Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eleonore Tatge (li.) mit Simone Cornelius, neue BISS-Beraterin. Foto: t&w
Eleonore Tatge (li.) mit Simone Cornelius, neue BISS-Beraterin. Foto: t&w

Hilfe bei häuslicher Gewalt

as Lüneburg. Eine Familie soll schützen, stärken und Rückhalt bieten. Doch immer wieder muss die Polizei anrücken, wenn es zu Gewalt in Familien kommt. Um potenziellen Opfern möglichst früh Hilfe und Unterstützung anzubieten, hat der Runde Tisch gegen Gewalt in Familien vor vier Jahren eine Internetplattform ins Leben gerufen. Flankiert wurde diese jedes Jahr mit neuen Plakat-Aktionen. „Dadurch sind die Zugriffe auf die Seite jedes Mal hochgeschnellt“ sagt Kriminalkommissarin Eleonore Tatge, Mitglied des Runden Tisches. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, der am morgigen Dienstag, 25. November, stattfindet, wollen die Initiatoren noch einmal mit allen Plakaten an die Öffentlichkeit gehen.

Eleonore Tatge ( l.) und die neue BISS-Beraterin  Simone Cornelius mit einem Plakat, das auf die Internetadresse www.gegen-gewalt-in-der-familie.de hinweist. Foto: t&w
Dieses Plakat soll auf die Internetadresse www.gegen-gewalt-in-der-familie.de hinweisen. Foto: t&w

„Familie schützt“ war das Kampagnen-Thema 2013, alle Streifenwagen haben seither auch diesen Aufkleber mit der Internet-Adresse www.gegen-gewalt-in-der-familie.de. Wie schon in den Vorjahren, als man mit den Slogans „Familie wärmt“, „Familie verbindet“, „Familie stärkt“ für das Hilfsangebot geworben hatte, nutzten direkt danach viele Opfer von häuslicher Gewalt das Informationsangebot. Insbesondere die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) Lüneburg sei stark nachgefragt gewesen. „Das zeigt, dass wir mit dem Angebot eine Hemmschwelle abbauen und sich von Gewalt Betroffene frühzeitig Hilfe holen.“ Fakt sei aber auch, dass Wochen nach den einzelnen Kampagnen die Zugriffe auf die Internetseite wieder zurückgehen würden, so Tatge. „Deshalb ist unser Anliegen, immer wieder auf die Hilfsangebote der unterschiedlicher Partner des Runden Tisches hinzuweisen.“ Dem gehören seit 2001 neben BISS unter anderem Ärztekammer, Familiengericht, Staatsanwaltschaft, Polizei, Opferhilfe, Diakonieverband, Psychiatrische Klinik und Kinderschutzbund an. Hilfe und Unterstützung bieten sie nicht nur von Gewalt betroffenen Frauen, Kindern und Jugendlichen an, sondern auch Tätern, damit die Spirale der Gewalt sich nicht immer weiterdreht.

Neue Ansprechpartnerin bei BISS ist seit Anfang August Simone Cornelius, die Opfern von häuslicher Gewalt eine Erstberatung bietet. „Seit August hat es 90 Meldungen gegeben, sowohl von der Polizei, die der BISS jeden Einsatz bei häuslicher Gewalt meldet, als auch von sogenannten Selbstmeldern“, berichtet sie. Überwiegend seien es Frauen gewesen, in drei Fällen Männer. Die BISS-Beraterin informiert über die rechtlichen Möglichkeiten nach dem Gewaltschutzgesetz. Danach können Opfer von häuslicher Gewalt auch mit der Unterstützung der BISS-Beraterin beim Amtsgericht eine Unterlassungsverfügung beantragen, wonach das Opfer die Wohnung nur noch allein nutzen darf oder der Täter sich dem Opfer für sechs Monate nicht mehr nähern darf. „Das bietet Raum, um in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll“, sagt Simone Cornelius. Gemeinsam wird darüber hinaus überlegt, welche Anlaufstellen im Rahmen des Runden Tisches weiterhelfen können, welche Maßnahmen zum Schutz der Kinder notwendig sind und ob eventuell eine therapeutische Unterstützung notwendig ist. Als BISS 2002 ins Leben gerufen wurde, gab es anfänglich 60 Hilfesuchende pro Jahr, inzwischen sind es jährlich bis 270. Eleonore Tatge: „Da wir wissen, dass Kinder und Jugendliche eine besondere Ansprache und Unterstützung brauchen, hoffen wir, dass demnächst eine Beratung über den Kinderschutzbund an den Start geht.“ Dafür müssen allerdings noch Mittel seitens des Landes bereitgestellt werden.

Beratung am Telefon
Ein neues Angebot des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Unter der Telefonnummer 08000/116016 helfen Fachberaterinnen rund um die Uhr betroffenen Frauen und Mädchen. Im Internet gibt es Hilfe per Chat oder Mail unter www.hilfetelefon.de. Bei Bedarf werden Dolmetscher hinzugezogen. Das Angebot richtet sich nicht nur an Opfer von Gewalt, auch Fachkräfte, Familienmitglieder und Freunde können sich beraten lassen. Das Hilfetelefon soll die Anlaufstellen vor Ort ergänzen, denn in der Praxis hat sich gezeigt, dass es für Betroffene nicht leicht ist, sich an eine regionale Beratungsstelle zu wenden. Dadurch bleiben viele Gewalttaten unbemerkt. In Lüneburg bietet weiterhin das Frauenhaus einen Notruf rund um die Uhr, % 04131/61733, außerdem helfen die Frauenberatungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen % 0 41 31/ 61 950 (werktags von 9 bis 13 Uhr auch unter der Notfallnummer des Frauenhauses erreichbar), MaDonna für Mädchen und Frauen % 0 41 31/35 535 (werktags 10 bis 12 Uhr) und die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) Lüneburg % 0 41 31/22 16 044 (Montag bis Donnerstag 8 Uhr bis 19 Uhr, Freitag 8 Uhr bis 17 Uhr).