Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Ende August brannte der syrische Imbiss am Handwerkerplatz aus, es gab vorher offenbar eine symbolische Warnung. Jetzt wurde zum wiederholten Mal in ein italienisches Restaurant eingebrochen. Der Täter versuchte Feuer zu legen. Foto: ca
Ende August brannte der syrische Imbiss am Handwerkerplatz aus, es gab vorher offenbar eine symbolische Warnung. Jetzt wurde zum wiederholten Mal in ein italienisches Restaurant eingebrochen. Der Täter versuchte Feuer zu legen. Foto: ca

Einbruch als Botschaft?

ca Lüneburg. War es ein normaler Einbruch oder steckt mehr dahinter? In der Nacht zu Donnerstag ist ein Unbekannter in das italienische Lokal An den Reeperbahnen eingebrochen. Der Wirt berichtet, dass Schubladen herausgerissen, eine Scheibe eingeschlagen und Teile des Lokal verwüstet wurden. Der Täter habe anschließend Schnaps auf dem Tresen ausgeschüttet und versucht, den Alkohol mit einem brennenden Briefumschlag zu entzünden. Erfolglos. Und das war nicht der erste unangemeldete nächtliche Besuch im Lokal. Es sei bereits der dritte Einbruch in sein Geschäft, so habe es eine Tat bereits im Frühjahr gegeben, damals sei eine Stereoanlage verschwunden, jetzt fehle wohl nichts.

Die Polizei ermittelt. Sprecher Kai Richter hält für denkbar, dass die Tat in eine Einbruchserie passt, betroffen waren in den vergangenen Tagen etwa Vereinsheime und Versicherungsbüros. Doch in der Lüneburger Gastro-Szene werden wildere Thesen gehandelt. Kneipiers machen sich Sorgen, dass auch sie von unliebsamen Gästen heimgesucht werden. Sie denken an den Stint-Brand vor einem Jahr zurück, als durch einen Brandanschlag auf das italienische Restaurant La Trattoria das ehemalige Lösecke-Haus in Schutt und Asche gelegt wurde. Der Täter ist bis heute nicht gefasst.

Im Rahmen dieser Ermittlungen wurden Beamte bedroht. So hatte die Polizei nach Auskunft von Stint-Anrainern nach dem Brand im Bereich der Kneipenmeile eine Videoanlage installiert und auch Erkenntnisse gesammelt. So fiel ein Diebstahl auf. Ein leitender Ermittler, der sich daraufhin vor Ort umschaute, soll eine symbolische Morddrohung erhalten haben. Er ließ den Fall aber nicht auf sich beruhen, sondern erstattete Anzeige. Das Amtsgericht soll den Fall demnächst verhandeln.

Ein zweiter Fall ist immer wieder Gesprächsthema. Ende August stand der syrische Imbiss am Handwerkerplatz in Flammen. Die Polizei ist sich sicher: „Es war Brandstiftung.“ Den Ermittlern sind merkwürdige Zusammenhänge ins Auge gestochen. Denn kurz vor dem Brandanschlag hatte es einen Einbruch gegeben. Der Täter hatte Lebensmittel aus Kühlschränken gezogen, die waren danach reif für den Müll. War das eine Botschaft? Die Kripo vermutet einen Zusammenhang. Es gab kein Bekennerschreiben, und auch von möglichen Schutzgeldforderungen wollte niemand sprechen.

Nach LZ-Informationen hatte die Polizei in Sachen Imbiss schon vor Wochen einen in Hamburg lebenden Osteuropäer als Tatverdächtigen ermittelt. Doch der hat sich inzwischen abgesetzt. Immer wieder rätseln Ermittler, wer Einfluss im attraktiven Lüneburger Gastro-Milieu gewinnen will und Druck ausübt.

Doch es wird über weitere Brennpunkte in der Stadt geredet. So soll an einer Straße in der Lüneburger Innenstadt nach Auskunft von Maklern und Anwohnern scheinbar gezielt versucht werden, Häuser zu erwerben. Hier kursiert bei manchen Haus-Aufkäufen längst der geflügelte Satz: „Es werden Angebote gemacht, die man nicht ablehnen kann.“
Die Polizei bittet auch im aktuellen Fall um Hinweise unter Tel.: 292215.