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Der Wolf ein Schädling? Das Umweltministerium antwortete jüngst auf den offenen Brief von Berufsschäfer Wendelin Schmücker zum .  Foto: Symbolfoto/ t&w
Der Wolf ein Schädling? Das Umweltministerium antwortete jüngst auf den offenen Brief von Berufsschäfer Wendelin Schmücker zum . Foto: Symbolfoto/ t&w

„Wolfsplage ist nicht zu erwarten“

ml Lüneburg. Mitte Oktober hat Wendelin Schmücker eine neuerliche öffentliche Debatte über den Wolf in Niedersachsen losgetreten. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Stephan Weil hatte der Sprecher der niedersächsischen Berufsschäfer den grauen Räuber unter anderem als „Schädling“ bezeichnet, „der hier kein Lebensrecht“ hat. Die Verdrängung des Wolfes sei eine „historische Leistung unserer Vorfahren“ gewesen. Nun hat Schmücker Post aus Hannover erhalten. Und mit der Antwort auf seinen Brief ist der Schäfer alles andere als zufrieden.

In dem Schreiben stellt das Umweltministerium klar, das auch Deutschland „zum Schutz von Arten und auch zum Schutz der genetischen Vielfalt innerhalb der Arten“ auf Grundlage internationaler Abkommen verpflichtet sei. Und das bedeutet: „Die Grenzen der natürlichen Verbreitungsgebiete bestimmt nicht der Mensch, sondern die betreffende Tierart selbst.“ Überall dort, wo eine heimische Tierart überlebensfähig sei, habe sie ein Lebensrecht.

Zwar teilt Hannover Schmückers Einschätzung, dass die durchschnittliche Wachstumsrate der derzeit 50 Wölfe im Land bei 30 Prozent jährlich liegen dürfte, doch: „Sind erst einmal alle potenziellen Wolfsreviere besetzt, setzen natürliche und artspezifische Mechanismen zur Populationsbegrenzung ein.“ Und weiter: „Die von Ihnen erwartete ,Plage, also ein massenhaftes Auftreten von Wölfen, ist daher nicht zu erwarten.“

Schmücker dagegen rechnet auch die Tiere in anderen Bundesländern hinzu und prognostiziert einen Anstieg der Wolfspopulation in Deutschland von derzeit 340 Tieren auf 960 bis zum Jahr 2018. Der Berufsschäfer folgert: „In einigen Regionen, beispielsweise klein-parzelligen Mittelgebirgslandschaften oder auf langgezogenen Deichen, könnten die Schafhalter ihre Tiere nicht nur schwer, sondern gar nicht davor schützen, von Rudeln gerissen zu werden.“ Dort gelte: „Wo der Wolf lebt, wird es keine Schafe und keine Trockenrasenlandschaften mehr geben.“

Zwar teilt das Umweltministerium Schmückers Grundannahme nicht, räumt aber ein: „Allerdings sind in der Form der Weidehaltung gewisse Anpassungen an diesen neuen Einflussfaktor (der Wolf, d. Red.) notwendig.“

Gegenüber der LZ hatte der Berufsschäfer aus dem Winsener Ortsteil Borstel im Oktober gefordert, dass es möglich sein müsse „Problemwölfe, die Nutztiere anfallen, aus unserer Kulturlandschaft zu entfernen“. So weit geht das Ministerium nicht, schreibt unter dem Punkt „Gefahr für den Menschen“ aber: „Hat ein Wolf die Scheu verloren, ist er als Problemwolf einzustufen, der besondere Reaktionen erfordert… In letzter Konsequenz kann ein solches Tier…auch aus der Population entnommen werden …gegebenenfalls auch durch einen Abschuss.“

Widerspruch erregt in Hannover Schmückers Darstellung, der Wolfsschutz in Deutschland sei das Ergebnis des Drängens weniger Naturschützer. „Die Behauptung, dass für die Regelungen zum Artenschutz nur eine ,kleine Gruppe europäischer Wildtierbiologen verantwortlich sei, ist … falsch. Richtig ist vielmehr, dass im Rahmen der Gesetzgebung nicht jedes Einzelinteresse gleichermaßen berücksichtigt werden kann.“

Gesetze sind es auch, die laut Ministerium weiterreichende finanzielle Erstattungen an geschädigte Nutztierhalter, in der „Richtlinie Wolf“ genannt, verhindern. Die Richtlinie soll noch 2014 in Kraft treten. Erstattungen infolge von Wolfsrissen gibt es nur in Fällen, „in denen der Wolf als Verursacher nachgewiesen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist“. Und: „Andernfalls würde es sich um eine unzulässige staatliche Beihilfe handeln.“ Daher sei die geforderte Beweislastumkehr mit dem EU-Beihilferecht nicht vereinbar.

Laut Ministerium ist in der „Richtlinie Wolf“ grundsätzlich ein 100-prozentiger Ausgleich des entstandenen Tierschadens ohne Berücksichtigung der Folgekosten beabsichtigt. Dagegen liege die Obergrenze der beabsichtigten Förderung präventiver Maßnahmen wie etwa Schutzzäune und Herdenschutzhunde bei 80 Prozent der Sachkosten. „Eine vollständige Übernahme der Verantwortung vom gewerbsmäßigen Nutztierhalter für den Schutz seiner Tiere und die Übernahme aller erforderlichen Kosten kann nicht die Aufgabe des Staates sein“, heißt es in dem Schreiben des Umweltministeriums.

Schmücker hält dagegen und betont die besondere Rolle der Schafhaltung für den Schutz der Vielfalt der Kulturlandschaft. „Zu den bedrohten Arten zählt der Wolf, so manche Schafrasse, und nicht zuletzt die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den speziellen Naturräumen, die durch unsere Schafe erhalten werden“, sagt der Schäfer. Allerdings sei der Schafhalter wegen seiner geringen Entlohnung nicht in der Lage, die Aufwendungen für den Schutz seiner Tiere zu schultern. Nun fordert Schmücker, die Probleme schnellstmöglich gemeinsam zu lösen, „um extreme Positionen, die unnötig die Gemüter erhitzen, zu verhindern“.

3 Kommentare

  1. Finnland fängt bei 155 Wölfen an diese zu regulieren, flächenmäßig so groß wie Deutschland bei nur einem Bruchteil an Einwohnern. Dort hat der Wolf Raum aber man sieht die Gefahren.
    Macht man in Deutschland so weiter wie bislang, dann sind Probleme vorprogrammiert, man sollte endlich die ideologischen Scheuklappen absetzen und sachlich mit dem Thema umgehen.
    Träumereien der Tierfreunde werden hoffentlich auf diese zurück fallen, wenn es soweit ist. Die handelnden Personen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Leider werden die auch im Unglücksfall nicht zur Rechenschaft gezogen, bei den ersten Fällen wird wieder verharmlost.
    In Sachsen sind erst 2 Hunde angegriffen wurden, einer auf dem Grundstück und der andere als Frauchen mit ihm im Wald spazieren war. Der Wolf verliert die Scheu!

    • Die Gebrüder Grimm haben wohl wirklich ganze arbeit geleistet. die großmutter hat übrigens überlebt.

  2. Typisch Politiker der Neuzeit: mit dem Satz „… Aufgrund internationaler Abkommen verpflichtet sei „. Ist alle Verantwortung vom Tisch. Wer macht eigentlich die Abkommen?