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Markus Krüger (M.) von der Hochschule Wismar stellte die Forschungsstudie zur Elektromobilität vor. Eingeladen dazu hatten Dr. Pascale Nauke und Leo Demuth vom Verkehrsclub Deutschland. Foto: t&w
Markus Krüger (M.) von der Hochschule Wismar stellte die Forschungsstudie zur Elektromobilität vor. Eingeladen dazu hatten Dr. Pascale Nauke und Leo Demuth vom Verkehrsclub Deutschland. Foto: t&w

Neue Wege führen aufs Land

us Lüneburg. Auf dem Land leben, in der Stadt arbeiten für viele eine Idealvorstellung, die aber ohne Auto kaum zu verwirklichen ist. Denn die Anbindung vor allem kleinerer Orte und Gemeinden an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) scheitert in der Regel an zu hohen Kosten. Wie das ÖPNV-Angebot in ländlichen Regionen verbessert werden kann, hat die Hochschule Wismar in einem Forschungsprojekt untersucht. Die Ergebnisse wurden jetzt bei einer Veranstaltung vorgestellt, zu der der Regionalverband Elbe-Heide im Verkehrsclub Deutschland (VCD) ins Heinrich-Böll-Haus eingeladen hatte.

„Modelle zur Revitalisierung von ÖPNV im ländlichen Raum inmod“ lautet der Titel des Forschungsprojekts, das zwischen Oktober 2011 und November 2014 in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt wurde. Dabei wurde ein aus Elektrobus und Elektrorad vernetztes System entwickelt, das in drei Testregionen Klützer Winkel, Salzhaff und Region Usedom eingesetzt wurde.

Das Prinzip: Auf einer Hauptverkehrsachse verkehrt ein Schnellbus regelmäßig zwischen mittleren und größeren Zentren, dabei werden mehrere Haltepunkte angefahren. Zur Einbindung der abseits der Strecke liegenden Gemeinden stehen dort für die Fahrt zur Bushaltestelle Elektrofahrräder bereit, die bei Lösung eines Bustickets kostenlos genutzt und an der Bushaltestelle abgestellt werden können. „Durch die kürzeren und schnelleren Strecken fahren die Busse öfter, durch die Elektroräder ist der Nutzer unabhängiger, schneller und spontaner ans Streckennetz angebunden“, erklärt Markus Krüger von der Hochschule Wismar die Idee. In den Gemeinden und an den Bushaltestellen stehen Fahrradboxen bereit, dort können die Elektroräder abgestellt und die Batterien wieder aufgeladen werden.

„Die Hürde, die Räder zu nutzen, war anfangs groß“, berichtete Markus Krüger. Mit Info-Faltblättern, Aktionstagen und „Haltestellenpartys“ wurde das Projekt beworben, die Akzeptanz sei gestiegen. Mehr als 26000 Personen, die insgesamt knapp 33000 Fahrten unternommen hätten, seien von Sommer 2012 bis Oktober 2014 transportiert worden. Vor allem Touristen und jene Bewohner des ländlichen Raums, die unregelmäßig Verkehrsmittel nutzen, hätten von dem Angebot Gebrauch gemacht, weniger berufstätige Eltern mit Kindern, berichtete Krüger. „Teilweise gab es auch Ängste, das Elektrorad zu nutzen, die wir vor Ort ausräumen konnten, indem wir Einweisungen gaben.“

Im Ergebnis hätten sich die Elektrofahrräder auch als relativ teuer und vandalismusanfällig erwiesen, bilanzierte Krüger. Der Betrieb eines solchen „multimodalen Systems“ sei unter dem Strich dennoch rund ein Drittel günstiger als herkömmliche Systeme, was vor allem auf den Einsatz von Elektrobussen zurückzuführen sei. Noch nicht endgültig geklärt seien die rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen, auf die Michael Wieske, beim Landkreis Lüneburg für ÖPNV zuständig, hinwies.

Dass Verleihsysteme in Lüneburg eine Chance haben, glaubt Dr. Karl-Heinz Rehbein, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Lüneburg: „Das Stadtrad brummt wie verrückt.“ Zwar konnte auch Jürgen Krumböhmer, Lüneburgs Erster Kreisrat, dem Projekt Positives abgewinnen, er machte aber deutlich: „Die Installation eines solchen Verleihsystems erfordert eine Infrastruktur, die wir nicht stemmen können“. Gleichwohl könne er sich vorstellen, Ideen davon auch im Landkreis Lüneburg umzusetzen zum Beispiel durch Anschaffung von Elektrofahrrädern oder E-Bikes für interessierte Mitarbeiter des Landkreises oder der Stadt, die dafür ihr Auto zu Hause lassen. In einer Projektgruppe des Landkreises werde derzeit auch darüber nachgedacht.

Leo Demuth vom VCD-Landesverband Niedersachsen war enttäuscht, dass nur wenige Bürgermeister und Samtgemeindebürgermeister der Einladung zur Veranstaltung gefolgt seien. „Hier im Landkreis böten sich zahlreiche Möglichkeiten, ein Konzept wie das der Hochschule Wismar umzusetzen“, meinte er und nannte Beispiele wie die Strecken zwischen Kirchgellersen und Südergellersen oder zwischen Dahlenburg und Lemgrabe-Bahnhof.

Thomas Heitmüller von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen mbH wiederum zeigte sich enttäuscht von der Tauglichkeit der Elektroräder. „Die letzten vier Meilen sind in einem solchen System entscheidend. Das hinzukriegen, dürfte spannend sein.“