Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Unternehmerin Sina Trinkwalder stand Studenten an der Leuphana Rede und Antwort. Sie hofft, weiter Baumwolltaschen für dm produzieren zu können. Foto: t&w
Unternehmerin Sina Trinkwalder stand Studenten an der Leuphana Rede und Antwort. Sie hofft, weiter Baumwolltaschen für dm produzieren zu können. Foto: t&w

Die Misere mit den Baumwolltaschen

mm Lüneburg. Es war ein Schock für Unternehmerin Sina Trinkwalder. Vorige Woche musste sie beim Kurznachrichtendienst Twitter lesen, dass Baumwolltaschen, die es bei der Drogeriemarktkette dm zu kaufen gibt, künftig in Indien produziert werden. Bisher kommen die von manomama in Augsburg, dem Textilunternehmen von Sina Trinkwalder. Bräche der Auftrag für dm weg, wären viele Arbeitsplätze in Gefahr. Von der Misere berichtete die 36-Jährige jetzt Studenten an der Lüneburger Universität.

Der Grund für den Besuch von Sina Trinkwalder in Lüneburg war eigentlich ein anderer. Ihr Vortrag für die Reihe „The Spirit of Entrepreneurship“ der Leuphana stand unter dem Titel „Wie ich soziales Unternehmertum lebe“. Natürlich brannte den Studenten im prall gefüllten Hörsaal aber die Frage auf den Nägeln, wie es mit der Taschenproduktion weitergeht. „Ich kann im Moment nicht im Detail darüber reden“, sagt Sina Trinkwalder. Es müssten Vereinbarungen mit dm geklärt werden, die Gespräche laufen. „Gibt es denn eine Vertragsklausel, dass dm die Stoffbeutel nicht in Indien produzieren darf?“, wollte ein Student wissen. Wieder wich Sina Trinkwalder aus, zu Vertragsbestimmungen könne sie derzeit nichts sagen. Doch sie blieb zuversichtlich: „Ich habe meinen Näherinnen versichert, dass sie ihren Job nicht verlieren.“ Ein dm-Sprecher hatte erklärt, dass die Drogeriemarktkette weiter Stoffbeutel von manomama beziehen werde.

Das Textilunternehmen beschäftigt 154 Angestellte, da­runter Näherinnen, die vorher arbeitslos waren, und Menschen mit Handicap, die auf dem Arbeitsmarkt keinen Job fanden. Gegründet hat Trinkwalder manomama nach einer Sinnkrise. Sie habe als selbstständige Unternehmerin im Marketing stets viel Geld dient, dann kam der Punkt, an dem sie gemerkt habe, es sei Zeit, etwas anderes zu machen, etwas Soziales. Was war passiert?

Am Bahnhof hatte Sina Trinkwalder einen Obdachlosen beobachtet, der im Mülleimer nach weggeworfenen Frauenzeitschriften suchte. Der Inhalt habe den Mann aber gar nicht interessiert, sondern nur das Cover. Daraus wollten er und seine Frau Weihnachtsschmuck gestalten. Sina Trinkwalder sah ihren Zug ankommen, stieg aber nicht ein. „Ich musste darüber nachdenken, ob das, was ich mache, eigentlich sinnvoll ist.“ Sie wartete auf den nächsten Zug. Auf der Bahnfahrt überlegte sie weiter. Arbeitslosen Menschen eine Beschäftigung geben, das wäre sinnvoll. Aber wie?

Es müsste Handarbeit sein. Die Idee für manomama war geboren. Nicht alle Arbeiterinnen bei manomama können lesen oder schreiben, aber ihre Hände können sie benutzen. Die Näherinnen hätten unbefristete Verträge, „Mindestlohn ist für uns kein Thema, da eh alle mehr verdienen“, erzählte Sina Trinkwalder. Das Unternehmen habe eine Eigenkapitalquote von 100 Prozent, es gebe keine Verpflichtungen gegenüber Banken, manomama schreibe schwarze Zahlen. Noch. Sina Trinkwalder bleibt optimistisch: „Das Gute setzt sich durch.“