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In Vierergruppen tauschten sich Schüler und Flüchtlinge aus. Hier lernen sich (v.l.) Abdullah Rahmati, Christina Dietz, Obada Alraxan und Leon Scholz kennen. Foto: t&w
In Vierergruppen tauschten sich Schüler und Flüchtlinge aus. Hier lernen sich (v.l.) Abdullah Rahmati, Christina Dietz, Obada Alraxan und Leon Scholz kennen. Foto: t&w

Flucht über zwei Jahre

mm Lüneburg. Mit 13 Jahren flüchtete Zia Haidari aus Afghanistan, mehr als zwei Jahre später kam er in Deutschland an. Der 18-Jährige hat in Lüneburg eine neue Heimat gefunden, er ist anerkannter Flüchtling und weiß: „Es gibt viele Chancen in Deutschland, wenn man die Sprache spricht.“ Von seiner Flucht erzählte er bei einem Treffen mit 35 Oberstufenschülern der Herderschule und jungen Asylbewerbern im Lüneburger Wasserturm.

Die Zusammenkunft war auch Abschluss der Ausstellung „Anders? Cool“ im Wasserturm. „Wir wollen ein Miteinander erreichen“, sagt David Wieblitz, Lehrer der Herderschule. Er hatte zusammen mit Ria Salig vom Awo-Migrationsdienst die Idee für den Austausch. Zia Haidari stand im Zentrum. Er berichtete von seinem Heimatland Afghanistan und seiner Flucht. Das fiel ihm nicht immer leicht, zwischendurch stockte die Stimme, ein Kloß im Hals musste runtergeschluckt werden. Sein Vortrag sollte ein Impuls sein für die Schüler und Flüchtlinge, aufeinander zuzugehen. Das war er. In Vierergruppen versammelten sich die jungen Menschen, fragten sich aus über ihre Herkunft, Probleme im Schulalltag oder zu Hause.

Zu Hause das ist für die meisten der jungen Flüchtlinge zurzeit die Unterkunft am Meisterweg oder die an der Bleckeder Landstraße. Allerdings nicht mehr für Zia Haidari. Er hat eine eigene Wohnung bezogen, macht gerade seinen Hauptschulabschluss an der BBS III. Und er will weitergehen: „Danach würde ich gerne den Realschulabschluss machen.“ Und ein Buch schreiben. Über seine Flucht.

Den Grund dafür möchte Zia Haidari lieber nicht nennen. Er erzählt aber, wie er sich in Afghanistan einen Schlepper suchte. Seine Flucht führte über Pakistan und den Iran in die Türkei. Von dort setzte die Gruppe über nach Griechenland in einem Schlauchboot. Gefängnis in Griechenland, Fingerabdrücke, Zia Haidari wurde registriert. Er versuchte es nach Italien, musste zurück nach Griechenland. „Das Ziel der Flucht war eigentlich Österreich.“

Zia Haidari schaffte es nach Ungarn. Dort wurde seine dezimierte Gruppe von der Polizei aufgegriffen, alle mussten sich komplett ausziehen, das Alter wurde geschätzt, Details lässt Zia Haidari aus. Die Reise endete aber nicht in Ungarn, im August 2012 kam Zia Haidari in Lübeck an, von dort ging es nach Friedland bei Göttingen, im August 2013 fand er sich in Lüneburg wieder. 15000 Euro habe ihn die Flucht gekostet.

Nach seiner Ankunft besuchte er eine der beiden Deutsch-Sprachklassen an der Georg-Sonnin-Schule. „Er ist einer der besten Schüler, hat gelernt wie eine Rakete. Er ist sehr offen und hat ein weiches Herz“, sagt Tatjana Kromer, Sozialarbeiterin bei der Awo, die den Deutschunterricht für die Flüchtlinge betreut. Den besuchen noch mehr der jungen Asylbewerber, die jetzt auch im Wasserturm waren. Sie erstaunten die Schüler. „Viele können schon gut Deutsch sprechen“, stellte Janna Sommer aus dem 12. Jahrgang fest. Doch es gab auch Sprachbarrieren. Dann sprang Awo-Kulturmittlerin Amira Harabi ein, übersetzte auf Arabisch. Oder Zia war zur Stelle und half den anderen in gutem Deutsch.