei ihrem ersten Glühwein in diesem Jahr die Atmos­phäre. „Die Marktschreier sind das Schönste hier“, findet Heiner. Beide sind mit dem Fahrrad nach Lüneburg gekommen, nach einem Bummel über den Markt geht es dann entlang der Ilmenau wieder zurück nach Wittorf.