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Das Lüneburger Klinikum hat in der Pflege einen hohen Personalbedarf. Jedes Jahr müssen 50 bis 70 Stellen neu besetzt werden. Foto: A./t&w
Das Lüneburger Klinikum hat in der Pflege einen hohen Personalbedarf. Jedes Jahr müssen 50 bis 70 Stellen neu besetzt werden. Foto: A./t&w

Pflegekräfte aus Italien

as Lüneburg. In deutschen Kliniken zeichnet sich ein zunehmender Fachkräftemangel ab. So hat eine Umfrage unter 150 Häusern im vergangenen Jahr ergeben, dass 41 Prozent Schwierigkeiten haben, Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Das Lüneburger Klinikum ist davon zurzeit zwar noch nicht betroffen, „aber wir werden uns darauf einstellen müssen. Aufgrund des Erweiterungsbaus werden wir ab 2018 außerdem mehr Mitarbeiter in der Pflege benötigen“, sagt Pflegedirektor Michael Kossel. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, schaut sich das Klinikum auch im Ausland um: Anfang 2015 werden sechs Pflegekräfte aus Italien das Team verstärken.

Rund 600 Pflegekräfte arbeiten im Klinikum in Teil- und Vollzeit, derzeit sind alle Stellen besetzt. Pro Jahr brauche man 50 bis 70 neue Pflegekräfte, sagt Kossel. Gründe dafür sind, dass es einerseits viele junge Kräfte gibt, die sich zum Beispiel nach einer Elternzeit für Teilzeitarbeit entscheiden, und andererseits die Zahl der Mitarbeiter ab 55 Jahren groß ist, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen werden. Eine Strategie, um mehr Kräfte für den Pflegebereich in Zukunft gewinnen zu können: „Wir bieten zu dem regulären Krankenpflegekursus, der jedes Jahr im Oktober an der Schule für Pflegeberufe startet, 2015 einen zusätzlichen im April an“, erläutert Kossel. Insgesamt 26 bis 28 Absolventen schließen die Ausbildung jeweils ab. Doch Kossel weiß auch aus Erfahrung, dass ein Teil der Absolventen, die aus ganz Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommen, nach dem Abschluss in ihre Heimat zurückgehen, um dort in Krankenhäusern zu arbeiten. Deshalb setzt das Lüneburger Klinikum auf eine weitere Strategie, die inzwischen bundesweit auch andere Häuser fahren: ausländische Pflegekräfte.

Anfang Oktober waren Vertreter der Personalabteilung und des Betriebsrates mit Kossel im spanischen Denia. Dort erhalten Pflegekräfte aus Italien und Spanien in einem speziellen Internat drei Monate Kurse in Deutsch, sodass sie die Sprache danach „relativ gut beherrschen. Damit ihre Ausbildung als Pflegekraft aber auch in Deutschland anerkannt wird, müssen sie den Sprachkursus mit einem sogenannten B2-Abschluss bestehen“, erläutert Kossel. Die Pflegekräfte haben zuvor ihre Ausbildung in ihren Heimatländern gemacht. Im Gegensatz zur Ausbildung in Deutschland bedeutet das ein vierjähriges Studium mit Bachelor-Abschluss im Rahmen der Bologna-Richtlinien. „Da in diesen südeuropäischen Ländern die staatlichen Kliniken oft finanziell schlecht ausgestattet sind, bekommen viele Pflegekräfte keinen Job und suchen Arbeit auch in deutschsprachigen Ländern“, berichtet Kossel. Die Delegation aus Lüneburg hat sich in Denia 24 Pflegekräfte angeschaut, in Gesprächen habe sich herausgestellt, dass man 22 im Lüneburger Klinikum hätte einsetzen können. Entschieden habe man sich schließlich für ein Sextett aus Italien, das im Januar und Februar seinen Dienst im Lüneburger Klinikum antreten wird.

„Wir möchten diese Mitarbeiter langfristig an uns binden, deshalb ist es uns wichtig, dass es mit der Integration klappt.“ Der Personalstamm der Pflegestationen in den Kliniken Unfallchirurgie, Gynäkologie, Kardiologie und Gastroenterologie, wo die ausländischen Kräfte eingesetzt werden sollen, sei informiert. Die Neuen bekommen Mentoren zur Seite gestellt, um sie in den Arbeitsprozessen anzuleiten. „Sie sollen die gleiche Arbeit wie ihre deutschen Kollegen machen, das heißt, sowohl für die Behandlungs- als auch die Grundpflege zuständig sein“, unterstreicht der Pflegedirektor. Um die Sprache zu intensivieren und Fachbegriffe aus der Pflege zu lernen, gibt es anfänglich noch zwei Tage in der Woche einen Deutsch-Kursus, der über ein EU-Förderprogramm bezuschusst wird. Für die ausländischen Kollegen gelten die gleichen Arbeitsverträge wie für alle Mitarbeiter in der Pflege.