Mittwoch , 28. September 2016
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Lars Strehse (l.) und Dr. Matthias Krause freuen sich, dass die Industriebahn zum Hafen nach rund einem Jahr ihren Betrieb wieder aufgenommen hat. Foto: t&w
Lars Strehse (l.) und Dr. Matthias Krause freuen sich, dass die Industriebahn zum Hafen nach rund einem Jahr ihren Betrieb wieder aufgenommen hat. Foto: t&w

Zug soll Hafen nach vorn bringen

us Lüneburg. Es war ein neuer Versuch, und anders als noch vor einem Jahr, ging diesmal alles gut. 4000 Tonnen Split wurden gestern per Industriebahn Ost in den Lüneburger Hafen geliefert, geordert hatte den Baustoff die Firmengruppe Manzke. „Vor einem Jahr hatten wir leider Pech damit“, erinnert sich Dr. Matthias Krause, Geschäftsführer der Manzke KSR GmbH. Im September 2013 war ein Güterzug auf dem Weg in den Hafen in Höhe Ebensberg entgleist, vier Waggons waren aus den Schienen gesprungen. Ein gutes Jahr haben die Gleisbauarbeiten gedauert, nun läuft der Zugbetrieb wieder.

„Wir haben die Gleisanlagen auf einer Länge von 3,1 Kilometern grundlegend saniert“, berichtet Lars Strehse, Geschäftsführer der Hafen Lüneburg GmbH. Das Gleis wurde gerichtet, 170 Schwellen wurden neu verlegt, drei Weichen neu gebaut und 1700 Tonnen Gleisschotter verbaut. Die Kosten beziffert Strehse auf rund 670000 Euro. Zu den Ursachen der Entgleisung wollte er sich „aus versicherungstechnischen Gründen“ nicht äußern.

„Mit der Industriebahn sind wir wieder sehr flexibel in der Abfertigung, denn Eisenbahnabfertigung und Schiffsbetrieb können wir gleichzeitig vornehmen“, wirbt Lars Strehse für den Lüneburger Hafen. Einen weiteren Vorteil sieht er in den Gleis-Streckenlängen beiderseits des Hafenbeckens, die er mit 750 und 400 Metern angibt. „Das erspart zusätzliche Rangierarbeiten beim Teilen der Züge.“

Die Industriebahn Ost, die den Hafen mit dem Schienennetz der Bahn verbindet, gehört zu Überlegungen, die Politik und städtische Gesellschaft unter dem Stichwort Güterverteilzentrum bereits seit einigen Jahren anstellen: der Hafen soll unter Einbindung der Bahn zu einem Umschlagzentrum ausgebaut werden, das Schiene, Straße und Wasserstraße miteinander verbindet.

Mit knapp 200000 Tonnen Umschlag an Massengütern Baustoffe, Getreide, Düngemittel und Altmetalle rechnet die Hafengesellschaft in diesem Jahr. Das sind zwar rund 20000 Tonnen mehr als im Vorjahr, doch immer noch weniger als noch vor vier Jahren: 2011 wurden bereits 213000 Tonnen umgeschlagen. Einen deutlichen Entwicklungssprung erwartet Strehse indes bei der Industriebahn: „Bis Ende 2014 werden voraussichtlich noch 15000 Tonnen an Massengut per Bahn im Hafen umgeschlagen.“ Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 wurden 17000 Tonnen umgeschlagen. „Der Bedarf ist da“, erklärt Strehse die enorme Zunahme. Dass die Hafengesellschaft zwischenzeitlich die Nutzungsentgelte von 15 Euro auf durchschnittlich 19,50 Euro pro Waggon angehoben hat, war dieser Entwicklung offenbar nicht abträglich.

Auch Krause begrüßt, dass die Hafenbahn wieder in Betrieb ist. Nach dem Ausfall musste sein Unternehmen den Transport von Baustoffen auf Lkw umstellen. Das sei ökologisch nicht sinnvoll „Massengut gehört auf die Schiene“ , zudem versuche man, auf Dauer stärker von der Straße wegzukommen, „allein schon aus Kostengründen.“